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Für alle Altersstufen

Besonders fürsorgliche Eltern, auch „Helikoptereltern“ genannt, haben immer mehr Mittel zur Verfügung, um jederzeit zu überprüfen, wie es ihren Kindern geht. Bereits Babys können mit diversen Geräten rund um die Uhr bei allen ihren Tätigkeiten kontrolliert und überwacht werden.

Eine von Pixie Scientific entwickelte „smarte“ Windel etwa soll Eltern helfen, den Flüssigkeitshaushalt ihres Babys zu kontrollieren und etwaige Blaseninfektionen und Nierenprobleme sofort zu erkennen. Eine „intelligente“ Babyflasche von Sleevely protokolliert genau mit, wie viel Nahrung ein Kind zu sich nimmt. Sie sendet zudem Empfehlungen und Vergleiche des Babys mit Altersgenossen direkt auf das Handy der Eltern.

Fußmanschette misst alle Vitalwerte

Noch weiter geht Owlet Baby Care, eine Art elektronische „Fußfessel“ für Kleinkinder. Mittels Fußmanschette sollen Vitalwerte wie Herzschlag, Sauerstoffversorgung, Haut- und Körpertemperatur sowie die Bewegungen des Kindes direkt überwacht werden. Ähnliche Funktionen bietet der Strampler Mimo. Er überwacht den Schlafrythmus eines Kindes und liefert den Eltern Informationen darüber, wie aktiv ihr Kind gerade ist. Auch hier kann alles über eine App kontrolliert werden.

Wer auch das Geschrei seines Babys besser verstehen will, soll in Zukunft zudem auf einen eigenen Übersetzer zurückgreifen können, schreibt die BBC. Für das körperliche Wohl soll eine Anwärmemaschine für Bayfeuchttüchter sorgen. Ein Kindersitz, der bei einem Zusammenstoß eine Plastikschutzhülle über das Kind stülpt, soll Verletzungen minimieren.

Ferngesteuerte Bremse fürs Kinderfahrrad

Für bereits selbstständig mobile Kinder gibt es ausgefeiltere Gadgets wie eine ferngesteuerte Zusatzbremse für Fahrräder. Die in Ungarn entwickelte MiniBrake ermöglicht es den Eltern, das Fahrrad ihrer Kinder auch ohne deren Zutun zum Halten zu bringen - und das so sanft, dass das Kind bei einer unerwarteten Bremsung durch die Eltern keinen Salto vorwärts über sein Rad macht, versichern die Entwickler auf ihrer Website.

Tracking fürs Handgelenk und am Handy

Einen Hauch subtiler sind Bänder fürs Handgelenk, die es den Eltern ermöglichen, ihre Kinder in- und außerhalb eines Hauses direkt zu verfolgen. Der US-Mobilfunker AT&T etwa bietet eine Version mit integriertem Handy an, das auch als Notrufarmband genutzt werden kann. Dabei können Eltern eine Art Sicherheitszone einrichten: Sobald das Kind den definierten Bereich verlässt, schlägt das Gerät Alarm. In Japan wird ein Brustgurt entwickelt, der auch den Herzschlag des Kindes misst, um abschätzen zu können, ob es etwa unter Stress steht. Ob das Kind wegen körperlicher Aktivität einen erhöhten Herzschlag hat, wird dabei laut dem Internetmagazin Quartz nicht beachtet.

Auch in Österreich können Eltern ihre Kinder überwachen, etwa via Smartphone: A1 bietet einen Kinderschutz fürs Handy an, mit dem Funktionen am Smartphone kontrolliert und Anrufe, SMS und Apps blockiert werden können. Zudem werden SMS mit Infos an die Eltern verschickt, sobald der Kinderschutz deaktiviert wird. Auch bei T-Mobile können Eltern die Smartphones ihrer Kinder für bestimmte Funktionen, Apps und Websites sperren lassen.

Ärztin: Zu viel Technik, zu wenig Instinkt

Kinderärzte warnen, dass die neuen Geräte die Eltern zu weit von ihrer natürlichen Wahrnehmung und damit ihren Kindern entfernen. Die Eltern sollten sich mehr darauf konzentrieren, was ihnen die Kinder sagen, statt sich von den Gadgets vorschreiben zu lassen, was zu tun sei, so eine Kinderärztin gegenüber Quartz. Auch sei nicht klar, inwieweit die diversen Gadgets tatsächlich helfen können, etwa gegen den plötzlichen Kindstod.

Zudem würden die Eltern in ihrer Angst zusätzlich bestärkt, nicht zuletzt durch Fehlalarme. Allerdings kommt es dabei wohl auch auf die psychische Statur der Eltern an: So gebe es auch Eltern, die sich durch ein Thermometer gestresst fühlten, so eine Kinderärztin gegenüber Quartz. Oft genug sei Fieber einfach ein natürlicher Weg des Körpers, mit Infektionen umzugehen, und müsse nicht sofort mit Medikamenten bekämpft werden.

In Zukunft könnte es allerdings noch deutlich mehr solcher Geräte geben, so die BBC, nachdem etwa die Crowdfunding-Plattform Kickstart die Regeln für neue Projekte im Gesundheitsbereich vor kurzem etwas gelockert hat. Viele der angeführten Projekte wurden über derartige Plattformen finanziert.

Auch Eltern werden an Überwachung gewöhnt

Auch die Eltern selbst werden immer mehr mit derartigen Gadgets vertraut gemacht. So haben etwa diverse Hersteller bereits eigene Fitnessarmbänder für Erwachsene auf den Markt gebracht. Samsung bietet bei seinem aktuellsten Smartphone Galaxy S5 etwa einen eigenen „Fitnesstrainer“ fürs Handgelenk an, der laut Hersteller Kondition und körperliche Verfassung des Trägers laufend kontrolliert. Auch Apple hat für sein nächstes Smartphone-Betriebssystem iOS 8 eine zentrale Verwaltung von Fitness- und Gesundheitsdaten angekündigt.

Schon bald sollen Diabetiker zudem ihren Blutzuckerspiegel mit dem Handy kontrollieren können, berichtete Reuters. Samsung, Apple und Google arbeiten demnach intensiv daran, in Zukunft noch mehr Gesundheitsdaten ihrer Nutzer sammeln zu können. Derzeit würden die Anbieter gezielt Wissenschaftler für diesen Zweck anheuern. Google etwa hat bereits eine Kontaktlinse vorgestellt, mit der auch der Blutzuckerspiegel des Trägers gemessen werden kann. Mehr könnte schon bald folgen.

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