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Übergriffe dauern seit Monaten an

Nach zwei Anschlägen auf Moscheen zu bzw. nach Weihnachten hat es Donnerstagfrüh, am Neujahrstag, in Schweden erneut in einer Moschee gebrannt. Die Polizei nannte als Ursache einen Molotowcocktail. Ähnliche Vorfälle gab es bereits vor Monaten.

Diesmal war ein islamisches Gebetshaus in der Stadt Uppsala, etwa 70 Kilometer nördlich von Stockholm, betroffen. „Jemand hat einen Brandsatz, einen Molotowcocktail, auf das Gebäude geworfen“, sagte ein Sprecher der schwedischen Polizei gegenüber der norwegischen Nachrichtenagentur NTB am Donnerstag. „Er ist aber von selbst ausgegangen.“ Der Anschlag war bereits der dritte in etwas mehr als einer Woche. Radio Schweden (SR) berichtete von einem Zeugen, der gesehen haben soll, wie jemand einen Brandsatz auf das Gebäude warf.

Letzter Anschlag nach Weihnachten

Die Polizei ermittelt nun wegen Brandstiftung und vermutet einen rassistischen Hintergrund für die Tat. Bei einem Anschlag auf eine Moschee westlich von Stockholm waren erst am Christtag fünf Menschen verletzt worden. In der Nacht auf Montag brannte es im südschwedischen Eslöv in einer weiteren Moschee.

Feuerwehrleute vor rauchender Moschee

APA/EPA/Pontus Stenberg

In Eslöv wurde ein Fenster eingeschlagen und ein Brand gelegt

Auch in diesem Fall erklärte die örtliche Feuerwehr, alles deute auf Brandstiftung hin. „Ein Fenster ist zerstört, und es brannte in dem Gebäude und außerhalb“, sagte Feuerwehrsprecher Gustaf Sandell gegenüber dem SR. Es gebe keine natürliche Erklärung für einen solchen Brand. Das Feuer konnte rasch gelöscht werden, verletzt wurde niemand.

Fünf Verletzte bei Brand

Anders bei dem Anschlag am Christtag in Eskilstuna. Dort erlitten fünf Menschen Rauchgasvergiftungen, Schnittwunden und Knochenbrüche und mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Ein Brandsatz hatte in einer Moschee in der Stadt rund 90 Kilometer westlich von Stockholm ein Feuer ausgelöst, wie der örtliche Polizeisprecher, Lars Franzell, damals mitteilte. In dem Gebetshaus, das sich im Erdgeschoß eines Wohnhauses befindet, hatten sich zum Zeitpunkt der Tat nach unterschiedlichen Angaben 15 bis 70 Menschen aufgehalten. Nach dem Anschlag nahm der Geheimdienst SAPO Ermittlungen auf.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Muslime in Schweden, Omar Mustafa, sagte nach dem Anschlag im Radiosender SR, das Land erlebe einen zunehmenden „Hass gegen Muslime“. Regierungschef Stefan Löfven sagte im Radio, solche „Verbrechen“ seien nicht hinnehmbar, Hunderte Menschen demonstrierten in Eskilstuna für mehr Toleranz und gegen Rassismus.

Rechte auf dem Vormarsch

Schweden hat sehr viele Flüchtlinge aufgenommen, gleichzeitig erlebt das skandinavische Land ein Erstarken ausländerfeindlicher Kräfte: Die rechte Partei Schwedendemokraten (Sverigedemokraterna) wurde bei der Parlamentswahl im September drittstärkste Kraft. Anfang Dezember zwang sie die Minderheitsregierung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Löfven in die Knie: Die Rechtsextremen stimmten für den Haushaltsentwurf der konservativen Opposition, woraufhin die Regierung eine vorgezogene Neuwahl ankündigte.

Vandalenakte, Schmierereien, Brandstiftungen

Vor der derzeitigen Anschlagsserie war es im letzten Jahr bereits zweimal, im Jänner und im Juli, zu Angriffen auf islamische Einrichtungen gekommen. Ziemlich genau vor einem Jahr beschmierten Unbekannte den Eingang einer Moschee in der Hauptstadt Stockholm mit Hakenkreuzen. Mustafa nannte den Vorfall damals „traurig“ und kritisierte mangelnden Schutz für muslimische Einrichtungen. Er sprach von einer Serie von Übergriffen, von denen die meisten gar nicht gemeldet würden.

Im Juli wurde eine Baustelle einer Moschee in der Stadt Norrköping, im Süden des Landes an der Ostsee-Küste gelegen, schwer beschädigt. Auch damals war die Ursache ein gelegtes Feuer. Ein Baucontainer, der als provisorischer Versammlungsraum diente, brannte vollständig aus. Der Rohbau der Moschee blieb unbeschädigt. Zwischen diesen beiden Taten kam es noch zu weiteren, von der Blockade eines Moscheeeingangs mit Holzbalken und Betonblocks über rassistische Schmierereien, angezündete Gebetsteppiche, verwüstete Räume bis zum Einschlagen von Fensterscheiben in Södertälje, Avesta, Flen, Helsingborg und weiteren Städten.

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