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Lombardisch-sizilianische Hochzeit

Es sind zwei Getränke aus einem Land, und doch stehen sie wie zwei verschiedene Kulturtraditionen da: hier der rote Campari mit der Eleganz und Bitternote des italienischen Nordens, da die herzerwärmende Süße sizilianischer Lebensfreude im Averna. Nun sind sie unter einem Dach. Campari nimmt sich den „Amaro siciliano“ zur Brust.

Bei Averna im sizilianischen Caltanisetta wird man an diesem Tag vielleicht einen Bitter runterspülen müssen, endet damit doch eine 150-jährige Familiengeschichte. Die Übernahmevereinbarung zwischen der in Mailand börsennotierten Davide-Campari-Gruppe und Averna wird mit 104 Millionen Euro bewertet. Das gab der Campari-Produzent am Dienstag bekannt.

Bob Kunze-Concewitz

Davide Campari-Milano

Campari-Chef Bob Kunze-Concewitz sucht nach neuen Nischen auf dem doch einigermaßen gesättigten Spirituosenmarkt

Die Strategie von Campari

Zur Averna-Gruppe gehören neben dem bekannten gleichnamigen Kräuterlikör auch der Magenbitter Braulio und Grappa Frattina. Damit steigt der Campari-Konzern, der vor allem für seinen roten Aperitif berühmt ist, nun auch ins hochprozentige Grappageschäft ein. Zu Campari zählen weltweit 50 Spirituosenmarken, darunter so bekannte wie Aperol, Cinzano und der Whisky Wild Turkey.

Das Unternehmen will mit gezielten Akquisitionen seine internationale Präsenz stärken. Auf dem Einkaufszettel von Firmenchef Bob Kunze-Concewitz stehen vor allem kleine, aber wachstumsstarke Marken auf attraktiven Vertriebsmärkten. Dort will er auch für seine eigenen Marken Aperol, Cinzano und Frangelico neue Konsumenten finden. Campari mit Sitz im Mailänder Viertel Sesto San Giovanni beschäftigt weltweit 4.000 Mitarbeiter in 15 Betrieben und vier eigenen Weingütern.

Suche nach den Nischen

Strategie des Konzerns ist es, noch relativ unbekannte Nischenmarken zu entdecken und ihnen dank des weltweiten Vertriebsnetzes zum internationalen Erfolg zu verhelfen. Campari gibt etwa 18 Prozent seines Umsatzes für Marketing und Werbung aus.

Auch Smirnoff-Hersteller auf Expansionskurs

Auch der britische Weltmarktführer Diageo will sein Geschäft ausbauen. Für 1,9 Milliarden Dollar greift der Hersteller von Johnnie-Walker-Whisky, Smirnoff-Wodka und Baileys-Likör nach der Mehrheit beim indischen Branchenprimus United Spirits. Der Konzern, der bereits 28,8 Prozent an United Spirits hält und das Management kontrolliert, will weitere 26 Prozent übernehmen.

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