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Ultimatum an Studenten

Die Protestierenden in Hongkong haben sich Samstagabend unbeeindruckt von Drohungen und Ultimaten gezeigt und zu Tausenden in den Straßen des Finanzviertels der ehemaligen Kronkolonie gefeiert. Ihre Forderung nach mehr Demokratie wurde friedlich vorgetragen. Doch die Geduld der chinesischen Behörden geht langsam zu Ende.

Nach Angriffen verlagerten sich die Massenproteste wieder ins Stadtviertel Admiralty nahe des Regierungssitzes, wo sie vor mittlerweile fast zwei Wochen ihren Ausgang genommen hatten. Am Abend versammelten sich dort mehr als Zehntausend Menschen friedlich zu einem „Aufmarsch gegen Gewalt“. Es traten verschiedene Redner und populäre Sänger auf, die ihre Botschaften an die Menschen richteten.

Aktivisten für mehr Demokratie in Hongkong demonstrieren gegen die Gewalt bei Protesten in Mong Kok

APA/EPA/Alex Hofford

Friedliche Massenproteste Samstagabend (Ortszeit) in Hongkong

Immer wieder brandete der Ruf nach „Demokratie in Hongkong“ auf und die Redner forderten angesichts der kommenden Wahlen in der ehemaligen Kronkolonie eine faire Behandlung aller Parteien. Derzeit sieht die Regelung zwar freie Wahlen vor, jedoch werden die Kandidaten von China ausgewählt.

Schwere Vorwürfe gegen Polizei

Die Verlegung des Protestmarsches vom Geschäftsviertel Mong Kok wieder zurück ins Regierungsviertel war notwendig geworden, nachdem Schläger die Demonstranten angegriffen hatten. Es kam zu gewaltsamen Zwischenfällen, bei denen die Polizei teilweise Schlagstöcke einsetzte. Die Protestierenden beklagten, dass die Polizei sie nicht ausreichend geschützt habe. Die Polizei wies die Anschuldigungen zurück.

Der bekannte Hongkonger Studentenführer Joshua Wong hat die Regierung in Chinas Sonderverwaltungsregion aufgefordert, gegen die Gewalt ihrer Unterstützer vorzugehen. In einem Interview mit dem US-Sender CNN sagte Wong am Samstag: „Wir hoffen, dass die Regierung das beendet.“ Der 17-Jährige beschrieb es als Voraussetzung für eine Aufnahme des geplanten Dialogs, den die Studentenvereinigung am Vortag ausgesetzt hatte. „Diese Leute sind nicht nur einfache Bürger, die in Hongkong leben“, sagte Wong. „Sie werden organisiert.“

Demonstranten von Mafia-Schlägern attackiert

In der Nacht auf Samstag spielten sich teilweise chaotische Szenen in den Straßen Hongkongs ab. Bei gewaltsamen Übergriffen angeheuerter Banden auf Aktivisten seien am Freitag 18 Menschen verletzt worden, darunter sechs Polizisten. 19 Menschen seien festgenommen worden. Bei acht von ihnen vermutet die Polizei Verbindungen zu mafiaähnlichen, Triaden genannten Verbrecherbanden in der früheren britischen Kronkolonie.

Demonstranten

APA/AP/Wally Santana

Polizisten versuchen Demonstranten und Angreifer zu trennen

Gerüchte, wonach hinter den Angriffen die Regierung von Hongkong stecken soll, wurde von offizieller Seite am Samstag vehement zurückgewiesen. „Solche Gerüchte sind völlig unfair“, erklärte der sichtlich erregte Sicherheitschef von Hongkong, Lai Tung Kwok, gegenüber Journalisten. Polizeichef Cheung Tak Keung versicherte, dass man versucht habe, Pufferzonen einzurichten. „Die Situation war nicht einfach. Es waren dort tausende Menschen“, so Cheung, viele seien nur Schaulustige gewesen, die zwischen die Fronten geraten waren.

Leung: „Soziale Ordnung wiederherstellen“

Auch Hongkongs Regierungschef Leung Cun Ying verurteilte alle Gewalt und warnte, wenn die Zwischenfälle andauerten, könnte die Lage „sehr leicht außer Kontrolle geraten“. Es könne „ernste Konsequenzen für die Sicherheit der Bürger und die soziale Ordnung haben“, sagte Leung in einer Videobotschaft.

Er kritisierte die Auseinandersetzungen zwischen Protestgegnern und Demonstranten besonders im Stadtviertel Mong Kok. „Es war sehr chaotisch - viele wurden verletzt, darunter auch Journalisten.“ Die Regierung und Polizeikräfte seien entschlossen, „alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die soziale Ordnung wiederherzustellen“, bekräftigte der Regierungschef der weitgehend autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion.

Gleichzeitig stellte der den Demonstranten ein Ultimatum. Die Zugänge zu den Regierungsgebäuden und die Straßen in den Stadtteilen Central, Western und Wan Chai auf der Insel Hongkong müssten bis Montag wieder frei zugänglich sein, damit die Beamten wieder zur Arbeit und die Kinder wieder zur Schule gehen könnten.

China will Ende der „rechtswidrigen“ Proteste

Auch aus Peking kam unterdessen die Forderung nach einem Ende der „rechtswidrigen“ Proteste in Hongkong. „Auch junge Studenten sollten sich ans Gesetz halten“, hieß es am Samstag in einem Kommentar des kommunistischen Parteiorgans „Volkszeitung“. Die seit einer Woche anhaltende prodemokratischen Demonstrationen und ihre „politischen Absichten“ verstießen gegen das Grundgesetz der autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion.

„Diese Aktionen enden zweifellos in Verletzungen der Rechtsstaatlichkeit, stören ernsthaft die soziale Ordnung und führen zu wirtschaftlichen Verlusten und möglichen Opfern“, hieß es weiter. Das Parteiblatt stellte sich hinter die Hongkonger Polizeikräfte. „Sie setzten erst Tränengas ein, als sie keine andere Wahl gegen Demonstranten hatten, die gegen polizeiliche Verteidigungslinien vordrangen und Polizisten sogar mit Regenschirmen stießen.“

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