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Aktionen auch in Österreich

Vor dem Auftakt des Weltklimagipfels in Paris haben Aktivisten bei Demonstrationen rund um den Globus Druck für mehr Klimaschutz gemacht. In einer vorläufigen Bilanz sprachen die Veranstalter des Internationalen Aktionstag für den Klimaschutz von mehr als 570.000 Teilnehmer an den Märschen weltweit

In Australien demonstrierten laut Angaben der Veranstalter am Sonntag unter anderem in Sdyney, Canberra und Adelaide mindestens 140.000 Menschen für mehr Klimaschutz, in Neuseeland waren es 33.000, berichtet der „Guardian“. Demonstrationen gibt es laut „Guardian“ auch in Beirut, Nairobi, Seoul, Uganda und Kiev. Bereits am Samstag gab es erste Demonstrationen für mehr Klimaschutz.

Zigtausende bei Auftakt am Samstag

An einer Auftaktkundgebung im australischen Melbourne hatten sich am Samstag 40.000 Menschen beteiligt. In der philippinischen Hauptstadt Manila gingen am Samstag ebenfalls bereits Tausende Menschen auf die Straßen, um auf die Verletzlichkeit ihres Landes aufmerksam zu machen. Die Philippinen sind eines der am meisten von klimabedingten Naturkatastrophen betroffenen Länder. „Schützt unsere gemeinsame Heimat!“ und „Klimagerechtigkeit!“ stand auf Plakaten.

Demonstranten in Sydney

APA/AFP/Peter Parks

In Sydney gingen Zigtausende für den Klimaschutz auf die Straße

Insgesamt waren am Wochenende 2.300 Veranstaltungen in rund 150 Staaten geplant, bevor die Staats- und Regierungschefs zur Konferenz am Montag in Paris eintreffen. In Deutschland gab es unter anderem in Berlin und Frankfurt Proteste, auch in Hongkong und in britischen Städten gingen die Menschen auf die Straße. In Wien fand ebenfalls eine Kundgebung statt, in der Innenstadt gibt es deswegen Teilsperren - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Kundgebungen in Frankreich verboten

In Paris selbst haben die Behörden zwei für Sonntag und für den 12. Dezember geplante Großdemonstrationen verboten. Zur Begründung hieß es, nach den Angriffen mit 130 Toten am 13. November drohten in der französischen Hauptstadt weitere Anschläge. Als Zeichen für die ferngebliebenen Demonstranten wurden daraufhin Tausende Paar Schuhe auf dem zentralen Place de la Republique in Paris aufgestellt.

Schuha am Platz der Republik in Paris

Reuters/Eric Gaillard

Nach der Absage der Demonstrationen von Klimaaktivisten wurden auf dem Place de la Republique in Paris symbolisch Tausende Paar Schuhe aufgestellt

Laut den Veranstaltern waren auch ein Paar Turnschuhe von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und ein Paar Schuhe von Papst Franziskus darunter - beschriftet mit seinem Namen und dem Titel seiner Enzyklika gegen den Klimawandel. Auf dem Boulevard Voltaire, auf dem der zentrale Protestmarsch geplant war, wurde eine Menschenkette mit mehreren tausend Teilnehmern gebildet.

Proteste gegen Klimagipfel in Paris

Der Protest in Paris sollte eigentlich nur klein und symbolisch stattfinden. Neben einer friedlichen Menschenkette kam es aber auch zu Tumulten.

Tumulte und Festnahmen

Auf dem Place de la Republique kam es später zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und rund 200 Demonstranten, die Polizei setzte Tränengas ein. Mehr als 200 Demonstranten wurden festgenommen. Verletzte habe es aber nicht gegeben.

Polizisten verhaften einen Demonstranten

APA/EPA/Ian Langsdon

Einige Demonstranten warfen Schuhe und Flaschen sowie ein Absperrgitter in Richtung der Beamten

Frankreichs Umweltschützer beklagen unterdessen eine Einschränkung der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit. Die Coalition Climat 21, zu der unter anderem Greenpeace gehört, kritisierte am Samstag „offensichtliche Missbräuche“ des nach den Terroranschlägen von Paris verhängten Ausnahmezustands. Umweltschützer seien zur Polizei vorgeladen worden, um sie an geltende Demonstrationsverbote zu erinnern.

Hausarrest für Umweltaktivisten in Frankreich

Die französische Regierung hat zudem 24 Umweltaktivisten unter Hausarrest gestellt. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, die Personen würden verdächtigt, anlässlich des am Montag beginnenden Weltklimagipfels in Paris gewaltsame Proteste zu planen. Die Personen hätten sich in der Vergangenheit bereits an gewaltsamen Protesten beteiligt, sie würden daher den Ausnahmezustand nicht respektieren.

Demonstranten in Seoul, Südkorea

AP/Ahn Young-joon

In Seoul nahmen Tausende am Internationalen Aktionstag für den Klimaschutz teil

Die Umweltaktivisten hätten keinerlei Verbindungen zu terroristischen Bewegungen, so Cazeneuve weiter. Die Sicherheitskräfte müssten sich aber ganz auf den Schutz der Bevölkerung konzentrieren. Jegliche Ablenkung vom Kampf gegen den Terrorismus solle vermieden werden. Der Minister sagte nicht, wie lange der Hausarrest gilt. In Presseberichten hieß es, die Betroffenen dürften ihre Wohnungen für die gesamte Zeit der Konferenz nicht verlassen.

Paris droht Verkehrskollaps

Paris ist bereits wegen der Anschläge im Ausnahmezustand, mit der Klimakonferenz wurden die Sicherheitsvorkehrungen nun allerdings noch verstärkt - nun droht ausgerechnet zum Klimagipfel ein Verkehrskollaps. Wegen der strikten Sicherheitsvorkehrungen sollen die Pariser am Sonntag und Montag ihre Autos stehen lassen - und auch den öffentlichen Nahverkehr nicht nutzen, empfahl die Polizei. Es gebe „bedeutende Risiken einer Überlastung des Verkehrssystems“. Die Polizei riet den Parisern, entweder frei zu nehmen oder von zu Hause aus zu arbeiten.

Ein schwarz bemalter Demosntrant führt eine Demonstration in Jakarta, Indonesien an

APA/AP/Dita Alangkara

In Jakarta, Indonesien, machte ein Demonstrant mit schwarzem Gesicht auch auf den Kohleabbau aufmerksam

Staats- und Regierungschefs aus rund 150 Ländern werden zur Eröffnungszeremonie der UNO-Klimakonferenz am Montag in Le Bourget nördlich von Paris anreisen. Viele Delegationen kommen aber schon vorher an, weshalb die Polizei ab Sonntag wichtige Verkehrsachsen quer durch die Hauptstadt zwischen den Flughäfen Charles de Gaulle im Norden und Orly im Süden - darunter Teile der immens verkehrsstarken Stadtautobahn - komplett für die Fahrzeugkolonnen dieser Besucher gesperrt hat. Die Konferenz dauert zwei Wochen.

195 Länder und die EU wollen sich bei der Konferenz auf gemeinsame Klimaziele einigen. Damit soll eine weltweite Abkehr von fossilen Brennstoffen wie Kohle und Erdöl eingeleitet werden, um eine weitere Klimaerwärmung zu verhindern. Bereits am Sonntag nehmen die Delegationen ihre Arbeit auf. Dabei wollen die Unterhändler insbesondere festlegen, wie die Arbeit der folgenden Tage am besten organisiert werden kann. Der Beginn der Beratungen wurde um einen Tag vorgezogen, um die knappe Zeit so gut wie möglich zu nutzen.

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