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Andere Rebellengruppe beschuldigt

Ein einflussreicher Rebellenkommandant in der Ostukraine hat in einem am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Interview eingeräumt, dass die Separatisten über Buk-Luftabwehrraketen verfügt haben. Mit solchen Raketen wurde nach US-Informationen vermutlich von Separatisten die malaysische Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord vor einer Woche abgeschossen.

Alexander Chodakowski, der Kommandant des Wostok-Bataillons, sagte, das Buk-System stamme möglicherweise aus Russland. Es könne sein, dass es dorthin zurückgebracht worden sei, um zu verschleiern, dass die prorussischen Rebellen darüber verfügt hätten.

Zerstrittene Rebellengruppen

Die Aussagen kommen einigermaßen überraschend. Chodakowski ist ein früherer Chef der Anti-Terror-Einheit „Alpha“, des Sicherheitsdienstes in Donezk. Zwischen ihm und anderen Rebellenkommandanten wie dem aus Moskau stammenden Igor Strelkow, der sich zum Kommandant aller Rebelleneinheiten in der Provinz Donezk erklärt hat, ist es in der Vergangenheit zu Streitereien gekommen.

Die prorussischen Separatisten bestehen aus mehreren Gruppen, die untereinander alles andere als einig sind. Dass nun eine Gruppe eine andere mehr oder weniger für den Abschuss der Verkehrsmaschine verantwortlich macht, ist einigermaßen überraschend.

Bisher Besitz bestritten

„Ich weiß, dass ein Buk-System von Lugansk gekommen ist“, sagte Chodakowski Reuters am Dienstag. Man habe ihn darüber informiert, dass dieses Raketenabwehrsystem unter die Flagge der „Volksrepublik“ Lugansk gestellt werde. Das ist die größte Rebellengruppe, die in der Region um die Stadt Lugansk in der Provinz Donezk operiert. In der Region in der Ostukraine war Flug MH17 abgestürzt.

Vor dem Absturz hatten Rebellen damit geprahlt, sie verfügten über Buk-Raketensysteme. Doch seither hat die „Volksrepublik“ Donezk, die wichtigste Separatistenorganisation in der Ostukraine, den Besitz solcher Abwehrwaffen bestritten. Chodakowski räumte nun erstmals nach dem Absturz ein, dass Rebellen über Buk-Raketen verfügten.

„Ich weiß von diesem Buk-System“, sagte der Rebellenkommandant. „Ich habe davon gehört. Ich denke, sie haben es zurückgeschickt. Denn ich habe genau in dem Moment davon erfahren, als diese Tragödie geschehen ist. Sie haben es vermutlich zurückgeschickt, um den Beweis seiner Existenz zu beseitigen.“

„Von Kiew provoziert“

Der ukrainischen Führung in Kiew wies Chodakowski eine Verantwortung an dem Flugzeugabsturz zu. Sie habe zeitig gewusst, dass die Separatisten über eine solche Raketentechnologie verfügten, sagte er. Die Regierung in Kiew habe „nicht nur nichts getan, um die Sicherheit zu gewährleisten, sondern sie hat den Einsatz eines solchen Waffentyps gegen ein Flugzeug mit Zivilisten an Bord provoziert“. Denn sie habe einen Luftangriff just in dem Moment gestartet, als das zivile Flugzeug das Gebiet überflogen habe.

„Sie wussten, dass dieses Buk-System existiert hat, dass es auf dem Weg nach Sneschnoje war“, sagte Chodakowski unter Verweis auf ein zehn Kilometer westlich der Absturzstelle gelegenes Dorf. „Sie wussten, dass es dort stationiert werden würde, und sie provozierten den Einsatz dieses Buk-Systems, indem sie einen Luftangriff auf ein Ziel begonnen haben.“

Auch anderer Rebellenchef glaubt an Buk-Abschuss

Auch der „Vizeregierungschef“ der nicht anerkannten „Volksrepublik“ Donezk, Andrej Purgin, sagte am Mittwoch in einem Interview, dass die Maschine wohl durch das Luftabwehrsystem Buk abgeschossen wurde. Dafür sprächen zum Beispiel Schrapnellspuren an den Trümmern, sagte er nach Angaben der Agentur Interfax vom Mittwoch. Der Separatistenführer äußerte sich in diesen Zitaten aber nicht dazu, welche Konfliktpartei vergangenen Donnerstag die Maschine der Malaysia Airlines abgeschossen habe.

„Eine Eigenschaft von Systemen wie Buk ist, dass sie den vorderen Teil eines Flugzeugs attackieren“, sagte Purgin in Donezk. „Dabei wird das Cockpit vom Rest des Rumpfes abgerissen, was wohl auch in diesem Fall so war, weil das Cockpit viel eher abgestürzt ist und sich weit vom Rest der Trümmer befindet.“ Raketen, die aus der Luft abgeschossen werden, zielten eher auf die Triebwerke eines Flugzeugs.

Milizionär bestätigt Abschuss

Ein prorussischer Milizionär bestätigte am Dienstag gegenüber der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ erstmals, dass die malaysische Verkehrsmaschine MH17 von den Separatisten abgeschossen wurde, allerdings irrtümlich. „Wir haben gerade eine Maschine der Faschisten aus Kiew abgeschossen, haben unsere Kommandanten gesagt“, berichtete der Mann. Erst bei der Ankunft am Absturzort habe er gesehen, dass es sich bei dem Flugzeug nicht um eine Militärmaschine handelte.

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