Ukraine-Krise macht russischen Reiseanbietern zu schaffen

Mehr als 27.000 russische Touristen sitzen derzeit im Ausland fest, weil ihr Reiseveranstalter im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise pleitegegangen ist. Die Kunden des Anbieters Labirint hätten kein Rückflugticket, teilte der russische Reiseverband heute in Moskau mit.

Der Reiseanbieter hatte am Samstag den Betrieb eingestellt und die rapide sinkenden Buchungszahlen und den Wertverlust des Rubel infolge der Ukraine-Krise als Gründe genannt.

„Dominoeffekt“ befürchtet

Labirint ist der vierte russische Reiseveranstalter innerhalb von drei Wochen, der durch den Konflikt mit der Ukraine Konkurs gemeldet hat. „Die negative politische und wirtschaftliche Lage hat die Zahl der Buchungen beeinflusst“, erklärte Labirint. Der Wertverlust des Rubel schmälere zudem die Kaufkraft der Russen.

Eine Sprecherin der russischen Tourismusbehörde sagte dem Rundfunksender Moskauer Echo, es werde befürchtet, dass die Pleiteserie bei den Reiseveranstaltern erst der Anfang sei und es einen „Dominoeffekt“ geben könne. Auch die Billigfluglinie Dobrolet hatte am Wochenende erklärt, wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland ihren Betrieb einzustellen.

Russische Bank führt eigenes Bankkartensystem ein

Russlands größtes Geldhaus Sberbank wird als
Reaktion auf die von den USA und der EU verhängten Wirtschaftssanktionen künftig mit eigenen Bankkarten arbeiten. Das System PRO100 sei eine Alternative zu den internationalen Branchenführern MasterCard und Visa, die mehrere Transaktionen von einigen russischen Banken gestoppt hätten, teilte Sberbank der Agentur Interfax zufolge mit.

PRO100-Karten würden in ganz Russland entgegengenommen und bis zu 50 Prozent des Bankkartenverkehrs im Land decken. Bisher hat die Sberbank nach eigenen Angaben rund 800.000 solcher Karten hergestellt. Ende März hatte Kreml-Chef Wladimir Putin ein eigenes Zahlungssystem in Auftrag gegeben.