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Multimediale Zeitreise

Das Naturhistorischen Museum (NHM) Wien zeigt die Sonderausstellung „Planet 3.0 - Klima. Leben. Zukunft“. Mit Artefakten, Texten, Videos und Animationen sollen den Besuchern die komplexen Zusammenhänge zwischen der Erdgeschichte, der Entstehung des Lebens und der Entwicklung des Klimas veranschaulicht werden.

Die Ausstellung, die von der deutschen Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung übernommen wurde, beschäftige sich mit der Entwicklung des Planeten ab Anbeginn, erklärte NHM-Direktor Christian Köberl am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die 4,5 Milliarden lange Historie des Planeten wird in sieben Stationen - „Schlaglichtern der Erdgeschichte“ - illustriert. Bei jeder Station wird plakativ ein Tag herausgegriffen, Klima und Leben beschrieben sowie der jeweilige Anteil von Sauerstoff und Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre sowie die Durchschnittstemperatur im Vergleich zu den aktuellen Werten dargestellt.

40.000 Jahre Regen

Vor 4,5 Milliarden Jahren war die Erde ein schnell rotierender Feuerball. Ein Jahr hatte damals 1.434 Tage, der Tag nur 6,1 Stunden, wie Wissenschaftler errechneten. Im Laufe der Jahrmillionen begann die Erde sich sukzessive abzukühlen. Die daraus resultierenden Regenfälle dauerten etwa 40.000 Jahre an, so Ausstellungskurator Thorolf Müller, was zum Entstehen der Ozeane geführt habe.

Die Anfänge des Lebens liegen im Dunkeln, wie so viele Aspekte der frühen Erdgeschichte. Die Stationen, die diesen Teil der Erdgeschichte beleuchten, seien aus diesem Grund bewusst „theaterhaft, künstlerisch inszeniert, weil es nur wenige Artefakte gibt. Bewiesen ist nichts, wir testen Hypothesen“, so Müller.

Lebewesen machten Planeten bewohnbar

Viele der Grundvoraussetzungen für die Entstehung von Leben erfüllt die Erde mehr oder minder zufällig. Sie liegt in der richtigen Entfernung zur Sonne, was dazu führt, dass Wasser in flüssiger Form vorkommt. Ihr Mond ist gerade groß genug, um ihre Umlaufbahn zu stabilisieren. Der flüssige Erdkern ist umhüllt von einer festen Schale, der dadurch entstehende Magnetismus lenkt gefährliche Sonnenwinde ab.

Eindrücke von der Ausstellung "Planet 3.0 - Klima.Leben.Zukunft"

ORF.at/Carina Kainz

Paläogloben illustrieren das Verhältnis von Wasser und Landmasse in der jeweiligen Phase der Erdgeschichte

Daneben waren es die Lebewesen selbst, die die Erde erst bewohnbar machten. Vor 3,5 Mrd. Jahren begannen Bakterien in den Meeren mit der Produktion von Sauerstoff. Zur selben Zeit dürfte sich die Photosynthese entwickelt haben. Als das Meerwasser vor 800 Millionen Jahren schließlich gesättigt war, stieg der Sauerstoff in die Atmosphäre auf, wo er die Ozonschicht bildete.

Ausstellungshinweis

Die Ausstellung „Planet 3.0 - Klima. Leben. Zukunft“ ist von 11. November bis 3. April im Naturhistorischen Museum in Wien zu sehen.

Die ersten vielzellige Lebewesen tauchten 200 Mio. Jahre später auf. Zeugen dieser Entwicklung sind Stromatolithe, wie sie in der Ausstellung zu sehen sind. Auf Steinen bildete sich „eine Schleimschicht voller Leben“, wie es Müller ausdrückte. Der so entstandene Biofilm konnte mehrere Kilometer dick werden.

Schneeballerde und Massenaussterben

In jeder der Stationen finden sich Modelle von Erdkugeln (Paläogloben), auf denen die Verteilung zwischen Wasser und Landmasse veranschaulicht ist. Im Ediacarium, vor etwa 635 Mio. Jahren, war die Erde fast vollständig mit einem bis zu 1,4 Kilometer starken Eispanzer bedeckt. Eisfrei waren einzig die Bereiche um den Äquator, wo eine Temperatur von etwa zehn Grad Celsius geherrscht haben dürfte.

Eindrücke von der Ausstellung "Planet 3.0 - Klima.Leben.Zukunft"

ORF.at/Carina Kainz

Im Kambrium traten erstmals Lebewesen auf, die Kalk in den Körper einlagerten. Das NHM zeigt fünf Modelle dieser Ur-Schalentiere

Über das Kambrium, als in warmen Flachmeeren eine vielfältige Tierwelt entstand und Lebewesen erstmals begannen, Kalkschalen auszubilden, geht die Zeitreise weiter in das Karbon, in dem sich über 300 Millionen Jahre jene Pflanzenwelt bildete, aus der unsere heutigen fossilen Brennstoffe wie Kohle und Erdöl entstanden, „von denen wir in nur 150 Jahren fast 70 Prozent schon vernichtet haben“, so Müller.

An der Perm-Trias-Grenze kam es vor 250 Mio. Jahren durch gewaltige Vulkanausbrüche zum größten Massensterben in der Erdgeschichte, dem bis zu 96 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten zum Opfer fielen. In der Oberkreide zeigte sich, was das Treibhaus Erde kann: Vor 90 Mio. Jahren lag die Durchschnitttemperatur bei 24 Grad Celsius. Heute sind es 15 Grad. Die letzte Station widmet sich den wechselnden Kalt- und Warmphasen im späten Pleistozän, denen auch schon die Vorfahren der Menschen ausgesetzt waren.

Die sieben Sphären der Erde

Vom Schicksal der Höhlenmenschen erfolgt der Sprung in die Gegenwart. Um ihre gesamte Komplexität zu erfassen, teilen Forscher die Erde in sieben Sphären ein (etwa die Atmosphäre und die Biosphäre, die alle lebenden Organismen umfasst). Im Naturhistorischen Museum ist diesem „System Erde“ eine siebenminütige Show auf einem hochauflösenden Kugelprojektor gewidmet.

Ein weiterer Teil der Ausstellung bietet einen Blick in die Forschungslabore und Arbeit der Wissenschaftler, die anhand von Gesteinen, Lebewesen, Böden, Wasser, Eis und Atmosphäre Geschichte und Zukunft des Klimas erforschen. Gezeigt werden etwa eine originale „Schlaftomate“, in die sich Antarktisforscher zurückziehen können, das Modell einer Windkraftanlage und ein Tornadosimulator.

Klimawandel „in nie da gewesenem Tempo“

Der letzte Raum der Ausstellung soll Besuchern als Ort der Reflexion dienen. Die Schau soll laut NHM-Direktor Köberl auch zeigen, was der Mensch aus der Vergangenheit „für die Zukunft ableiten kann“. Als Geowissenschaftler seien Klimaveränderung für ihn nichts Ungewöhnliches, so Köberl, „aber das Tempo ist noch nie da gewesen“.

Änderungen des Klimas hätten sich in der Vergangenheiten über Jahrmillionen gezogen. Die Erwärmung der Erde in den vergangenen 50 Jahren sei dem Einfluss des Menschen geschuldet. Als „Warner" wolle man im NHM dennoch nicht wahrgenommen werden. Köberl: Wir sehen uns als Institution, die die wissenschaftlichen Fakten auf den Tisch legt.“

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