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Freudentränen und Appell für Toleranz

Conchita Wurst hat das Unglaubliche wahr gemacht: Die Diva mit dem Vollbart gewann beim Eurovision Song Contest 2014 souverän mit großem Abstand. Platz zwei belegten die Niederlande, Platz drei Schweden. Es ist der erste Sieg Österreichs seit Udo Jürgens’ Triumph im Jahr 1966. Conchita Wurst weinte und freute sich unbändig. Der nächste Song Contest findet somit in Österreich statt.

Conchita Wurst sagte nach dem Ende des Votings, bei dem sie beeindruckende 290 Punkte erhalten hatte, sie widme ihren Sieg allen, die an die Zukunft von Frieden und Freiheit glauben: „We are unity - we are unstoppable - you know who you are.“ Konkreter wurde sie später in einem Interview in Bezug auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen homosexuellenfeindliche Gesetzgebung: „Ich weiß nicht, ob er zuguckt. Aber falls ja, sage ich ganz klar: Wir sind unaufhaltbar.“

Sie trug ihren Song „Rise Like a Phoenix“ als Abschluss der Show ein zweites Mal vor und machte dabei den Eindruck, als ob sie sich langsam beruhigt hätte und den Sieg zu genießen begann. Zuvor hatte sie von ihrem Manager beim Gang zur Bühne gestützt werden müssen.

„Thank you so much“

Der größte Hype um Österreich bei einem Song Contest seit Udo Jürgens galt von Anfang an ihr. Kraftvolle Gesten, eine aussagekräftige Mimik, eine Performance, die den Eindruck vermittelte, dass hier jemand ganz bei sich selbst ist: Das war der Auftritt der anmutigen Künstlerin im Finale. Das Publikum war vollkommen von ihr eingenommen. Es wurde lautstark gejubelt.

Conchita Wurst jubelt

APA/AP/Frank Augstein

Fassungslosigkeit und Freude: Conchita Wurst und ihr Team

Die Künstlerin bedankte sich direkt nach ihrem Auftritt bewegt und gerührt: „Thank you so much.“ Im Verlauf ihrer zwei Minuten auf der Bühne wirkte sie immer gelöster. Noch bei der Vorstellung der Kandidaten zu Beginn der Show hatte ihre Mimik eine gehörige Portion Nervosität verraten.

Spannung stieg kontinuierlich

Der Song „Rise Like a Phoenix“ erinnert tatsächlich wie alle Kommentatoren schreiben an einen Bond-Song. Es wäre kein Wunder, würden die Bond-Macher auf Conchita Wurst aufmerksam werden. Sie wäre ein würdiges Bond-Girl, das hat sie am Samstagabend bewiesen. Die Spannung steigerte sich kontinuierlich während der Show. In Livetickern von Medien war sie plötzlich als klare Favoritin gehandelt worden und lag bei den Wettbüros schließlich ebenfalls auf Platz eins.

Conchita Wurst

APA/EPA/Joerg Carstensen

Das Publikum bejubelte den Auftritt der Österreicherin

Fünf Punkte aus Russland

Besonders packend gestaltete sich dann die Bekanntgabe des Votings. Die Reihenfolge der Länder, die ihre Wertung bekanntgeben, wird so bestimmt, dass die Spannung möglichst lange gehalten wird. Den Anfang machte Aserbaidschan - mit nur einem Punkt für Österreich. Dann startete langsam eine Aufholjagd, die zwischenzeitlich zum Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Niederlanden wurde.

Die große Sensation: Ausgerechnet aus Russland, wo besonders viele homophobe Stimmen gegen Conchita Wurst lautgeworden waren, erhielt sie fünf Punkte. Ebenfalls bemerkenswert: nur sieben Punkte aus Deutschland. Ansonsten gestaltete sich die Bekanntgabe des Votings gegen Ende zum Durchmarsch. Immer wieder eingeblendet: Conchita Wurst, mit großen Augen in die Kamera blickend, betende Hände, Fassungslosigkeit, Tränen. Übrigens: Auch im Halbfinale hatte sie bereits gewonnen, wie nunmehr bekanntgegeben wurde.

Wrabetz: „Österreich wird der Gastgeber sein“

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zeigte sich nach der Show äußerst erfreut: „Wir freuen uns unglaublich über diesen Gewinn. Der war ja nicht so vorhersehbar.“ Deshalb könne man aber jetzt auch noch nichts über einen etwaigen Veranstaltungsort des Song Contest nächstes Jahr in Österreich sagen: „Wir haben noch nicht alles in allen Details durchgedacht. Aber Österreich ist ein Land, das für Musik steht und mehrere Möglichkeiten hat, den Song Contest auszurichten. Ich sage heute nur: Österreich wird der Gastgeber sein“, so Wrabetz.

Der Sieg von Conchita Wurst bewirke jedenfalls etwas in Österreich: „Österreich ist toleranter geworden heute Abend.“ Conchita Wurst habe ganz Europa nicht nur mit ihrer tollen Stimme überzeugt, sondern auch ein Zeichen für Toleranz und Akzeptanz gesetzt. ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner sagte: „Conchita Wurst hat mit ihrem Erfolg Österreich eine neue starke Stimme in Europa gegeben. Was für eine unvorstellbar großartige Nacht. Conchita Wursts fulminanter Song, ihre starke Performance und ihre unglaubliche Persönlichkeit haben Österreich in Europa in den letzten Wochen eine neue starke Stimme gegeben und wohl auch neues Selbstverständnis. Danke. Dieser Erfolg gehört ihr.“

Verdienter zweiter Platz für Niederlande

Einen verdienten zweiten Platz (238 Punkte) fuhren die Common Linnets für die Niederlande ein. Eindringlich, einnehmend, eine intensive Doppelconference, die in ihrer Stimmigkeit an Johnny Cash und June Carter erinnerte: Die Sängerin und der Sänger standen einander gegenüber und schrammelten sich mit der Gitarre an. Sie wirkten dabei nicht wie Kunstfiguren, sondern wie Musiker, zwischen denen die Chemie passt. Eine erfreuliche Ausnahmeerscheinung in Kopenhagen. Der Song ist ruhig und trotzdem treibend.

Dann Platz drei (218 Punkte): Sanna Nielsen vertrat Schweden mit dem Lied „Undo“. Es gibt sie wirklich: eine Frau, deren Vorbild Celine Dion ist. Und sie brachte tatsächlich einen Song dar, der an Celine Dion erinnerte. Selbst das Kostüm kommt einem vor, als hätte man es schon bei Celine Dion gesehen. Schöne Lichtspiele waren das einzige Showelement. Ein klassischer, allzu klassischer Song-Contest-Beitrag, sollte man meinen. Aber das Publikum liebt den Song Contest offenbar dafür - und stimmte fleißig für die Schweden ab.

Die Punkteverteilung

Punkte Land Interpret Song
1. 290 Österreich Conchita Wurst "Rise Like a Phoenix"
2. 238 Niederlande The Common Linnets "Calm After The Storm"
3. 218 Schweden Sanna Nielsen "Undo"
4. 174 Armenien Aram Mp3 "Not Alone"
5. 143 Ungarn Kallay-Saunders "Running"
6. 113 Ukraine Marija Jaremtschuk "Tick-Tock"
7. 89 Russland Tolmatschowa-Schwestern "Shine"
8. 88 Norwegen Carl Espen "Silent Storm"
9. 74 Dänemark Basim "Cliche Love Song"
10. 74 Spanien Ruth Lorenzo "Dancing In The Rain"
11. 72 Finnland Softengine "Something Better"
12. 72 Rumänien Paula Seling & Ovi "Miracle"
13. 64 Schweiz Sebalter "Hunter of Stars"
14. 62 Polen Donatan & Cleo "My Slowianie"
15. 58 Island Pollapönk "No Prejudice"
16. 43 Weißrussland Teo "Cheescake"
17. 40 Großbritannien Molly-Smitten Downes "Children Of The Universe"
18. 39 Deutschland Elaiza "Is It Right"
19. 37 Montenegro Sergej Cetkovic "Moj Svijet"
20. 35 Griechenland Freaky Fortune feat. Risky Kidd "Rise up"
21. 33 Aserbaidschan Dilara Kazimova "Start A Fire"
22. 33 Italien Emma Marone "La mia citta"
23. 32 Malta Firelight "Coming Home"
24. 14 San Marino Valentina Monetta "Maybe"
25. 9 Slowenien Tinkara Kovac "Round and Round"
26. 2 Frankreich Twin Twin "Moustache"

Platz eins - beim Cirque du Soleil

Maria Jaremtschuk trat mit „Tick-Tock“ für die Ukraine als erste Künstlerin des Abends an. Die Musik war rockig mit Elektroelementen und eingängig, aber absolut zweitrangig, wie auch die Windmaschine und die dunkelblau-schwarze Robe der Sängerin (mit Schlitzen bis zur die Hüfte). Im Vordergrund stand die Performance des Background-Tänzers im Hamsterrad. Diese Performance wäre ein klarer Kandidat für Platz eins gewesen - beim Cirque du Soleil. 6. Platz.

Ein Topfen aus Weißrussland

Teo trat mit seinem Song „Cheesecake“ für Weißrussland an: „Ich will nicht mehr dein Boyfriend sein, es ist zu spät, ich schau’ jetzt auf der Landkarte nach, um dir zu entkommen, ich habe keine Lust mehr auf deine süße Topfentorte.“ Das war wohl nicht Teos Botschaft an Langzeitdiktator Alexander Lukaschenko. Aber immerhin sang er nicht „I Love Belarus“, wie es im weißrussischen Beitrag von 2011 hieß. Ansonsten: funky Töne von fünf „Men in Black“, die wie eine in die Jahre gekommene Boygroup wirkten. 16. Platz.

Das legendäre Gastgeberland von vor zwei Jahren, Aserbaidschan, schickte Dilara Kazimova mit ihrem Song „Start A Fire“ ins Rennen. Sie scheiterte zweimal an der nationalen Nominierung - diesmal offenbar nicht. Begleitet wurde ihre Ballade von Bombastmusik und einer Trapezkünstlerin. Artistik wurde heuer groß geschrieben beim Song Contest. Man könnte noch erwähnen, dass das Kleid rot war und Kazimova die Töne traf. 22. Platz.

Kindgerechte Song-Contest-Punknummer

Pollapönk („Punk für Kinder“) traten für Island mit „No Prejudice“ an. Die Lyrics der tatsächlich punkigen Nummer sind ein Appell für Toleranz und gegen Vorurteile. Das intellektuelle Gewicht des Textes rechtfertigt den Titel. Aber schön bunt waren die Anzüge der Band und fröhlich die Musik. So hört sich also Song-Contest-Punk an. 15. Platz.

Carl Espen, Ex-Türsteher eines Blackmetal-Clubs, ordentlicher Bauch, ordentlich tätowiert: Norwegen will wissen, was beim Song Contest mittlerweile geht. Espen trug mit „Silent Storm“ eine Ballade vor, die seine Cousine geschrieben hatte. Er wäre gerne die norwegische Antwort auf Jeff Buckley. Auch wenn sich das nicht ganz ausgeht, überzeugte sein gefühlvoller Auftritt. 8. Platz.

Eine Klavierattrappe als Star

Paula Seling und Ovi waren schon einmal für Rumänien mit von der Partie und haben dabei sogar den dritten Platz gemacht. Seling ist in Rumänien ein Star, Ovi in Norwegen. In den 90ern hätte man ihre Nummer „Miracle“ Eurotrash genannt. Das passt auch heute noch ganz gut für den technoiden Power-Lovesong. Der Star der Performance: die kreisrunde Klavierattrappe. Flammen waren auch zu sehen. 12. Platz.

Paula Seling und OVI (Rumänien)

Reuters/Tobias Schwarz

Die Klavierattrappe wurde von Ovi (für Rumänien) recht willkürlich bearbeitet

Aram MP3 aus Armenien war einer der Favoriten und fiel im Vorfeld durch abfällige Bemerkungen über Conchita Wurst auf. Im Nachhinein wollte er in sämtlichen entsprechenden Interviews falsch übersetzt worden sein und entschuldigte sich. Er schaut ein wenig dem jungen Rick Astley ähnlich. Sein Song heißt „Not Alone“ und ist eine Dubstep-Nummer mit recht viel Drive. Schwarzer Mantel, Lederfingerlinge, von Flammen umrundet, ernster Blick: Es ist eines homophoben Mannes Welt. 4. Platz.

Sorge um die Knochen der Tänzerin

Sergej Cetkovic ist mit 39 Jahren keiner der wirklich jungen Song-Contest-Teilnehmer und trat für Montenegro an. „Moj Svijet“ heißt das Lied, zu Deutsch „Meine Welt“. Man machte sich den gesamten Song über Sorgen, dass seine Hintergrundtänzerin mit ihren Rollerblades stürzt. Das könnte ein Trick gewesen sein, um vom wenig abwechslungsreichen Song abzulenken. Aber dass es Eiskunstlauf für Rollschuhfahrer gibt, ist faszinierend. 19. Platz.

Donatan & Cleo für Polen: Er ist der Produzent, sie die Sängerin, „das blonde polnische Bond-Girl mit der launischen Stimme“, wie es in der Bandinfo heißt. Der Song: „My Slowianie“ - „Wir sind slawisch“. Das Lied und die Performance sind nicht unbedingt naheliegend, eine Mischung aus ruraler Mutzenbacher-Performance und Raggamuffin, vorgetragen mit schriller Stimme. Bei manchen sehr verwirrenden, intensiven Gemeinschaftserlebnissen einer großen Gruppe - wie hier der Auftritt Polens für das europäische Fernsehpublikum - kann erst die Geschichtsschreibung ein valides Urteil abgeben. 14. Platz.

Ein Trampolinspringer auf verlorenem Posten

Zwei 23-Jährige traten als Freaky Fortune feat. Risky Kidd für Griechenland an. Sonst sind sie eher für Coverversionen aktueller Popsongs bekannt. Mit „Rise Up“ brachten die beiden Up-tempo-Beats mit Hiphop- und Balkan-Pop-Anklängen auf die Bühne. Die Show zählte zu den ereignislosesten des Abends, auch wenn sich der Trampolinspringer im Hintergrund noch so abmühte. 20. Platz.

Klassisch, allzu klassisch

Für Deutschland trat Elaiza mit dem Song „Is It Right“ an. Ein wenig unentschlossen ist der Text: „Ist es Ja? Ist es Nein? Ist es richtig? Ist es falsch?“ Und ein wenig unentschlossen war auch die gesamte Performance. Der Song ist folkig, mit Akkordeon, und ganz nett. Aber wirklich außergewöhnlich war weder die gesangliche Leistung noch die Show. 18. Platz.

Mit sehr, sehr viel Humor traten Twin Twin für Frankreich an. „Moustache“ ist eine ironiestrotzenden Ode an den Schnauzbart und die Spießigkeit in allen alten und neuen Erscheinungsformen. Die Nummer kommt als moderner Elektrotrack daher, mit Rapelementen auf Französisch. Der Song ist zu gut, die Performance war zu gut. Sprich: eine Fehlbesetzung beim Song Contest. Intelligent, witzig, Themaverfehlung. Daher: Zwei Punkte, letzter Platz.

Wenn zwei sich in die Haare kriegen

Anastasia und Maria machen heuer Matura. Vorher traten die Zwillinge noch für Russland als Tolmatschewy Twins mit dem Lied „Shine“ beim Song Contest an. Ganz schön streng hörte sich ihre Botschaft der Liebe an. Pech auch: Am Anfang verhedderten sich die Zwillinge mit den Haaren. Sonstige Showelemente: eine große Wippe, Nebel und weiße Glasröhren. Ein wenig hektisch wirkte das Ganze. In Russland sind die beiden 17-Jährigen schon seit langem Stars, warum auch immer. 7. Platz.

Tolmachevy-Schwestern (Russland)

APA/EPA/Joerg Carstensen

Das „Missgeschick“ mit den verhedderten Haaren der russischen Zwillinge

„La mia citta“ heißt der Song, mit dem Emma Marrone für Italien auftrat. Ganz schön rockig, die Nummer, in Verbindung mit dem Outfit als Cäsarin und dem Auftreten der Sängerin fast schon antik und glamrockig zugleich. Marrone vertritt ein deutlich anderes Frauenbild als die meisten anderen Künstlerinnen beim Song Contest. Sie ist kein Glitzerprinzesschen, trotz Glitzerzeugs auf dem Kleid, sondern eine Frau. Das Lied hat ungewöhnlich viel Drive. 22. Platz.

Die unsichtbare Macht im Hintergrund

Tinkara Kovac ist in ihrer Heimat ein großer Star. Sie trat für Slowenien mit „Spet (Round And Round)“ an. Der Song beginnt Jethro-Tull-artig mit lauten Gitarren und Querflöte: Powerpop auf Slowenisch und Englisch, mit drei Background-Sängerinnen. Performance und Lied wirkten, als ob sie im Wind flattern würden, unstet und von einer unsichtbaren Macht angetrieben, die nicht weiß, was sie will; jedenfalls einer von nur fünf Songs, in denen Originalsprache zu hören war. Vorletzter Platz - also Platz 25.

Topi, Ossi, Eero, Henri und Tuomo haben am Samstagabend gemeinsam die Bühne gerockt. Sie nennen sich Softengine und kommen aus Finnland. Im Text geht es um einen Mann, der auf sein Leben zurückblickt und das Zusammensein mit seiner Frau als beste Erinnerung empfindet. Das ist schön, auch wenn der eigentlich stimmige, aber sehr rockige Song die Sentimentalität der Lyrics auf etwas seltsame Weise konterkariert. Alles in allem ein kreuzbraver Auftritt. 11. Platz.

So typisch Song Contest

Kann sich noch jemand an Jennifer Rush erinnern? Jedenfalls, für Spanien trat Ruth Lorenzo mit „Dancing In The Rain“ an. Die Nummer baut sich langsam und gefühlvoll auf, um in einem furiosen Finale zu enden. Das Ganze ist so typisch Song Contest, dass man eigentlich nichts weiter darüber sagen muss. 10. Platz.

Sebalter nennt sich jener Sänger, der mit „Hunter Of Stars“ für die Schweiz antrat. Er kann nicht nur singen, sondern auch pfeifen. Die Nummer ist ganz lustig, folkig, mit viel Tempo und einem Banjo. Und dann griff Sebalter auch noch zur Geige. Der Körpereinsatz stimmte ebenfalls. Der Schweizer lief herum, gestikulierte und grinste, als ob es kein Morgen gäbe; ein echter Kampfgrinser. Das machte Spaß (nicht nur ihm selbst). 13. Platz.

Schwere Themen, leichter Sound

Der 29-jährige Andras Kallay-Saunders ist in den USA ausgewachsen. Das erklärt, warum ein Ungar die beste englische Aussprache dieser Ausgabe des Song Contests hatte. Er spricht in seinem Text das ernste Thema Kindesmissbrauch an. Beeindruckend waren die Background-Tänzer mit ihrem expressivem Modern Dance. Die Nummer ist eine Art Dubstep-Soul, statt mit 33 Umdrehungen versehentlich mit 45 abgespielt. 5. Platz.

Arbeitsmigranten widmeten Firelight ihren Song „Coming Home“ und traten damit für Malta an. Drei Geschwister und drei gute Freunde, das macht sechsmal gute Laune. Eine gute Laune, die angesichts des ernsten Themas etwas seltsam anmutete. Schließlich geht es um Menschen, die im Ausland arbeiten müssen und ihre Familien vermissen. Aber schließlich ist die Wiedersehensfreude groß. Eine schwungvolle Country-Folk-Pop-Nummer mit vielen Saiteninstrumenten jedenfalls. 23. Platz.

Nett und adrett

Lupenreiner 80er-Jahre-Boygroup-Sound lieferte Basim für die Dänemark mit seinem Song „Cliche Love Song“. Vier Burschen und ein Mädel in Anzügen, die gut tanzen und gut singen, gaben auf der Bühne ihr Bestes. Die Gastgebernation hat sich für einen komplett belanglosen Song entschieden, dessen einziger Witz - der Titel - im Nichts verpuffte. Aber sehr sympathisch waren sie, die adretten Buben und das ebensolche Mädchen. 9. Platz.

Basim (Dänemark)

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Die braven Dänen machten auf ihrer Heimatbühne auch Musik

Schauspielunterricht auf der Volkshochschule

Valentina Monetta brachte für San Marino Ralph Siegels Lied „Maybe (Forse)“ dar, der Meister selbst klopfte in die Tasten, wurde aber anders als im Halbfinale im Hintergrund versteckt. Die Nummer klingt wie eine Mischung aus Abba und James-Bond-Song. Der Vortrag war recht uninspiriert, auch für Song-Contest-Verhältnisse. So viel Ausdruck in den Bewegungen - vielleicht hat Monetta eine Schauspielausbildung gemacht, auf der Volkshochschule. 14. Platz.

Mit einem anspruchsvollem, komplexen Song schickte Großbritannien Molly ins Rennen. „Children of the Universe“ enthält sogar ein paar Rhythmuswechsel. Die Stimme Mollys ist auf die Bonnie-Tyler-Art rauchig und der Refrain lädt zum Mitsingen ein. Das Lied wird nicht in die Geschichte eingehen, zählt aber zur besseren Song-Contest-Unterhaltung. Und Molly, die ist hübsch und wirkt, als ob man mit ihr Pferde stehlen könnte. Schön waren die Henna-Tattoos. 17. Platz.

Brav moderiert, spektakuläre Bühne

Mit Pilou Asbaek hatte sich Danmarks Radio einen recht bekannten Schauspieler („Borgen - Gefährliche Seilschaften“) als Gastgeber gesichert. Gemeinsam mit Nikolaj Koppel und Lise Ronne, beide Moderatoren des Dänischen Rundfunks, führte er gediegen und doch humorvoll die Show. Ein zweiter Gewinner des Abends stand übrigens von Beginn an fest: die Bühne. So langweilig konnten die Songs gar nicht sein, dass man bei den vielen Effekten, von spektakulären Lichtspielen und Projektionen bis hin zu sensorischen Reaktionen des Bodens auf die Tänzer nicht staunen musste. Nebel und Blumendeko waren vorgestern.

Simon Hadler, ORF.at

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