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Benutzen, aber nicht besitzen?

Software ist aus vielen Geräten nicht mehr wegzudenken, und auch immer mehr Autos werden damit ausgerüstet - doch damit kommen ganz neue Probleme auf die Nutzer zu. Denn Software kann man üblicherweise nicht kaufen, es gibt nur ein Nutzungsrecht - und das zieht laut Herstellern einige Limitierungen beim Einsatz der Geräte nach sich.

Laut dem Autohersteller General Motors (GM) etwa gehört die Software, die in Autos mittlerweile zig Funktionen kontrolliert, nicht dem Autobesitzer, sondern GM selbst. „Wir sind der Meinung, dass die Software im Auto vom Besitzer lizenziert (sic) wird“, argumentierte ein GM-Anwalt laut einem Bericht der Website Autoblog.com bei einer Anhörung im Zuge der Revision des US-Urheberrechts Digital Millennium Copyright Act (DMCA) vor dem US-Copyright-Office.

Dabei geht es um grundlegende Software wie für die Motorsteuerung bis hin zu Sicherheits- und Unterhaltungssystemen, die von eigens gesicherten Chips (Trusted Platform Module, TPM) abgesichert werden. Diese TPMs schützen dabei laut GM die durchschnittlich 30 in einem Auto verbauten Steuergeräte vor Angriffen auf Daten (wie Ortungsdaten und Kontakte) von außen.

Nur die Hardware ist wirklich käuflich

GMs Argumentation bedeutet in weiterer Folge, dass ein Autokäufer die jeweilige Software zwar benutzen, aber nicht für seine speziellen Zwecke abändern darf. Wer ein Auto kauft, kauft also nur die Hardware wie Fenster, Türen und Schweinwerfer, ganz besitzen kann er es nach der Logik GMs aber nicht. Kritiker wie die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) argumentieren, dass damit Reparaturen oder Abänderungen abseits offizieller Werkstätten faktisch unmöglich sind, ohne gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Zudem werde der Zugang zu notwendigen Dokumentationen erschwert.

Eine Modifikation an der Software könne die ganze Sicherheit des Autos gefährden, halten dem wiederum die Hersteller, aber auch die Generalanwältin des Copyright Office, entgegen. Käufer gebrauchter Autos müssten immer überprüfen, ob die Software im gewünschten Auto original ist oder modifiziert wurde, um bei einem Kauf etwa sicherzustellen, dass wichtige Funktionen wie die Airbags nicht deaktiviert wurden, stellt sich Jacqueline Charlesworth laut Autoblog.com auf die Seite der Hersteller.

Musikdiebstahl via Traktorsoftware?

Auch der Traktorhersteller John Deere will nicht, dass die Software seiner Fahrzeuge für alle so einfach zugänglich ist. Deere befürchtet laut einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Copyright Office, dass die „Kreativität“ seiner Traktorsoftware missbraucht wird und sogar Musik über ein gehacktes Unterhaltungssystem seiner Traktoren unrechtmäßig kopiert werden könnte.

Auch andere Hersteller wollen Restriktionen

Nicht ganz so drastisch sehen das andere Autohersteller, doch auch sie wollen den Zugang zu ihrer Software verhindern, wie die Stellungnahmen der Auto Alliance mit Mitgliedern wie VW, BMW und Ford sowie der Association of Global Automakers zeigen. Ein restriktiver Zugang garantiere, dass Autohersteller und -zulieferer weiter in neue Software für mehr Sicherheit und mehr Umweltfreundlichkeit investieren würden, so die Autohersteller in ihren Stellungnahmen.

Sie sehen auch Überprüfungen der Software durch unabhängige Spezialisten nicht gefährdet, schon jetzt würden Industrie und Forscher bei der Verbesserung der Sicherheit von Autos zusammenarbeiten. Zudem könnten Sicherheitsforscher etwaige Lücken in der Autosoftware veröffentlichen, bevor sie diese den Autoherstellern kommuniziert haben, ohne für etwaige Folgen zu haften.

Kampf um Hoheit über Geräte

Das US Copyright Office will im Juli seine Entscheidung bekanntgeben, ob unter anderem Autosoftware vom Verbot der Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen ausgenommen wird. Insgesamt 27 Punkte hat das US Copyright Office auf seiner Website für mögliche Ausnahmen angeführt, darunter auch das Entfernen von Nutzungsbeschränkungen (Jailbreaking) von „universellen mobilen Computern“ und Unlocking von Konsumentengeräten - auch zu diesen Punkten gibt es Stellungnahmen der Autofirmen.

Die breite Opposition der Autofirmen unterstreicht, wie wichtig die Autosoftware als integraler Bestandteil vieler Fahrzeuge bereits ist - und wie nervös die Firmen die Hoheit über die Geräte zu verteidigen versuchen. Schließlich geht es um eine Grundsatzentscheidung: Wie viele Rechte haben Konsumenten nach dem Erwerb an einem Gerät, und wie viel Macht haben die Hersteller über den Kauf hinaus?

Smarte Geräte verschärfen Fragestellung

Dieses Problem wird sich mit der steigenden Computerisierung von allen möglichen und unmöglichen Gegenständen auch des täglichen Alltags noch verschärfen. Zwar halten sich alternative Nutzungsmöglichkeiten etwa bei einer smarten Zahnbürste in Grenzen, bei teureren Geräten wie den derzeit immer beliebteren und teilweise sehr teuren Küchenmaschinen mit Kochfunktionen könnten zusätzliche Funktionen über Softwarehacks durchaus interessant sein.

Es gibt auch bereits Gegenbewegungen, wie etwa der Gründer des US-Reparaturnetzwerks iFixit, Kyle Wiens, in „Wired“ schreibt. Es gebe bereits Farmer in den USA, die gezielt ältere Geräte ohne Hightech kaufen, weil die Stehzeiten geringer sind - viele Farmer können die älteren Maschinen selbst reparieren und sparen so auch noch Geld. Für Autohersteller, für die auch Reparaturen mittlerweile ein wichtiger Bestandteil ihrer Umsätze sind, wohl eher ein Alptraum.

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