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Unbemannter Transporter trudelt im All

Neuer schwerer Rückschlag für das russische Raumfahrtprogramm: Nachdem der Raumfrachter „Progress M-27M“ nach dem Start die vorgesehene Umlaufbahn deutlich verfehlt hatte, ist er nun endgültig außer Kontrolle geraten. Die russischen Kontrolleure hatten bereits am Dienstag den Kontakt zu dem unbemannten Frachter, der Materialien zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen sollte, verloren.

US-Raumfahrtvertreter versicherten, durch das Unglück sei die Versorgung der sechs Astronauten an Bord der ISS nicht gefährdet. Der Transporter mit rund 2,4 Tonnen Nachschub bewege sich auf einer falschen Umlaufbahn, sagte ein Mitarbeiter der Raumfahrtbehörde Roskosmos am Mittwoch der russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge. Er habe auf zahlreiche Funksignale der Flugleitzentrale bei Moskau nicht reagiert. Eine Sojus-Trägerrakete war am Dienstag zunächst erfolgreich mit dem Raumfrachter vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet.

Raumfrachter Progress M-27M kurz vor dem Start

APA/EPA/Roscosmos

Die Sojus-Trägerrakete mit dem Raumfrachter kurz vor dem Start

„Nur ein Wunder kann noch helfen“

Stattdessen begann der Transporter nun offenbar damit, Kurs Richtung Erde zu nehmen, wie ein russischer Raumfahrtvertreter Mittwochmittag der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte. Wann das voraussichtlich geschehen werde, lasse sich noch nicht sagen. In jedem Fall werde der Sturz „unter unkontrollierbaren Bedingungen stattfinden“.

Raumfrachter Progress M-27M beim Start

APA/EPA/Roscosmos

Der Start am Dienstag verlief noch reibungslos

„Nur ein Wunder kann noch helfen“, sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der Flugleitzentrale der Agentur RIA Nowosti. Sollten auch die letzten Versuche einer Kontaktaufnahme scheitern, werde der Frachter wohl zwischen dem 7. und 11. Mai abstürzen.

Vorgesehene Umlaufbahn verfehlt

Eine Sojus-Trägerrakete war am Dienstag zunächst erfolgreich mit dem Raumfrachter vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. TASS berichtete, das Raumschiff habe danach die vorgesehene Umlaufbahn verfehlt. Die Kontrolleure beschlossen, das Andockmanöver an die ISS auf Donnerstag zu verschieben, um Zeit für die Behebung des Problems zu gewinnen. Doch ein weiterer Versuch, den Kontakt zu „Progress“ wiederherzustellen, schlug Mittwochfrüh fehl.

Die ISS-Besatzungsmitglieder

Auf der ISS arbeiten derzeit die Kosmonauten Gennadi Padalka, Michail Kornijenko und Anton Schkaplerow. Die USA sind mit den Astronauten Scott Kelly und Terry Virts vertreten, zudem ist die Italienerin Samantha Cristoforetti von der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) an Bord.

Die Kontrolleure wollten noch zweimal versuchen, Verbindung mit dem Frachter aufzunehmen, doch gebe es kaum Hoffnung, sagte der russische Raumfahrtvertreter zu Mittag. An Bord des Transporters befanden sich wissenschaftliche Materialien sowie Wasser und Nahrungsmittel. Die US-Raumfahrtbehörde NASA versicherte jedoch, die Materialien an Bord des Frachters seien nicht essenziell. Der Betrieb in der ISS könne normal weitergehen. Die dort vorhandenen Reserven reichten noch für Monate und „deutlich bis über die Ankunft des nächsten Versorgungsflugs“ hinaus. Dabei handelt es sich um eine „Dragon“-Raumkapsel des US-Unternehmens SpaceX, die am 19. Juni an die ISS andocken soll.

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Kontakt abgebrochen

Der Kontakt zu dem Transporter ging am Dienstag kurz nach dem erfolgreichen Start vom Weltraumbahnhof Baikonur verloren. (iptv.ORF.at)

Sowjetisches „Siegesbanner“ an Bord

An Bord des „Progress“-Frachters befand sich auch eine Kopie der sowjetischen Flagge, die Rotarmisten nach der Eroberung Berlins 1945 auf dem Reichstag gehisst hatten. Die Kosmonauten auf der ISS wollen damit am 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland, aus dem All ihren Landsleuten gratulieren. Außer dem „Siegesbanner“ sind ein Festtagsessen sowie Geschenke und persönliche Post in der „Progress“.

Ein namentlich nicht genannter Experte der Flugleitzentrale nannte die Panne „beunruhigend“, da sie bei einer Sojus-Rakete aufgetreten sei, die auch für bemannte Flüge genutzt werde. Möglicherweise werde der für den 26. Mai geplante Start von drei Raumfahrern zur ISS verschoben, um erst den Fehlschlag genau zu analysieren, hieß es.

Serie von Rückschlägen reißt nicht ab

Das russische Raumfahrtprogramm musste in den vergangenen Jahren eine Serie von Rückschlägen einstecken. So gingen mehrere Satelliten verloren. Bereits 2011 verunglückte ein Transporter, der auf den Weg zur ISS geschickt wurde: Kurz nach dem Start stürzte damals der Frachter in Sibirien ab. Russland schickt jährlich drei, vier „Progress“-Versorgungsflüge zur ISS.

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