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Finnland und die Schweden

Tove Jansson war als schwedischsprachige Finnin kein Einzelfall in der jungen Nation. In Finnland ist die Zweisprachigkeit nicht auf Ortstafeln beschränkt. 5,6 Prozent der Finnen, das sind knapp 300.000 Menschen, haben Schwedisch als Muttersprache.

Was die „Finnlandschweden“ (Finlandsvenskarna), wie sie sich selbst bezeichnen, von anderen historisch gewachsenen Minderheiten in Europa unterscheidet, ist die einzigartige rechtliche und gesellschaftliche Stellung, die sie innerhalb des Staatsverbandes genießen.

Dazu gehört unter anderem die Gleichstellung des Schwedischen als offizielle Landessprache neben Finnisch.

Einen Streit über die Aufstellung von zwei- oder sogar einsprachigen Ortstafeln in der Minderheitssprache gab es mit den an bestimmten Küstenstrichen konzentrierten Finnlandschweden ebenso wenig wie mit den Sami in Nordfinnland. Letztere haben allerdings insgesamt wesentlich weniger weit gehende Rechte als die Finnlandschweden.

Sprachgesetz regelt Ortstafelfrage

Das Sprachengesetz (ursprünglich von 1922, seither dreimal novelliert, Anm.) sieht für die Gegenden mit schwedischsprachiger Minderheit vor, dass in Gemeinden ab einem Anteil von acht Prozent oder mindestens 3.000 Einwohnern der jeweils anderen Volksgruppe zweisprachige Ortstafeln und Straßenbezeichnungen anzubringen sind.

Darüber hinaus garantiert das Gesetz auch der langsam kleiner werdenden Volksgruppe einen gewissen Bestandsschutz der zweisprachigen Ortstafeln, weil die Zweisprachigkeit einer Gemeinde erst wegfällt, wenn der Anteil der Minderheitsbevölkerung unter sechs Prozent respektive 3.000 Einwohner gesunken ist.

In Gemeinden, wo die Finnlandschweden in der Mehrheit sind, scheint der schwedische Name zuoberst auf, sonst der finnische Name. Der Sprachenstatus der Gemeinden wird alle zehn Jahre überarbeitet.

Zwang zum Schwedischen?

Spannungen zwischen den Volksgruppen gibt es heutzutage so gut wie keine. Zwar gibt es immer wieder politische Bestrebungen, das „Zwangsschwedische“ an den Schulen einzuschränken oder ganz abzuschaffen, doch im konsensorientierten Finnland wird die historisch bedeutsame zweisprachige Identität in der Regel sogar hervorgehoben. Immer mehr gemischtsprachige Eltern, oft sogar rein finnische Paare, schicken ihre Kinder in schwedische Schulen - wo selbstverständlich auch beide Sprachen unterrichtet werden.

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