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Frage der Finanzierung noch offen

Seit Jahren terrorisiert die Dschihadistengruppe Boko Haram den Norden Nigerias, mangels dauerhafter Gegenwehr gelingt es den Extremisten, das kontrollierte Gebiet immer mehr auszuweiten. Die Armeen Nigerias und Kameruns sind mit den mordenden Kämpfern zunehmend überfordert. Darum stellte sich auch die Afrikanische Union (AU) hinter die Schaffung einer breiteren Front gegen den Terror.

Beim AU-Gipfel Ende Jänner sprachen sich die 54 Mitgliedstaaten für eine 7.500 Mann starke regionale Eingreiftruppe gegen Boko Haram aus. Die „entsetzlichen“ Verbrechen der Islamisten und deren „Verachtung menschlichen Lebens“ seien beispiellos. Die Länder der Region müssten deshalb eine multinationale Allianz mobilisieren, sagte die AU-Kommissionsvorsitzende Nkosazana Dlamini-Zuma.

Am Samstag verständigten sich nun Nigeria und seine Nachbarstaaten Benin, Niger, Kamerun und Tschad in der kamerunischen Hauptstadt Jaunde auf die Aufstellung einer regionalen Eingreiftruppe aus 8.700 Soldaten, Polizisten und Zivilisten, wie aus der Abschlusserklärung hervorging. Über die Details - darunter auch der Anteil der einzelnen Länder - soll nun in den nächsten Tagen entschieden werden, bevor der Plan dem UNO-Sicherheitsrat vorgelegt wird.

Unstimmigkeiten mit Nigeria

Nigeria, Kamerun, Niger, der Tschad und Benin hatten bereits im vergangenen Jahr eine Aufstellung einer 3.000 Mann starken Truppe vereinbart - diese ist jedoch aufgrund der Unstimmigkeiten mit Nigeria noch nicht einsatzbereit. Doch die Zeit drängt: Die Attacken der Extremisten im Nordosten Nigerias hatten in den vergangenen Wochen ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht.

Die AU wolle die Vereinten Nationen (UNO) davon überzeugen, eine Militäroffensive auch finanziell zu unterstützen, sagte Dlamini-Zuma. Generell gibt es die Bemühungen, eine breitere Front gegen den Vormarsch der Islamistenmiliz zu schaffen, schon länger: Bereits im vergangenen Herbst hatten die vier Nachbarstaaten Nigerias bzw. Nigeria selbst ihre gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen Boko Haram verstärkt.

Teilweise bereits im Einsatz

Der Einsatz konzentrierte sich zuletzt vor allem auf Kamerun, wo Boko Haram immer mehr Fortschritte machen konnte. Seit etwa zwei Wochen werden die kamerunischen Einheiten von Soldaten aus dem Tschad unterstützt, die seither regelmäßig in Kämpfe mit Extremisten verwickelt sind. Auch Benin hatte Ende Jänner eine Entsendung des vereinbarten Kontingents nach Kamerun auf den Weg gebracht.

Karte von Nigeria

APA/ORF.at

In Nigeria hat Boko Haram Einfluss auf weite Gebiete - die Offensiven der Terrormiliz weiten sich zunehmend auf die Nachbarländer aus

Bereits zuletzt war über die Schaffung einer gemeinsamen Truppe verhandelt worden, um der „Unfähigkeit einer robusten Reaktion“ entgegnen zu können, wie Nigers Außenminister Mohammed Bazoum anlässlich einer Anti-Terror-Konferenz in Nigers Hauptstadt Niamey sagte. Neben Ministern Nigerias bzw. der Nachbarstaaten waren auch Vertreter aus Deutschland, den USA und aus China bei den Gesprächen dabei. Auch eine Abordnung der EU war anwesend.

UNO-Mandat für Einsatztruppe

Noch schockiert von der grausamen Eroberung der nigerianischen Handelsstadt Baga durch Boko Haram, bei der Hunderte Menschen getötet und verschleppt worden waren, sprach Nigers Außenminister Bazoum von einer „beachtlichen Feuerkraft“ Boko Harams und einer „erheblich verschlechterten Sicherheitssituation“. Bazoum kündigte an, eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats zu beantragen, um eine multinationale Truppe aufstellen zu können. Ghanas Präsident John Dramani Mahama hatte ursprünglich den Vorschlag für eine größere Truppe aufgebracht.

Offene Ohren bei Merkel

Auf offene Ohren war dieser damit bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel gestoßen. Sie kündigte an, in der EU über eine Finanzierung zu beraten. Es sei „richtig, afrikanische Truppen für diese Aufgabe auszuwählen - aber es ist unser gemeinsames Interesse, dass wir eine solche Truppe auch nachhaltig finanzieren“, so Merkel. Ghanas Präsident Mahama sagte, dass Afrika in der Lage sei, Truppen zu stellen: „Aber es ist sehr wichtig, dass sich unsere Partner finanziell beteiligen.“

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte zuletzt, die Zunahme der Angriffe, vor allem in Kamerun, zeigten, dass es sich bei Boko Haram um eine regionale Bedrohung handle. "Nur eine intensive Zusammenarbeit Nigerias mit seinen Nachbarstaaten könne eine dauerhafte Lösung bringen. Die EU sei bereit, die Länder mit politischen, Anti-Terror- und Entwicklungsmaßnahmen zu unterstützen. UNO-Chef Ban Ki Moon bezeichnete Boko Haram beim AU-Gipfel erneut als „klare Gefahr für nationalen, regionalen und internationalen Frieden und Sicherheit“.

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