Zeitung: CIA-Million für Afghanistan landete bei Al-Kaida

Etwa eine Million Dollar aus einem geheimen US-Fonds für die afghanische Regierung sind einer Zeitung zufolge bei der Al-Kaida gelandet. Wie die „New York Times“ („NYT“) gestern unter Berufung auf Gerichtsunterlagen berichtete, gehörte das Geld zu einer Summe von fünf Millionen US-Dollar, die die Regierung in Kabul 2010 für die Freilassung eines Generalkonsuls aus der Geiselhaft der Islamisten zahlte.

Der „NYT“ zufolge schaffte der US-Geheimdienst CIA jeden Monat Bargeld nach Afghanistan. Die Regierung dort habe es unter anderem verwendet, um sich die Unterstützung von Stammesfürsten zu kaufen. Unter Berufung auf afghanische Regierungskreise berichtete die Zeitung, seit dem Amtsantritt von Präsident Ashraf Ghani seien diese Zahlungen zurückgegangen.

Dem Bericht zufolge war Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zuerst misstrauisch, was die CIA-Million anging. Er habe befürchtet, dass der Geheimdienst das Geld vergiftet oder bestrahlt haben könnte oder dass darin Peilsender versteckt seien. Das gehe aus Schreiben hervor, die US-Soldaten bei der Tötung von Bin Laden 2011 in Pakistan erbeutet hatten. Die Dokumente seien als Beweise bei dem Verfahren gegen den Islamisten Abid Nassir in New York eingereicht worden.

USA lassen mehr Truppen in Afghanistan als geplant

Wie die Agentur AP gestern berichtete, wollen die USA bis Jahresende mehr Truppen in Afghanistan belassen als ursprünglich vorgesehen. Die US-Regierung habe ihren Plan auf Eis gelegt, die Zahl der Soldaten bis Ende 2015 auf 5.500 zu reduzieren. Viele der derzeit 9.800 am Hindukusch stationierten Soldaten könnten bis weit ins nächste Jahr hinein dort bleiben.

Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen worden. US-Präsident Barack Obama werde wahrscheinlich einen Besuch von seinem afghanischen Amtskollegen Ghani in Washington in diesem Monat dazu nutzen, einen neuen Fahrplan zum Truppenabzug anzukündigen. Ghani hatte die USA darum gebeten, den Abzug der amerikanischen Soldaten verlangsamen.

Obama will nach ursprünglichen Plänen die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan bis Ende des Jahres auf 5.500 reduzieren und sie bis Ende 2016 auf eine Präsenz in der Botschaft in Kabul begrenzen. Die USA und ihre Verbündeten beendeten im vergangenen Jahr ihren Kampfeinsatz in Afghanistan. Es mehren sich jedoch die Stimmen, die vor einem verfrühten Abzug warnen. Im vergangenen Jahr kamen in Afghanistan fast 5.000 Soldaten und Polizisten ums Leben - es war das verlustreichste Jahr seit Beginn des Kriegs gegen die Taliban 2001. Auch fast 3.700 Zivilisten wurden UNO-Daten zufolge getötet.