Demos in Frankreich für „traditionelle Familienwerte“

Zehntausende Menschen sind gestern in Paris und Bordeaux für „traditionelle Familienwerte“ auf die Straße gegangen. Die Proteste richteten sich insbesondere gegen künstliche Befruchtung bei lesbischen Paaren sowie Leihmutterschaften.

Den Veranstaltern zufolge nahmen in der französischen Hauptstadt etwa 500.000 Menschen teil, in Bordeaux 30.000. Laut Polizeiangaben waren es 70.000 beziehungsweise 7.500.

UMP und FN als Unterstützer

An den Demonstrationen beteiligten sich Erwachsene, Kinder, Jugendliche und Pensionisten. Sie schwenkten französische Flaggen und trugen Banner der konservativen Organisation La Manif pour tous (Die Demo für alle), die zum Protest aufgerufen hatte.

An der Demonstration beteiligten sich mehrere Abgeordnete der konservativen Oppositionspartei UMP sowie eine Abordnung der rechtsextremen Partei Front National (FN).

Valls’ Versicherung beruhigt nicht

Regierungschef Manuel Valls hatte noch am Freitag versucht, die Wogen zu glätten, und versichert, dass Leihmutterschaften in Frankreich verboten blieben. Die Teilnehmer der Protestzüge schien das nicht beeindruckt zu haben.

La Manif pour tous hatte sich in der Vergangenheit mit einer großangelegten Kampagne gegen die gleichgeschlechtliche Ehe gewandt. Dennoch legalisierte Frankreich im vergangenen Jahr als 14. Land der Welt die Homosexuellenehe.

Laut einer gestern veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IFOP für die Nachrichtenwebsite Atlantico.fr unterstützen weniger als ein Drittel der Franzosen (31 Prozent) die von den Demonstranten eingeforderten Werte. Zu einer Demonstration gegen La Manif pour tous in Paris fanden sich allerdings nur einige hundert Menschen ein.