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Kolumbiens neuer Umgang mit Drogen

Laut UNO-Drogenbericht 2015 zählt Kolumbien zu den größten Drogenproduzenten. Während sowohl Anbau als auch Konsum von Koka weltweit zwar zurückgegangen sind, stammen mehr als 300 der circa 800 Tonnen jährlich produzierten Kokains aus dem lateinamerikanischen Land. Anbaufläche, Konsum und Produktion nehmen zu. Das gilt auch für Marihuana. Das will man nun legal exportieren.

Die Strategie gegen den Anbau war über Jahrzehnte mehr oder weniger dieselbe: Kokaplantagen wurden mit Gift besprüht oder verbrannt, Labore wurden gesprengt. Ein Tropfen auf den heißen Stein: Kaum wurde eine Produktionsstätte vernichtet, wurde eine neue gebaut. Hinzu kommt, dass sich die einst großen Kartelle zwar aus dem Land zurückgezogen haben, aber durch kleinere, flexiblere Gruppen ersetzt worden sind.

Problem der öffentlichen Gesundheit

Bestraft werden auch in Kolumbien bisher neben jenen, die mit Drogen handeln, auch die Konsumenten. Dabei sei noch kein Suchtkranker durch einen Gefängnisaufenthalt geheilt worden, so Justizminister Yesid Reyes gegenüber dem Deutschlandradio. Vernünftiger sei es, Drogenkonsum zu entkriminalisieren und das Problem als eines der öffentlichen Gesundheit zu behandeln.

Aus gesundheitlichen Gründen verzichtet man mittlerweile auch darauf, Kokaplantagen weiterhin zu besprühen, stehen die verwendeten Chemikalien doch im Verdacht, krebserregend zu sein.

Kakao statt Koka

Zudem werden jene Bauern, die bis dato unter dem Druck von Drogenbaronen oder der Guerilla gezwungen waren, Koka anzubauen, von der Regierung mit Hilfe von Entwicklungshilfegeldern dazu angehalten, Kakao, Pfeffer, Kaffee oder Kautschuk anzubauen. Das lohnt sich für die Bauern auch finanziell: Wurden sie von ihren bisherigen Auftraggebern mit dem Existenzminimum abgespeist, so verdienen sie unter den neuen Bedingungen um einiges mehr.

Marihuana als Exportartikel und großes Geschäft

Daneben verfolgt man nun einen weiteren neuen Weg: Marihuana soll zu medizinischen Zwecken legalisiert und dessen Gebrauch, Produktion und Export nach dem Willen von Kolumbiens Präsident Juan Manuel geregelt werden, so die BBC. Die Nachfrage sei groß. In den USA, wo seit 2014 Cannabis in mehreren Bundesstaaten legal ist, sowie in Kanada, wo das Cannabis-Verbot erst kürzlich aufgehoben wurde, gebe es bereits Firmen, die Marihuana für eine Vielzahl therapeutischer und medizinischer Behandlungen verwendeten.

Drogenrazzia in Kolumbien

Reuters/Jaime Saldarriaga

Die Behörden mussten bisher Tonnen an illegalen Drogen beschlagnahmen

Die kolumbianischen Behörden versprechen sich davon ein großes Geschäft: Laut „Washington Post“ leiden im Land 400.000 Menschen an Epilepsie und ähnlichen Erkrankungen, die dank der neuen Regelung umfangreicher und genauer behandelt werden könnten. Seit zwei Jahrzehnten ist es Kolumbianern nach mehreren Verfassungsgerichtshofentscheiden aber ohnehin erlaubt, kleine Mengen jeglicher Narkotika zum eigenen Gebrauch zu besitzen.

Markt zu klein

Was den Export betrifft, so werden bereits skeptische Stimmen laut, sei der Markt doch schlicht zu klein für Produkte aus Marihuana. Dem Onlineportal Quartz zufolge gibt es in Kanada ausreichend lokale Produzenten, die den Markt mit Marihuana versorgen. Die Pflanze direkt an Ort und Stelle anzubauen ist darüber hinaus auch kostengünstiger und mit weniger bürokratischem Aufwand verbunden, als sie zu importieren.

Neue Marschrichtung

In vielen lateinamerikanischen Ländern, etwa in Uruguay, Brasilien, Chile und zuletzt Mexiko, findet schon seit Längerem eine Lockerung im Umgang mit Drogen statt, sei es Entkriminalisierung oder gar Legalisierung. Kolumbien ist dennoch ein Sonderfall, bekämpfte man mit Unterstützung der USA Drogenkriminalität doch besonders rigide. Ob man mit der neuen Marschrichtung Erfolg haben wird, muss sich erst zeigen.

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