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Sieben Kinder von SS erschossen

Der Tag der Vorpremiere von „Der Graben“ in Bad Eisenkappel/Zelezna Kapla ist auch der 70. Jahrestag des Massakers vom Persmanhof gewesen. Der Persmanhof, ein Bergbauernhof wenige Kilometer außerhalb von Eisenkappel/Zelezna Kapla, diente im Zweiten Weltkrieg als wichtiger Stützpunkt für den Widerstand der Partisanen gegen die Nationalsozialisten.

Kurz vor Kriegsende tötete eine SS-Einheit dort elf Kärntner Slowenen und Sloweninnen, darunter sieben Kinder. Das Massaker vom Persmanhof zählt zu den Endverbrechen des NS-Regimes.

Der Persmanhof

ORF.at/Romana Beer

Heute ist der Persmanhof Museum und Gedenkstätte

Am 25. April 1945 brannten SS-Angehörige den Hof nieder und erschossen elf Bewohner und Bewohnerinnen des Persmanhof: die Besitzer des Hofes Ana (35) und Lukas Sadovnik (38), deren Kinder Franziska (13), Viktor (4) und Gottfried (8 Monate), deren Neffen Stanislaus Kogoj (9) und Nichte Adelgunde Kogoj (3), die Altbäuerin Franciska Sadovnik (77), sowie die Schwester des Bauern Katharina Dobravc (44) und ihre Kinder Albina (7) und Filip (4).

Verfahren gegen Täter wurde 1949 eingestellt

Drei Kinder der Familie überlebten das Massaker und flüchteten, zum Teil schwer verletzt, in den angrenzenden Wald. Von 1946 bis 1949 war das Verbrechen Gegenstand eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens. Mehrere Verdächtige aus den Reihen des SS- und Polizeiregiments 13 befanden sich in Untersuchungshaft. Die überlebenden Kinder sagten einstimmig aus, dass „die Polizisten“ ihre Familie ermordet hatten.

Von den verdächtigten Beschuldigten wurden im Rahmen der Verhöre durch die Untersuchungsrichter Teilgeständnisse abgelegt: Zwei Männer gaben zu, von ihrem Vorgesetzten einen Schießbefehl gehabt zu haben. Dennoch kam es 1949 zur Einstellung des Verfahrens.

Partisanendenkmal erinnert an den Widerstand

Denkmal für den antifaschistischen Widerstand vor dem Persmanhof

ORF.at/Romana Beer

Zerstört und wieder aufgebaut

Buchcover "Persman"

Verein Persman

Buchhinweis

Persman. Lisa Rettl, Gudrun Blohberger (Hrsg.). Wallstein Verlag, 480 Seiten, 29 Euro.

Seit 1983 steht vor dem Persmanhof ein Denkmal für den antifaschistischen Widerstand. Ursprünglich stand es in St. Ruprecht bei Völkermarkt, dort wurde es aber in der Nacht vom 10. auf den 11. September 1953 gesprengt. Die Täter konnten nie ausgeforscht werden.

1983 wurde das Denkmal schließlich vom Verband der Kärntner Partisanen restauriert und vor dem Persmanhof wieder aufgestellt. Ein Jahr davor wurde ein Museum zur Geschichte des Widerstands der Kärntner Sloweninnen und Slowenen im Nationalsozialismus eingerichtet. Seit Anfang der 1980er Jahre finden jährlich Gedenkveranstaltungen auf dem Persmanhof statt.

Das Massaker vom Persmanhof ist nicht nur Thema im Dokumentarfilm „Der Graben“, auch der TV-Film „Unvergessen“ der Krimireihe Tatort aus dem Jahr 2013 handelt davon.

Romana Beer, ORF.at

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