Debatte über Deutschklassen: Ministerium zurückhaltend

Das Beharren auf „Deutschklassen“ für Kinder ohne Deutschkenntnisse durch Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) kommentiert man im Bildungsministerium zurückhaltend. Für Flüchtlinge und andere Quereinsteiger könne es durchaus Sinn haben, mit einem Intensivsprachkurs zu beginnen, hieß es. Sprachförderkurse seien daher schon jetzt sowohl integrativ als auch ergänzend möglich.

Lehrer und Schulaufsicht sollen entscheiden

„Über das beste pädagogische Konzept können deshalb die Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort in Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht entscheiden“, meint man im Ministerium. Das könne je nach Standort unterschiedlich sein.

Opposition verärgert

Deutliche Kritik am Integrationsminister kommt von den Grünen. „Die Unkenntnis von Kurz in Sachen Sprachförderung bereitet schon fast physische Schmerzen“, so Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung. „Niemand will Kinder ohne Deutschkenntnisse ‚einfach in Klassen setzen‘, wie er behauptet. Deshalb gibt es ja Förderprogramme und eigens geschulte Lehrkräfte.“

NEOS stören vor allem die „Wortspiele“ rund um die Worte „Kurs“ und „Klassen“ von SPÖ und ÖVP. Grundsätzlich sollten die Entscheidungen über die Förderung der Kinder an den Schulen selbst getroffen werden, so die Wiener Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger.

Der erst im Juli präsentierte Integrationsbericht sieht den „effektiven Weg längst vorgezeichnet“: „Kinder im Vorschul- und Volksschulalter sollten primär in ihren Gruppen- und Klassenverband aufgenommen werden und mit diesem gemeinsam Unterrichtsfächer, denen sie auch mit wenig Kenntnissen der Bildungssprache folgen können, wie Sport, Kunst etc. teilen und zusätzlich und getrennt davon geblockten Deutschunterricht erhalten“, heißt es dort. „Kinder in diesem Alter benötigen ihre soziale Einbettung und lernen rasch - vor allem im spielerischen Kontext - von den Gleichaltrigen, insbesondere dann, wenn der Lernvorgang theoretisch abgesichert wird.“

Kurz: Gelder für Ministerin nur bei Systemumstellung

Kurz hatte aufgrund der erwarteten zusätzlichen Schüler ohne Deutschkenntnisse durch die wachsende Zahl an Asylwerbern und Flüchtlingen seine Forderung nach eigenen Klassen für diese Kinder erneuert. Den Wunsch der Bildungsministerin nach zusätzlichen Mitteln für die Sprachförderung unterstütze er nur bei solch einer Systemumstellung, so Kurz im Ö1-Mittagsjournal.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte zuletzt „einige Millionen Euro“ für zusätzliche Planstellen im Bereich der Sprachförderung verlangt. Derzeit werden rund 25 Mio. Euro für 440 Stellen aufgewendet. Die genaue Zahl und die Verteilung der erwarteten zusätzlichen Kinder ist aufgrund des anhaltenden Zustroms und der Betreuungssituation noch unklar.