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Von Hochburgen bis Protestgemeinden

Der Blick in Länder und Gemeinden offenbart ein teilweise vom Bundesergebnis deutlich abweichendes Bild der EU-Wahl von Sonntag. Überraschende Ergebnisse konnten in einzelnen Kommunen bis auf wenige Ausnahmen alle Parteien erzielen. Das gelang - Verlusten bzw. Stagnation auf Bundesebene zum Trotz - sogar den beiden stärksten Parteien ÖVP und SPÖ.

Auffällig war dahingehend das Resultat in Kärnten, wo einmal mehr gegen den Bundestrend gewählt wurde - und das besonders augenscheinlich. So ist es im Falle der ehemaligen FPÖ- bzw. BZÖ-Hochburg gar nicht notwendig, allzu sehr ins Detail zu gehen, schon die politische Landkarte der Bezirke weist die klaren Verhältnisse aus. Die ehemalige Landeshauptmann-Partei BZÖ schrumpfte auf das Niveau einer Kleinstpartei, viele Stimmen wurden neu verteilt.

Kleinstpartei überflügelt BZÖ in Kärnten

In allen Bezirken bzw. auch in deren Gemeinden konnte die SPÖ teilweise markant zulegen - und das, obwohl die nunmehrige Landeshauptmann-Partei bereits 2009 vorne lag. Im Kärntner Gesamtergebnis verzeichnete die SPÖ ein Plus von 7,40 Prozent. Sogar im Bezirk Hermagor, als einziger Kärntens schwarz, legten die Sozialdemokraten zu, im Lesachtal gar um gut 13 Prozent.

Karte zur EU Wahl: Kärnten

ORF

Nur in Kärnten konnte die SPÖ deutlich dazugewinnen

Viele Stimmen wanderten vom BZÖ zur FPÖ, die noch stärker als die SPÖ - wenngleich von weit niedrigerem Niveau - zulegen konnte. Besonders dramatisch für das BZÖ, das fast 20 Prozent verlor: Die EU-kritische Kleinstpartei EU-Stop erzielte mit über 4,15 Prozent fast das Dreifache der Stimmen, welche die Partei des verstorbenen Ex-Landeshauptmannes Jörg Haider einfahren konnte. Bescheiden war die Wahlbeteiligung, über 60 Prozent gingen gar nicht mehr zur Wahl - mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Freiheitlicher Erdrutsch in steirischen Gemeinden

Während die FPÖ auf nationaler Ebene nicht um die Spitze mitmischen konnte, konnten die Resultate in manchen steirischen Bezirken bzw. Gemeinden dem eigenen Anspruch einer Denkzettelwahl gerecht werden. Denn die steirischen „Reformpartner“ aus SPÖ und ÖVP verloren, während sich die FPÖ verdoppeln und zu den beiden Parteien aufschließen konnte - vom ersten Platz konnte die ÖVP wie schon bei der Nationalratswahl allerdings nicht verdrängt werden - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Hinweis

Alle Angaben beruhen auf dem vorläufigen amtlichen Endergebnis, mit Einberechnung der Wahlkarten.

Dramatische Verluste gab es vor allem für die ÖVP im Bezirk Voitsberg, wo die FPÖ mit einem Plus von 16,75 Prozent stärkste Kraft wurde. In einzelnen Gemeinden Voitsbergs, etwa Geistthal und Salla, wurde von der FPÖ die 40-Prozent-Marke überschritten. Auch im Bezirk Graz-Umgebung wurden die Freiheitlichen stärkste Partei, es gab Zuwächse von bis zu 30 Prozent, etwa in der Gemeinde Gschnaidt, wo die ÖVP gut 18 Prozent verlor.

Karte zur EU Wahl:Steiermark

ORF

Die Bezirke Voitsberg und Graz-Umgebung sind blau, aber auch in äußerlich roten bzw. schwarzen Bezirken gab es auf Gemeindeebene massive FPÖ-Zuwächse

Interessant auch die Entwicklungen im Bezirk Murau, wo der Widerstand vieler Gemeinden gegen die Zusammenlegungen noch immer anhält. Zwar behielt die ÖVP dort die Oberhand, die FPÖ konnte aber in fast allen Gemeinden teilweise deutlich zulegen. So wurden die Freiheitlichen etwa in Neumarkt in Steiermark, wo es sogar eine Bürgerbewegung für den Wechsel zum Nachbarn Kärnten gibt, mit einem Stimmenplus von 21 Prozentpunkten stärkste Partei. Auch in anderen „Protestgemeinden“ zeigte sich ein ähnliches Bild. In der Liezener Gemeinde Pichl-Preunegg erreichte die FPÖ 47,8 Prozent. Blaue Hochburg war die Gemeinde Reichendorf (Bezirk Weiz), wo die FPÖ mit 49,38 Prozent knapp an der absoluten Mehrheit vorbeischrammte.

Wo das BZÖ noch zweistellig ist

Bemerkenswerte Ergebnisse gab es in der Steiermark noch weitere: So macht das BZÖ-Resultat in Gams bei Hieflau (Bezirk Liezen) fast die bittere orange Realität wett, denn hier kam die Partei auf über zehn Prozent. Auch für die Reformkonservativen (REKOS) von Ewald Stadler war die Steiermark ein guter Boden: Im Limbach bei Neudau (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) fuhren die REKOS 16,54 Prozent der Stimmen ein - damit liegt man im knapp 330 Einwohner zählenden Dorf beim fast 14-Fachen des Österreich-Durchschnitts.

Verschiebungen in Niederösterreich

Interessant auch der Blick nach Niederösterreich, wo die gewohnt gute Wählermobilisierung des Wahlsiegers ÖVP (32,96 Prozent) auch diesmal funktionierte - mehr dazu in noe.ORF.at. 83 Prozent der jetzigen ÖVP-Wähler hatten auch schon 2009 die Volkspartei gewählt. Während im Süden die FPÖ in SPÖ-Hochburgen gut abschneiden konnte, erstarkten NEOS und Grüne.

Karte zur EU Wahl: Wahlbeteiligung in Österreich

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Treue Schwarze: Die Mobilisierung klappte traditionell in Niederösterreich sehr gut

Obwohl zwar bundesweit stark hinter den eigenen Erwartungen geblieben, konnte NEOS - das ja besonders enttäuschte ÖVP-Wähler anzusprechen versuchte - etwa in der Heimatgemeinde von ÖVP-Obmann Michael Spindelegger einen Zuwachs auf 16,10 Prozent (das Doppelte des Bundesergebnisses) einfahren. Noch stärker schnitten dort die Grünen ab, die hinter der ÖVP Platz zwei belegten.

Vorarlberg: Welle in Grün und Pink

Apropos Grüne: Mit einem Gesamtplus von fast vier Prozent stehen sie als zweiter großer Gewinner da. Am augenscheinlichsten ist der Erfolg - neben dem erwartet starken Abschneiden in den Städten Wien, Graz und Innsbruck in Vorarlberg, wo der Stimmenzuwachs über zehn Prozent beträgt und die Grünen auf 23,29 Prozent kamen - mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.

Zu verteilen war im äußersten Westen einiges, schließlich war Vorarlberg die Hochburg von Hans-Peter Martin. Außerdem wanderten viele Wähler von der ÖVP ab, neben den Grünen konnte auch NEOS, dessen Parteiobmann Matthias Strolz ja aus Vorarlberg stammt, mit 14,91 Prozent das bundesweit stärkste Resultat einfahren. Auch die NEOS-Hochburg ist in Vorarlberg: In Dalaas (Bezirk Bludenz) kam die Partei auf 24,55 Prozent der Stimmen.

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