Themenüberblick

Scharfe Kritik an EZB

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre bisherige weltweite Konjunkturprognose am Montag dramatisch nach unten revidiert und warnt, dass es noch schlimmer kommen könnte: Die derzeitige „Euphorie“ an den Börsen beruhe wohl „wieder einmal“ auf falscher Risikobewertung, weshalb eine „jähe Kurskorrektur“ drohe. In anderen Worten: ein Crash.

Die Lage auf den Finanzmärkten mit derzeitigen Rekordhochs an den Börsen entspreche nicht der Lage in der Realwirtschaft, so die in Paris ansässige Organisation. Die gute Laune der Börsianer „verträgt sich überhaupt nicht“ mit dem Anwachsen bedeutender Risiken: Die Börsenkurse seien teils so hoch wie nie, manche Staatsanleihen so billig wie nie und die Kursschwankungen von europäischen und US-Aktien schon wieder so groß wie vor der Krise, warnte die Organisation.

Aussichten für Euro-Zone um 0,4 Prozent gestutzt

In ihrem Bericht verweist die OECD auf eine Reihe von geopolitischen Risiken - die Krise in der Ukraine, die Spannungen im Nahen Osten und das ungewisse Ergebnis des Referendums in Schottland über eine Ablösung von Großbritannien - mit potenziell negativen Folgen für das Wirtschaftswachstum. Ohnehin sei die Lage in der Euro-Zone das besorgniserregendste Detail der gesamten Konjunkturprognose. Für 2014 erwartet die OECD nun in der Euro-Zone ein Wachstum von 0,8 Prozent. Das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im Mai.

Für das Jahr 2015 ist demnach ein Wachstum von 1,1 Prozent zu erwarten - das sind 0,6 Prozentpunkte weniger als in der Prognose vom Mai. Auch für Deutschland, das Zugpferd der Wirtschaft in der Europäischen Union, korrigierte die Organisation die Prognosen nach unten. Die deutsche Wirtschaft dürfte in den Jahren 2014 und 2015 um jeweils 1,5 Prozent zulegen.

Italien wird Rezession prophezeit

Deutlich schlechter sieht es in Frankreich aus, der zweitgrößten Volkswirtschaft in der EU: Für das laufende Jahr erwartet die OECD ein Wachstum von 0,4 Prozent, für 2015 von einem Prozent. Das entspricht den Zahlen, die die französische Regierung kürzlich veröffentlicht hat. Beide Werte liegen um jeweils 0,5 Prozent unter den Erwartungen vom Mai. Noch stärker wurden die Prognosen für Italien korrigiert, dessen Wirtschaft laut der OECD in die Rezession kippen wird.

In Italien ist den Voraussagen der OECD zufolge im laufenden Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaft um 0,4 Prozent zu erwarten und im kommenden Jahr ein nur minimales Wachstum von 0,1 Prozent. Detailanalysen zur Entwicklung in Österreich liegen noch nicht vor. Scharfe Kritik äußerte die Organisation angesichts der Lage in Europa an der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Niedrigzinspolitik wird zwar gelobt, zusätzlich brauche es jedoch Maßnahmen, um Wachstum anzukurbeln und nachhaltig abzusichern, so die Warnung.

Warnung vor Risiko der Niedrigzinspolitik

Das Hauptrisiko sei, dass die Inflation gering bleibe und die schwache Nachfrage zusätzlich schwächle. „Eine Inflation nahe null erhöht auch klar das Risiko, in eine Deflation zu fallen, was die Stagnation verfestigen und die Schuldenlast erhöhen könnte“, so die OECD. Dass die übrigen großen Volkswirtschaften weit besser als die Euro-Zone abschneiden, ist laut der Organisation aber auch nicht nur positiv. Dass die Entwicklung in großen Volkswirtschaften zusehends auseinanderklaffe, wird als problematisch angesehen.

In den USA sei der Konjunkturaufschwung „solide“, stellte die OECD zumindest fest. Die Prognosen für die USA wurden zwar ebenfalls nach unten korrigiert, das Wachstum bleibt demnach - mit 2,1 Prozent heuer und 3,1 Prozent im kommenden Jahr - aber vergleichsweise stark. In China boomt die Wirtschaft weiter: Den Prognosen zufolge ist in diesem und im kommenden Jahr ein Wachstum von 7,4 Prozent und 7,3 Prozent zu erwarten. Auch das bedeutet aber eine leichte Senkung der Prognosen.

Links: