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„Glänzende Zukunft“ erhofft

Seit der Islamischen Revolution 1979, spätestens aber nachdem der damalige US-Präsident George W. Bush den Iran 2002 zur „Achse des Bösen“ gezählt hatte, hat das Land praktisch als No-go-Area gegolten. Doch mit dem Abschluss des Atomabkommens mit den Westen hofft der Iran nicht nur auf neue Wirtschaftskooperationen, sondern auch, sich als Tourismusland präsentieren zu können.

Masud Soltanifar, iranischer Vizepräsident und Leiter der Organisation für Kulturerbe, Handwerk und Tourismus (ICHHTO), hofft auf eine „glänzende Zukunft“. Kein anderer Wirtschaftszweig werde nach dem Atomdeal einen derartigen Aufschwung nehmen, sagte er.

20 Millionen Touristen 2025 als Ziel

Schon während der Verhandlungen hatte er das Ziel formuliert: Bis 2025 sollen pro Jahr 20 Millionen Touristen sein Land besuchen und einen Umsatz von 30 Milliarden Dollar bringen. Derzeit hält der Iran bei rund vier Millionen Besuchern pro Jahr und einem Umsatz von sechs Milliarden Dollar.

Präsident Hassan Rouhani hatte schon 2013 die strengen Visa-Auflagen für Ausländer entschärft, nun sind weitere Erleichterungen geplant: Angekündigt wurde, dass die Aufenthaltsgenehmigung für Urlauber von 14 Tagen auf einen Monat ausgeweitet werden. Schon nächstes Jahr soll die Abwicklung elektronisch erfolgen.

Bazar in Isfahan im Iran

Reuters/Morteza Nikoubazl

Basar in der Stadt Isfahan

Hotelketten stehen Schlange

Mohsen Karib, Chef der Iranischen Touring und Tourismus Investment Company (ITTIC), erwartete gar einen „Tsunami“ an ausländischen Gästen. Ende Juli verkündete die Nachrichtenagentur Mehr, der Iran werde heuer bereits auf fünf großen Ferienmessen in Europa und Asien vertreten sein.

Größtes Problem ist bisher die touristische Infrastruktur: Im vergangenen Jahr wurden elf Hotels gebaut, sagte Soltanifar. Doch in den nächsten zehn Jahren sollen 400 neue Hotels dazukommen, vor allem in den Kategorien von drei und vier Sternen, wo man besonderen Aufholbedarf sieht. Laut iranischen Medien hat man in den vergangenen Wochen bereits mit gut einem Dutzend internationaler Hotelgruppen gesprochen, darunter Rotana, Accor, InterContinental, Hyatt, Hilton und Starwood, so der staatliche iranische Sender PressTV.

Einzigartige Kulturstätten

Neben landschaftlicher Schönheit und einer immer wieder kolportierten großen Gastfreundschaft hat der Iran vor allem einzigartige Kulturdenkmäler zu bieten. 19 Orte im Iran sind auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Besondere Attraktionen sind etwa die zentraliranischen Städte Isfahan und Jasd mit ihren Prachtbauten, Täbris im Norden des Landes mit seinem berühmten Basar, und Schiras mit seinen Gartenlagen. Auch die Paläste der altpersischen Residenzstadt Persepolis gelten als einzigartig.

Tourist fotografiert "Das Tor der Nationen" in Persepolis im Iran

AP/Vahid Salemi

Die Reste der von Alexander dem Großen zerstörten Palaststadt Persepolis zählen zum UNSECO-Welterbe

Freilich bietet auch Teheran etliche Sehenswürdigkeiten. Und im Elburs-Gebirge in der Nähe der Hauptstadt finden sich sogar einige Skiorte. Teheran könnte auch an alte Traditionen anknüpfen: In den 60er und 70er Jahren unter Schah Mohammed Resa Pahlavi galt Teheran als internationaler Treffpunkt von Künstlern, Kosmopoliten und Jetset.

Snowboarder im Skiort Shemshak im iranischen Elburs Gebirge

Reuters/Caren Firouz

Skigebiete in unmittelbarer Nähe von Teheran

Bisher nur für erfahrene Reisende

Schon jetzt berichten internationale Touristiker, dass der Run auf Reisen in den Iran in den vergangenen Monaten eingesetzt habe - wenn auch nur in einem überschaubaren Rahmen. Dabei handelt es sich um reiseerfahrene Urlauber, ist der Besuch im Iran derzeit doch noch alles andere als massenkompatibel.

Die Fortbewegung innerhalb des Landes gilt als eher beschwerlich. Und freilich gelten für das Bereisen des Landes die Grundregeln beim Besuch eines islamischen Landes, also vor allem angemessenes Auftreten und Verhalten sowie das Beachten von Bekleidungsvorschriften, vor allem für Frauen. Problematisch können bestimmte Konstellationen wie etwa ein unverheiratetes Paar sein.

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