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Warten auf höhere Preise

Das weltweite Überangebot an billigem Erdöl macht die Händler der Branche erfinderisch: In der Hoffnung auf künftig wieder anziehende Preise mieten sie Industriekreisen zufolge derzeit verstärkt Supertanker an, um den Rohstoff erst einmal auf hoher See zu lagern.

Damit reagieren die Ölhandelskonzerne darauf, dass Saudi-Arabien als wichtigster Ölproduzent trotz des binnen Monaten um 50 Prozent gefallenen Preises für Rohöl die Produktion nicht eindämmt. Zu den Unternehmen gehören etwa der größte unabhängige Ölhändler Vitol und die in der Schweiz ansässige Trafigura, aber auch der Energiekonzern Shell, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Schifffahrts- und Frachtmaklerkreisen.

Vitol etwa buchte den Informationen zufolge mit der „TI Oceania“ einen der größten Supertanker überhaupt, der ein Fassungsvermögen von drei Millionen Barrel hat, das sind fast eine halbe Milliarde Liter. Trafigura sicherte sich mit der „Nave Synergy“ ebenfalls einen Megatanker, und Shell buchte mit der „Xin Run Yang“ und der „Xin Tong Yang“ gleich zwei solcher Schiffe. Die Schiffe wurden für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr gebucht.

Rückkehr zu Krisenrezept

Die Zunahme an langfristigen Tankerbuchungen ist laut Reuters ungewöhnlich und ein Hinweis darauf, dass große Ölhandelskonzerne versuchen, überschüssiges Öl auf hoher See zwischenzulagern, bis die Preise wieder anziehen. Prognosen gehen von einer möglichen Erholung des Ölpreises ab Mitte des Jahres aus. Zu diesem Mittel hatten die Ölhändler bereits 2009 gegriffen, als die Ölpreise wegen der Wirtschaftskrise rasant verfielen.

Das Zwischenlagern rechnet sich für die Ölhandelskonzerne, weil den Schifffahrtslisten zufolge die Tanker zum Teil deutlich weniger Miete kosten als sonst üblich. Der Grund: Es handelt sich oft um ältere Schiffe, die mehr Treibstoff verbrauchen, und um langfristige Mietverträge von bis zu zwölf Monaten. Den Informationen zufolge konnten die Händler dadurch Mieten von weniger als 40.000 Dollar (33.990 Euro) am Tag aushandeln, was 20.000 bis 30.000 Dollar unter dem jüngsten Durchschnitt liegt. Im Dezember hatten die höchsten Tagesmieten noch 97.000 Dollar betragen.

Weitere Nachfrage nach Tankern

2009 sei das Zwischenlagern attraktiv gewesen, weil die Mietgebühren für Öltanker wegen der Wirtschaftskrise im Keller waren, so Christian Waldegrave vom führenden Tankerunternehmen Teekay. Und er rechnet angesichts des derzeit anziehenden Schifffahrtsmarktes damit, dass die Schiffseigner zögerlicher sein werden, ihre Schiffe langfristig zu vermieten. Tatsächlich ist man derzeit laut Reuters-Schätzungen noch weit von den Rekordmengen des Jahres 2009 - damals wurden bis zu 100 Millionen Barrel Öl in Schiffen zwischengelagert - entfernt.

Derzeit werden den Informationen zufolge etwa zwölf bis 15 Millionen Barrel auf den Weltmeeren herumgefahren. Die Nachfrage nach Tankern halte aber an. Nach Einschätzung von Analysten von JBC Energy in Wien könnte die Lagerung dort zumindest zeitweise auch den Erdölpreis auf den Märkten stabilisieren.

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