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Selbstverteidigung gegen den Chef

Wer im Visier eines schwierigen, feindseligen Chefs steht, sollte am besten einen Jobwechsel in Erwägung ziehen. So oder so ähnlich lautete bisher der Rat von Arbeitsexperten. Eine US-Studie kommt zu einem optimistischeren Befund und bietet Anregungen, wie man mit schlechten Vorgesetzten am besten umgeht. Die Untersuchungsergebnisse überraschten selbst die Studienautoren.

Demnach steigerte sich das Wohlbefinden, die Arbeitszufriedenheit und die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber signifikant, wenn betroffene Angestellte Demütigungen und Anfeindungen ihres Vorgesetzten nicht einfach hinnahmen, sondern ihren Chefs Konter gaben. „Vor unserer Studie dachte ich, dass Angestellte, die das machten, keinerlei Vorteil aus ihrem Verhalten haben könnten, aber das war es nicht, was wir herausfanden“, zeigte sich Studienautor Bennet Tepper von der Ohio University auf der wissenschaftlichen Onlineplattform EurekAlert selbst überrascht.

Dienst nach Vorschrift als Gegenstrategie

Laut der im Jänner im „Personnel Psychology“ erschienenen Studie gibt es ein Gegengift gegen schlechte Behandlung durch den Vorgesetzten - und die heißt Rache, zumindest im moderaten Stil. Wer demnach Herabwürdigungen seines Chefs beispielsweise mit Ignorieren, Nichtzuhören bzw. demonstrativem Nicht-verstehen-Wollen begegnet, empfindet sich nicht als Opfer. Die Betroffenen fühlen sich insgesamt besser.

Auch die Anstrengungen im Job zurückzufahren und maximal Dienst nach Vorschrift zu machen, bietet sich laut Tepper als Strategie gegen feindselig agierende Führungskräfte an: „Das sind Dinge, die Chefs nicht mögen und in die Rubrik Anfeindungen fallen, wenn auch in einer passiv-aggressiven Form.“

Anschreien, Einschüchtern, Lächerlichmachen

Der Studie liegen zwei miteinander verknüpfte Untersuchungen zugrunde. In der ersten wurden 169 Studienteilnehmer nach Art und Häufigkeit feindseligen Verhaltens ihres Vorgesetzten gefragt - darunter etwa Anschreien, Einschüchtern und Lächerlichmachen von Angestellten. Die Studienteilnehmer berichteten, wie oft sie Angriffen ihrer Vorgesetzten etwas entgegensetzten - indem sie ihn beispielsweise einfach ignorierten.

Sieben Monate später nahmen dieselben Studienteilnehmer an einer Befragung zur Jobzufriedenheit, Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, zu psychologischem Stress und negativen Gefühlen teil. Jene, die - passiven - Widerstand leisteten, erlitten nach eigener Einschätzung keine negativen Konsequenzen, so Tepper.

Karriereknick blieb aus

Da Fragen nach den Ursachen und dem weiteren Karriereweg unbeantwortet blieben, wurde eine zweite Untersuchung mit 371 Teilnehmern angehängt. Teil eins und zwei glichen weitgehend der ersten Untersuchungsreihe. In einer dritten Runde wurden die Teilnehmer nach Beförderungen und Einkommenszielen befragt. Man wollte untersuchen, ob Gegenmaßnahmen die Karrierechancen beeinträchtigten, so der Studienautor. „Aber in unserer Untersuchung glaubten Angestellte nicht daran, dass ihr Verhalten ihrer Karriere schadet.“

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