EU-Wahl-Nachlese: „Boulevard“ hatte großen Einfluss

Die EU-Wahl hat den großen Einfluss von Boulevardzeitungen in Österreich bestätigt: „Krone“, „Österreich“ und „heute“ haben die EU-kritischsten Leser - und bei ihnen kam die EU-skeptische FPÖ mit 30 Prozent auf Platz eins, die SPÖ mit 29 auf Platz zwei und erst dahinter die Wahlsiegerin ÖVP mit 23 Prozent. Das ergab eine Wahlanalyse der Meinungsforscher Fritz Plasser und Franz Sommer.

Mit der EU-Wahl habe sich das „österreichische Spezifikum“ der einflussreichen Rolle von Boulevardzeitungen auf Wahrnehmung und Interpretation gesellschaftlicher und politischer Realitäten bestätigt, konstatierten die beiden Meinungsforscher. Neben der FPÖ schnitten auch die anderen EU-kritischen Parteien (EU-Stop, Europa anders, REKOS, BZÖ) unter Boulevardlesern überproportional stark ab.

Was Nichtwähler lesen

In den Vorwahltagsbefragungen von Plasser/Sommer erwiesen sich die „Boulevard“-Leser als die weitaus EU-kritischsten: Jeder zweite „Krone“-Leser ist Euroskeptiker bzw. dezidierter EU-Gegner - während von den Wählern gesamt nur rund ein Drittel EU-kritische Einstellungen zeigte. Regionaltageszeitungen haben 27 Prozent EU-Skeptiker unter ihren Lesern, „Presse“ und „Standard“ nur 16 Prozent.

Noch ausgeprägter ist dieses Muster unter den Nichtwählern: Mehr als 60 Prozent der Nichtwähler, die regelmäßig „Krone“ lesen, stehen der EU skeptisch bis ablehnend gegenüber - und nur fünf Prozent von ihnen sind von der EU persönlich überzeugt. Es bestehen also „unverkennbar dichte Zusammenhänge zwischen redaktionspolitischer Linie der Boulevardmedien und einer überdurchschnittlichen Euroskepsis“ unter den Lesern, so Plasser und Sommer.