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Kresse und Kohl, das tut wohl

Modeerscheinungen kommen und gehen - auch in der Ernährungsindustrie. Mal gilt etwa Brokkoli als Nonplusultra unter den Gemüsen, dann das Kraut. Welches nun tatsächlich die gesündesten Gemüse- und Obstsorten sind, wollten US-Wissenschaftler herausfinden.

Forscher der William Patterson University in New Jersey untersuchten 47 „Powerhouse fruits and vegetables“ (Kraftwerkgemüse und -früchte, PFV), die am meisten mit krankheitsreduzierenden und -präventiven Wirkungen in Verbindung gebracht werden. Am Donnerstag wurden die Studienergebnisse veröffentlicht. 41 Sorten schafften es in das anschauliche Ranking der gesündesten Frucht- und Gemüsesorten - gelistet nach der enthaltenen Menge von 17 essenziellen Nährstoffen: darunter Kalium, Kalzium, Eisen, Riboflavin, Zink, Ballaststoffe, Eiweiß und die Vitamine A, B6, B12, C, D, E und K.

Brunnenkresse erreichte Höchstwertung

Das Ergebnis birgt einige Überraschungen. Denn auf das Gemüse mit den höchsten Punktewerten (die mit 100 gedeckelt wurden) hätte wohl kaum jemand getippt: Die Brunnenkresse (100 Punkte) enthält die meisten Nährstoffe in einer großen Bandbreite, gefolgt von Chinakohl (91,99 Punkte), Mangold (89,27 Punkte), den grünen Blättern von Roten Rüben (87,08 Punkte) und Spinat (86,43 Punkte). Weiters unter den Top Ten: Chicoree (73,36 Punkte), Blattsalat (70,73 Punkte), Petersilie (65,59 Punkte), Kochsalat (auch: Römersalat, 63,48 Punkte) und Markstammkohl (Form des Gemüsekohls, 62,49 Punkte).

Brunnenkresse

Fotolia/hjschneider

Die Brunnenkresse machte das Rennen

Die Studienforscher berechneten, zu welchem Anteil die untersuchten Sorten (jeweils 100 Gramm) den Tagesbedarf an den 17 Stoffen decken. Die Punktewertung wurde mit der Höchstpunktezahl 100 gedeckelt, um zu verhindern, dass eine Sorte mit einem besonders hohen Anteil eines einzelnen Nährstoffs ein überproportional hohes Ergebnis erzielt.

Beeren, Knoblauch und Zwiebel überschätzt?

Nicht allzu viel sollte man sich laut der Studie hingegen - nährstofftechnisch betrachtet - von Himbeeren, Mandarinen, Blaubeeren und auch Knoblauch und Zwiebeln erwarten. Sie fielen bei der Studie durch und schafften es nicht in das Ranking. Generell schnitten zahlreiche Kreuzblütler (etwa diverse Kohlsorten, Rüben, Kresse) sehr gut ab, wohingegen sich Vertreter der PFV-Subgruppen wie gelbe/orange Gemüsesorten, Laucharten, Zitrusfrüchte und Beeren meist in der zweiten Hälfte des Rankings finden.

So erhielten Orangen nur 12,91 Punkte, knapp gefolgt von Zitronen (12,23 Punkte). Beide lagen noch vor der Grapefruit (11,64 bzw. gar nur 10,47 Punkte für das Schlusslicht, der weißen Grapefruit). Fruchtgemüse wie Kürbis (32,23 Punkte), roter Paprika (41,26 Punkte) und Paradeiser (20,37 Punkte) erwiesen sich in der Studie ebenfalls als nicht sehr wirkungsmächtig. Der vielgerühmte Brokkoli - ein Kreuzblütengewächs - enttäuschte mit 34, 89 Punkten.

Phytochemikalische Faktoren nicht berücksichtigt

Der Grund, weshalb Beeren, aber auch Knoblauch und Zwiebeln in dieser Studie so schlecht abschnitten, dass sie teilweise sogar aus der Liste fielen, liegt daran, dass sie fast ausschließlich reich an sogenannten sekundären Pflanzenstoffen (Phytochemikalien) sind, die zwar unter anderem antioxidative, antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung haben, aber nicht als Nährstoffe geführt werden.

Dass Phytochemikalien wie etwa Flavonoide und Carotinoide zahlreiche gesundheitliche Vorteile bringen, gilt als wissenschaftlich weitgehend unbestritten, wurde in der Studie jedoch nicht berücksichtigt. „Die Wertung basiert ausschließlich auf Nährstoffen“, räumt auch Studienautorin Jennifer Di Noia gegenüber der „Washington Post“ (Donnerstag-Ausgabe) ein. Sie empfiehlt den Verzehr aller Sorten in der Liste.

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