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Viele Bewerber, Entscheidung demnächst

Mit dem Sieg von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest hat das Rennen für die Austragung im kommenden Jahr begonnen: In Wien bringen sich Veranstalter wie die Stadthalle und die Messe in Position - doch auch fast alle anderen Bundesländer melden Interesse an. Die Entscheidung soll schon bald fallen: Spätestens in zwei Monaten muss es so weit sein, sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Die für viele offensichtliche erste Wahl steht jedenfalls bereit: „Wo sonst“ als in der Wiener Stadthalle könne das Großereignis über die Bühne gehen, so Stadthallenchef Wolfgang Fischer schon am Sonntag. Bei 250 Shows pro Jahr seien außergewöhnliche Begebenheiten wie „Feuerwerke, Regen, Schnee oder was auch immer man auf der Bühne haben will“ tägliches Geschäft, auf den Song Contest könne man sich daher problemlos einstellen.

Konkurrenzkampf in Wien

Drei Hallen mit je 16.000 Quadratmetern und eine zusätzliche Halle mit 10.000 Quadratmeter Fläche - das könnte die Messe Wien dem ORF als Veranstalter des Song Contest anbieten. Auch im Austria Center Vienna spielt man schon potenzielle Varianten durch - mehr dazu in wien.ORF.at.

Die einzige Location, die bereits einen Song Contest beherbergt hat, winkte dagegen ab. Nach dem ersten Sieg Österreichs 1966 veranstaltete man das europäische Wettsingen im folgenden Jahr in der Wiener Hofburg. Heute steht man einer Austragung unter den derzeit bekannten Bedingungen dort eher skeptisch gegenüber.

Open Air wenig realistisch

Immer wieder genannt wurde auch das Happel-Stadion in Wien. Da passen zwar sehr viele Menschen hinein, dafür hat es einen gravierenden Nachteil: kein Dach. Es wäre das erste Mal, dass der Song Contest - ausgerechnet zu seinem 60. Jubiläum - als Open Air stattfindet. Ein Open Air hält ORF-Finanzdirektor Richard Grasl für wenig realistisch: Gänzlich könne er sich das wegen des Wetterrisikos nicht vorstellen. Die Frage sei, ob man bei einem allfälligen Austragungsort eine temporäre Wettersicherheit schaffen könne.

Kärnten und Tirol würden gern

Dennoch: Schon ab Sonntag hatten Bundesländer ihre Locationangebote - auch unter freiem Himmel - ins Spiel gebracht. Früh zu Wort meldete sich der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider (FPÖ). Er hätte den Bewerb gerne im Wörthersee-Stadion gesehen. Ob ein Umbau finanziell gestemmt werden kann, scheint aber fraglich - mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Wörthersee Stadion in Klagenfurt

ORF.at/Zita Köver

Das Wörthersee-Stadion in Kärnten steht recht oft leer

Als möglicher Austragungsort brachte sich auch Innsbruck ins Spiel. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) betonten in einer gemeinsamen Aussendung, dass Innsbruck ideal sei. Man habe bereits mehrfach bewiesen, dass in Innsbruck internationale Veranstaltungen perfekt ausgerichtet werden könnten. Außerdem, heißt es, wäre die Veranstaltung die optimale Werbung für den Tourismusstandort Tirol - mehr dazu in tirol.ORF.at.

Von Tom zu Conchita

Im Liveinterview in „Thema“ ließ Conchita Wurst Montagabend ihren Sieg Revue passieren und erklärte, warum sie sich als Dragqueen auf der Bühne am wohlsten fühle - mehr dazu in tvthek.ORF.at.

Auch Niederösterreich und Graz in Stellung

Auch im Büro von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) hieß es, dass Niederösterreich bereits mehrfach die qualitativen Voraussetzungen für die Abwicklung von internationalen Events bewiesen habe. Wenn der ORF eine geeignete Location in Niederösterreich finde, dann sei man zu ernsthaften Gesprächen bereit - mehr dazu in noe.ORF.at.

Auch der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) meldete offiziell Interesse an der Austragung an und rechnet sich gute Chancen aus. Für Graz als Austragungsort spreche aber nicht nur, dass der Bad Mitterndorfer Tom Neuwirth hier die Modeschule besuchte, sondern auch die Infrastruktur, die rund um die Grazer Stadthalle geboten werden könne. Doch auch der Freizeitpark Schwarzlsee sieht sich als sinnvollste Variante - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Stadthalle in Graz

ORF.at/Christian Öser

Die Grazer Stadthalle bietet sich an

Auch Oberösterreich hat einen Vorschlag

Auch Oberösterreich ließ sich nicht lange lumpen: Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) meinte, dass es mehrere mögliche Austragungsorte in dem Bundesland gebe, er denkt aber vor allem an die Einbeziehung des Linzer Musiktheaters. Unterstützung erfuhr dieser Vorstoß vom Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) - mehr dazu in ooe.ORF.at.

Linzer Musiktheater

ORF.at/Roland Winkler

Das Linzer Musiktheater würde einen eher intimen Rahmen bieten

Niessl bringt Messehalle Oberwart ins Gespräch

Auch wenn die Bregenzer Seebühne ebenfalls von manchen genannt wurde: Die sonst vorhandenen Kapazitäten sind für eine Austragung wahrscheinlich zu knapp. Diesbezüglich zeigen sich die Verantwortlichen des Festspielhauses Bregenz und der Messe Dornbirn „allerdings nicht abgeneigt“ - mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) wirbt für die Austragung des Song Contest 2015 „in unserer Stadt der Vielfalt, in Oberwart“. Dort gebe es eine „hervorragende Infrastruktur, circa 7.000 Plätze in der Messehalle in Oberwart“, sagte Niessl. Der ORF habe von dort aus schon in viele Länder der Welt Übertragungen durchgeführt - „das heißt, die Infrastruktur ist vorhanden“ - mehr dazu in burgenland.ORF.at.

Eine Absage gab es aus Salzburg. Ganz abgesehen von finanziellen Fragen meinte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP), die Veranstaltung passe nicht in das Kulturprofil des Landes - mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Wrabetz lobt „unglaubliche Resonanz“

Wrabetz betonte, das Unternehmen freue sich, „dass Österreich im nächsten Jahr im Mittelpunkt der Welt stehen wird, bei dem größten Unterhaltungsereignis, das es gibt“. Es sei notwendig, dass diese Chance von ganz Österreich auch genützt werde. Zum Austragungsort sagte Wrabetz, er sei froh über die „unglaubliche Resonanz aus fast allen Bundesländern“, den Song Contest austragen zu wollen. Das sei ein „sehr positives Zeichen“.

Jetzt gehe es darum, dass der ORF mit der Eurovision die Anforderungen im Detail klärt. Neben dem Standort selbst müsse man auch die Infrastruktur, sowohl jene der Hotelangebote als auch hinsichtlich des Verkehrs, berücksichtigen, gab Wrabetz zu verstehen. Ziel sei auch, ein Konzept zu finden, das nicht nur die Veranstalterstadt, sondern ganz Österreich repräsentieren kann.

„Jedenfalls finanzierbar“

Hinsichtlich des finanziellen Rahmens gebe es mehrere Punkte zu beachten, sagte Wrabetz. Erstens stelle sich die Frage, ob die Veranstaltung in einer bestehenden Halle stattfindet oder in einem Neubau. Zweitens werde es darauf ankommen, welche Aufwendungen die Veranstalterstadt zur Verfügung stellt. Hier werde es etwa auf die vorhandene Verkehrsinfrastruktur ankommen.

Dass die Sache für den ORF zu stemmen ist, ist für Wrabetz klar: „Es ist jedenfalls finanzierbar.“ Grasl wiederholte seine bereits geäußerte Einschätzung, dass die Ausrichtung des Spektakels den ORF netto etwa 20 Mio. Euro kosten werde - hier sind aber Einnahmen wie etwa aus Ticketerlösen bereits gegengerechnet. „Wir müssen es stemmen.“ Der ORF werde jedenfalls eine Obergrenze festlegen, und diese werde sich bei den genannten 20 Mio. Euro einpendeln. Auch Grasl verwies auf die bereits zahlreichen Interessenten: „Offenbar ist die Austragung sehr vielen sehr viel wert“, hofft auch er auf Unterstützung des Austragungsortes - sowohl hinsichtlich der Infrastruktur als auch finanziell.

Wer soll moderieren?

Spekulationen gibt es auch bereits, wer den Song Contest moderieren soll. Conchita Wurst bewarb sich am Sonntag quasi selbst. Neben den in großen Shows bewährten ORF-Moderatoren kursieren im Netz bereits etliche anderen Ideen: Auf Facebook sammelt eine Gruppe Stimmen, dass Dirk Stermann und Christoph Grissemann die Moderation übernehmen sollen. Ein paar tausend Unterstützer haben sie bereits. Auch ein anderer Name wird immer wieder genannt: Christoph Waltz.

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