Pentagon finanzierte umstrittene Facebook-Studie

Facebook kommt wegen der kürzlich publizierten Studie über das Verhalten seiner Nutzer, bei dem diese gezielt manipuliert wurden, immer mehr unter Beschuss.

Nach Kritik in den Sozialen Netzwerken und der Ankündigung der britischen Datenschutzbehörde, eine Untersuchung einzuleiten, wurde nun ein weiteres heikles Detail bekannt. So finanzierte das US-Verteidigungsministerium die Studie offenbar mit.

Geldgeberhinweis angeblich „Fehler“

Der Publizistikprofessor Jay Rosen von der New York University verweist - in einem Facebook-Posting - darauf, dass in der ursprünglichen Presseaussendung vor etwa einem Monat darauf hingewiesen wurde, dass die Studie der Cornell-Universität von der James S. McConnell Foundation und dem Army Research Office mitfinanziert worden sei.

Als Kritik an der Manipulation und der Studie aufkamen, betonte Cornell, die Geldgeberangaben seien „ein Fehler“. Vielmehr wird nun extra darauf hingewiesen, dass die Studie von keinem externen Geldgeber mitfinanziert wurde.

Weitere Spur führt zu Pentagon-Institut

Als einer der Forscher scheint Jeff Hancock auf. Ebendieser Hancock erhielt von dem 2008 vom Pentagon gegründeten Minerva Institute laut der Website SCG News Gelder für die Studie „Cornell: Modeling Discoures and Social Dynamics in Authoritarian Regimes“ (etwa „Abbildung von Diskursen und sozialen Entwicklungen in autoritären Regimen“).

Und die Cornell University - gemeinsam mit anderen Unis - erhält derzeit Geld für ein anderes Pentagon-Projekt: „Tracking Critical-Mass Outbreaks in Social Contagions“. Anhand des „arabischen Frühlings“ in Ägypten und anderen Fällen sollen Modelle entwickelt werden, wie und wann Aufstände via Soziale Netzwerke eine kritische Masse erreichen.

Facebook bedauert schlechte Kommunikation

Facebook-Managerin Sheryl Sandberg räumte unterdessen Fehler im Umgang mit der umstrittenen Studie ein. „Wir haben bei diesem Thema wirklich schlecht kommuniziert“, sagte die Geschäftsführerin bei einem Auftritt im indischen Delhi. „Wir nehmen die Privatsphäre auf Facebook sehr ernst.“ Eine weitergehende Stellungnahme auf Rückfragen von Journalisten lehnte sie aber ab.

Britische Datenschützer prüfen Experiment

Die britische Datenschutzbehörde ICO kündigte unterdessen Ermittlungen gegen das weltgrößte Onlinenetzwerk an. Geprüft wird, ob das Unternehmen rechtswidrig gehandelt hat. Anlass ist ebenjene umstrittene wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2012, die fast 700.000 Facebook-Nutzer betraf.

Diese waren über das Vorhaben nicht informiert worden. Facebook wollte herausfinden, wie sich Nutzer zu positiven oder negativen Kommentaren bewegen lassen. Das Experiment hatte im Internet scharfe Kritik ausgelöst.

Noch sei unklar, gegen welche konkreten Gesetze Facebook verstoßen haben könnte, zitierte die „Financial Times“ einen Sprecher der Behörde. Die Datenschützer von ICO können Geldstrafen von bis zu 500.000 Pfund (rund 627.000 Euro) verhängen und Unternehmen zur Änderung des Geschäftsgebarens zwingen. Ein Facebook-Sprecher betonte, in der Studie seien die Informationen der Nutzer ausreichend geschützt gewesen.