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Provokationen und Emotionen

Hochemotional ist am Sonntag in der Ukraine der Trennung von Russland 1991 gedacht worden. Während in Kiew Militärparaden durch die Straßen zogen, nutzten prorussische Separatisten den Tag für Provokationen. Kriegsgefangene aus den Reihen der Regierungstruppen wurden zu einem Marsch durch die ostukrainische Stadt Donezk gezwungen.

Die Soldaten mussten am Sonntag nach Beobachtungen eines Reuters-Korrespondenten auf einer Hauptstraße marschieren. Die gefesselten Männer gingen gesenkten Hauptes und wurden von einer Menschenmenge als „Faschisten“ beschimpft. Donezk gehört zu den letzten Städten unter der Kontrolle der Rebellen.

Gefangene mit Flaschen beworfen

Die Ankunft der Gefangenen wurde über Lautsprecher angekündigt. „Wir sehen jetzt die Leute, die geschickt wurden, um uns zu töten“, hieß es. „Wir sind Russen.“ Aus der Menschenmenge wurden die erschöpft wirkenden Männer mit Flaschen und Eiern beworfen. Ihnen wurde zugerufen: „Auf die Knie.“ Hinter den Gefangenen fuhren Straßenkehrwagen.

Gefangene Soldaten von Separatisten bewacht

APA/EPA/Sergey Ilnitsky

Schwer bewacht wurden die Soldaten durch die Straßen getrieben

Die Separatisten haben damit internationale Richtlinien missachtet. In den Genfer Konvention von 1949 ist das Vorführen von Kriegsgefangenen ausdrücklich verboten. Zuvor hatten die Aufständischen bereits zerstörtes Militärgerät der Regierungssoldaten im Zentrum von Donezk ausgestellt und damit ihre Gegenveranstaltung zu den Feiern in Kiew eingeläutet. Im Osten der Ukraine kämpfen die Regierungstruppen seit Monaten gegen einen Aufstand prorussischer Separatisten.

Besonders im Fokus stehen die Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk. Bei einem Artillerieangriff auf das Dorf Kirowsk nahe Donezk sind nach Angaben der orthodoxen Kirche das Gotteshaus und das Krankenhaus getroffen worden. Fünf Menschen seien getötet worden, teilte die orthodoxe Kirche am Sonntag auf ihrer regionalen Website mit. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit dem Beginn des Konflikts mehr als 2.100 Menschen getötet. Mehr als 285.000 Menschen sind auf der Flucht.

Blau-gelbes Flaggenmeer in Kiew

Ganz anders das Bild in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, wo am Sonntag erstmals seit fünf Jahren das Waffenarsenal zur Schau gestellt wurde. 1.500 Soldaten marschierten durch die Straßen, gefolgt von Schützenpanzern und Lastwagen mit Raketensystemen. Bezeichnend ist, dass bei der Schau Panzer, Flugzeuge und Hubschrauber fehlten. Nach zuletzt schweren Verlusten werden alle verfügbaren Geräte im Osten des Landes im Kampf gegen die Separatisten benötigt.

Militärparade

APA/EPA/Tatyana Zenkovich

Trachten und Uniformen bei der Parade in Kiew

Stattdessen tanzten im Begleitprogramm der Parade Kosaken in Pumphosen vor jungen Frauen in bestickten Blusen mit Blumen im Haar. In den Gewehren der Gardesoldaten steckten kleine Staatsflaggen. Tausende Menschen strömten auf den Unabhängigkeitsplatz und tauchten den Maidan in ein Meer aus blau-gelben Flaggen. Präsident Petro Poroschenko legte einen Kranz für 100 Opfer nieder, die hier im Winter bei proeuropäischen Protesten ihr Leben ließen.

In einer kurzen Rede dankte der Staatschef ausdrücklich den Partnern im Westen - besonders Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Samstag demonstrativ Kiew besucht hatte und der Ukraine politische und finanzielle Unterstützung zugesagt hatte, dürfte gemeint sein. Poroschenko erklärte, die Ukraine werde auf absehbare Zeit mit einer militärischen Bedrohung zu rechnen haben. Für die Armeeausrüstung seien bis 2017 deshalb umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro vorgesehen.

Ukrainische Präsident Petro Poroschenko singt Hymne

APA/EPA/Tatyana Zenkovich

Poroschenko sprach von „richtigem Krieg“

„Damit können wir Flugzeuge, Hubschrauber und Kriegsschiffe modernisieren oder kaufen.“ Aber auch jetzt sei in die Armee investiert worden. Eine Kolonne mit neuer Ausrüstung sei unterwegs in die Kampfgebiete im Osten der Ukraine, sagte der Präsident vor der jubelnden Menge. Poroschenko warf Russland eine „Aggression“ vor, das Nachbarland habe die Ukraine in einen „richtigen Krieg“ gezogen. „Krieg ist über uns gekommen aus einer Himmelsrichtung, aus der wir es niemals erwartet hätten“, sagte der Präsident und gab sich zugleich optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass der Kampf für die Ukraine, für unsere Unabhängigkeit mit unserem Sieg enden wird.“

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