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Viele Jobs durch Roboter bedroht

In den nächsten 20 Jahren soll eine „Roboterrevolution“ die Arbeitswelt weltweit dramatisch verändern, sagt eine neue, umfassende Studie. Zwischen 30 und 50 Prozent der Arbeitsplätze könnten, vor allem in niedrig bezahlten Bereichen, wegfallen, weil Roboter die bisherigen Tätigkeiten der Menschen übernehmen.

Es stehe ein Paradigmenwechsel bei der Art, wie Menschen leben und arbeiten, bevor, so die Autoren der 300 Seiten starken Studie des Investmentarms der Bank of America, Meryll Lynch. Resultat dieser Entwicklung seien deutlich sinkende Kosten für Firmen und eine deutliche Verschärfung des soziales Gefälles.

Die Studie, aus der der „Guardian“ zitiert, geht auf Basis der Analyse der jüngsten technologischen Entwicklungen davon aus, dass Maschinen neben rein manuellen bald auch immer mehr Denkarbeiten vom Menschen übernehmen könnten. Neben Staubsaugen oder Maschinenzusammenbauen könnten Roboter in Zukunft auch analytische Aufgaben übernehmen, die bisher menschliches Urteilsvermögen voraussetzten, wie etwa Finanzberatungen.

Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben

Eine der massivsten Auswirkungen ist laut Studie eine deutliche Reduktion der bisherigen Arbeitsplätze. In Großbritannien wären 35 Prozent aller Jobs durch Technologie bedroht, in den USA 47 Prozent, wird eine Studie der Oxford Universität zitiert. Die meisten Jobs seien im unteren Einkommensbereich bedroht, was gerade in den USA, wo zuletzt viele Jobs in diesem Bereich geschaffen wurden, enorme Auswirkungen hätte.

Roboter fährt mit Paletten

Reuters/Robert Galbraith

Roboter in einer Lagerhalle von Amazon

Amazon hat große Teile seiner Lagerhaltung bereits automatisiert und viele Menschen durch Roboter ersetzt. In Zukunft will der Versandhändler die Zustellung seiner Waren auch mit Drohnen abwickeln, menschliche Zustelldienste wären damit obsolet. Selbstfahrende Autos könnten ebenfalls viele Arbeitsplätze, gerade im Güterverkehr, überflüssig machen. Der weltweite Markt für Roboter und künstliche Intelligenz soll bis 2020 140 Mrd. Euro schwer sein, zwei Drittel davon sollen auf Roboter entfallen.

Ausreichend Bildung gegen drohenden Jobverlust

Meryll Lynch erwartet, dass durch die steigende Automatisierung die Produktivität in manchen Bereichen um bis zu 30 Prozent steigt. In Japan etwa arbeiten Roboter bereits unbeaufsichtigt rund um die Uhr 30 Tage am Stück. Die Auslagerung von Jobs in Länder mit niedrigerem Lohn kann laut „Guardian“ bis zu 65 Prozent Arbeitskosten sparen, 90 Prozent können gespart werden, wenn Menschen durch Roboter ersetzt werden.

Eine der Autorinnen der Meryll-Lynch-Studie, Beijia Ma, sagte gegenüber dem „Guardian“, dass man sich vor den Entwicklungen allerdings nicht fürchten müsse. Die Menschen müssten mehr in ihre (Aus-)Bildung investieren, um sich für die künftigen Entwicklungen fit zu machen. Es gibt auch Experten, die die Entwicklungen als Vorboten einer neuen Arbeitswelt nach John Maynard Keynes sehen, in der Menschen nur noch 15 Stunden die Wochen arbeiten und den Rest der Zeit für Freizeitaktivitäten nutzen können.

Welche Jobs sollen übrig bleiben?

Allen Unkenrufen zum Trotz hat die technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte allerdings auch viele Jobs geschaffen, sagen Experten der Beratungsfirma Deloitte. Zwar seien tatsächlich viele Jobs in den vergangenen 100 Jahren einfach ersatzlos gestrichen worden, man müsse sich aber die Frage stellen, ob diese Jobs in der Form überhaupt erhaltenswert gewesen seien, sagten sie dem „Guardian“.

Arbeiter neben Roboterarmen in einer Fabrik

AP/Chinatopix

In Asien sind bereits viele Roboter im Einsatz

So waren 1871 etwa 6,6 Prozent der Arbeitskräfte in England und Wales in der Landwirtschaft tätig, mittlerweile sind es nur noch 0,2: Heute ackern sich Traktoren durch die Erde, statt Menschen und Pferde beziehungsweise Ochsen. Ähnliches gilt für den ehemals boomenden Sektor der Wäschereien, diese Arbeitskräfte wurden mittlerweile großteils von Waschmaschinen abgelöst.

Technologie machte Platz für neue Jobs

Die durch die Technologisierung frei gewordenen Arbeitskapazitäten konnten in vielen anderen Bereichen Beschäftigung finden. So gab es in den letzten zwei Jahrzehnten in Großbritannien laut offiziellen Zahlen einen enormen Anstieg der Arbeitskräfte im Bereich Pflege und Heimhilfe, so der „Guardian“, ebenso im Bildungs- und Sozialbereich. Gesunken ist hingegen die Zahl der Textilarbeiter, Schreibkräfte und Sekretärinnen.

In anderen Bereichen wie der Medizin hat der technologische Fortschritt die Produktivität gesteigert und mehr Arbeitsplätze gebracht, wenn mitunter auch über Umwege. Weil etwa Nahrung und viele Haushaltsgegenstände über die Jahre billiger geworden sind, bleibt den Menschen mehr Geld für Freizeitaktivitäten - damit wäre etwa die Vervierfachung der Barangestellten in Großbritannien seit 1951 erklärbar, so ein Autor der Studie gegenüber dem „Guardian“.

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