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Pläne auch bei anderen Versicherern

Die Versicherungsgruppe Generali will als erster großer Versicherer in Europa Daten zu Fitness, Ernährung und Lebensstil der Kunden sammeln. Die Kunden sollen bei gesunder Lebensführung im Gegenzug Gutscheine, Geschenke und Rabatte auf ihre Versicherungsbeiträge bekommen.

In einer ersten Stufe erhielten die Versicherten bei entsprechender Lebensweise Gutscheine etwa für Reisen und Fitnessstudios, im nächsten Schritt seien Prämiennachlässe beim Versicherungsschutz möglich, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“, Freitag-Ausgabe). Generali arbeite dazu mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery zusammen.

Discovery habe das Gesundheitsprogramm Vitality entwickelt, so die Zeitung weiter: Es belohne Kunden mit Gutscheinen oder Rabatten, wenn sie sich nachweislich gesund verhalten. Das werde über eine App, die Vorsorgetermine dokumentiere, Schritte zähle und sportliche Aktivitäten messe, entsprechend kontrolliert. Wer eine Lebens- oder Krankenversicherung nach diesem Modell wählt, müsse der Versicherung regelmäßig Daten zu seinem Lebenstil liefern. Auch gesunde Ernährung gehört demnach dazu.

„Stärken Beziehung zum Kunden“

„Damit stärken wir die Beziehung zu unseren Kunden“, soll Generali-Konzernchef Mario Greco vor Investoren gesagt haben. Zudem beeinflusse Generali auf diese Weise das Verhalten seiner Kunden, „und gesündere Kunden sind besser für uns“. Die ersten Angebote sollen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten unter anderem in Deutschland erhältlich sein. Auch andere Versicherer arbeiten laut Bericht an entsprechenden Projekten.

Eine Sprecherin von Generali Deutschland bestätigte am Freitag den Bericht. Ziel sei es, die Kunden dabei zu unterstützen, sich selbst aktiv um ihre Gesundheit zu kümmern, sagte die Sprecherin. Eine Umsetzung für Österreich werde derzeit geprüft, hieß es auf Anfrage von ORF.at von der österreichischen Niederlassung.

Verweigerung der Teilnahme „nichts Schlimmes“

Nach Angaben der Sprecherin aus Deutschland steht derzeit noch nicht fest, wie genau ein Produkt aussehen kann. Richtig sei aber, dass die Digitalisierung eine große Rolle spielen werde. Wenn die Versicherten selbst nicht an dem neuen Modell teilnehmen wollten, sei das „nichts Schlimmes“, so die Sprecherin und verwies auch auf das Vorgehen der deutschen Krankenkassen, die Bonusleistungen für die regelmäßige Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen oder an Fitnesskursen bieten.

In den USA gibt es derartige Angebote mit Gesundheitsdaten bereits seit einigen Jahren. In Europa gibt es bisher vor allem die Möglichkeit, mit kleinen Sendern im Auto, die Daten über das Verhalten des Autofahrers sammeln, seine Autoversicherprämie zu reduzieren. Laut „SZ“ wird diese Möglichkeit vor allem in Italien und Großbritannien sehr stark genutzt.

Keine Kontrolle über Dateneinsicht

Datenschützer sehen das kritisch. Der Kunde wisse gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet würden und wer dort aller Zugriff darauf habe, sagte etwa Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber der Zeitung. Allerdings, so die „SZ“, wüssten private Krankenversicherer bereits jetzt auf Basis von Arztrechnungen und Rezepten über den Gesundheitszustand der Kunden Bescheid.

Der Datenschutz habe besonders bei der Verarbeitung von Gesundheitsdaten „höchste Priorität“, so die Versicherungsbranche. Versicherer seien seit jeher darauf angewiesen, Informationen von Kunden und Geschädigten zu verarbeiten, sagte der deutsche Branchenverband GDV in Berlin.

Höhere Prämien ohne Fitnessdaten?

Die „SZ“ sieht noch eine andere Gefahr: Mit den individualisierten Tarifen werde das Prinzip der Versicherung ad absurdum geführt, das darauf aufbaut, dass der Versicherer das Riskio möglichst breit über Kunden und die Vericherungszeit streut. Die Versicherer würden nun mit den neuen Tarifen versuchen, ihr Risiko zu minimieren, um höhere Gewinne einfahren zu können.

Die risikoreicheren Fällen bleiben dann der Konkurrenz überlassen - mit dem Risiko für die Versicherten, dass diese bei ungesünderer Lebensweise auch entsprechend höhere Tarife zahlen müssen. Laut „SZ“ betonen alle Versicherer, nur Daten zu verwenden, die die Versicherten ihnen freiwillig bieten - noch. Denn wer in Zukunft seine Daten nicht hergeben will, könnte laut „SZ“ ebenfalls höhere Tarifen zahlen müssen.

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