Forscher fordern Liberalisierung für Pflanzengentechnik

Die Möglichkeit, Freilandexperimente mit gentechnisch veränderten Pflanzen durchzuführen, weiters ihre prompte Zulassung, wenn sie als sicher einzustufen sind, und eine adäquate Finanzierung - das fordern führende europäische Pflanzenforscher in einem „Offenen Brief an die Entscheidungsträger in Europa“. Dazu sei eine „fundamentale Überarbeitung“ der Gentechnikvorschriften nötig.

Der Brief wurde vom Pflanzenphysiologen Stefan Jansson von der Universität Umea (Schweden) koordiniert und unter anderem von der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Zu den 21 Unterzeichnern, alle unter den 30 meistzitierten europäischen Pflanzenforschern, gehört auch Jiri Friml vom Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg.

Forscher sehen Innovation gefährdet

Die Forscher zeigen sich besorgt, dass Europa die im neuen EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ verankerten Ziele nicht erreichen werde, Weltklassewissenschaft zu produzieren und Innovationsbarrieren zu beseitigen, und verlangen von den europäischen Politikern eine wissenschaftsfreundlichere Haltung.

Eine mindestens gleichbleibende Förderung der Pflanzenforschung sei notwendig, um sich „ernsthaften Herausforderungen“ widmen zu können. Dazu gehöre etwa, eine nachhaltige Landwirtschaft zu etablieren, die nicht unhaltbar viel Wasser, Energie, Dünger und Pestizide benötigt, so die Wissenschaftler.

Kritik an „De-facto-Moratorium“

Freilandexperimente mit gentechnisch veränderten Pflanzen wären nötig, um zu erforschen, wie sich Pflanzen und Feldfrüchte gegen Krankheiten schützen und auf den Klimawandel reagieren. Doch solche Experimente seien in vielen Ländern - nicht aus wissenschaftlichen, sondern aus politischen Gründen - verboten und wo sie erlaubt seien, würden solche Felder „oft systematisch zerstört“.

Weiters wünschen die Forscher, dass gentechnisch veränderte Pflanzen rasch zugelassen werden, wenn sie „von einer kompetenten Behörde aufgrund einer strengen und wissenschaftlichen Risikobewertung als sicher befunden werden“. Das derzeitige „De-facto-Moratorium“ zur Zulassung würde die Möglichkeiten für öffentlich geförderte Wissenschaftler und kleine Firmen beschneiden und die Dominanz der großen Agrarfirmen fördern, meinen sie.