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Noch immer an erster Stelle

Der in Umfragen führende US-Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, Donald Trump, hat nach umstrittenen Äußerungen zu den Anschlägen von Paris deutlich an Unterstützung seiner Parteifreunde eingebüßt. In der am Freitag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage favorisieren noch 31 Prozent der Republikaner den Milliardär als Kandidaten für die Präsidentenwahl im kommenden Jahr.

Das sind zwölf Punkte weniger als in der vorherigen Erhebung vom 22. November. Es ist zugleich der stärkste Rückgang für Trump, seit er im Juli die Führung übernommen hat. Er ist allerdings nicht der einzige republikanische Bewerber, der in der jüngsten Umfrage Verluste verzeichnet.

Auch Ben Carson, der in der Gunst der Republikaner hinter Trump auf Platz zwei liegt, verlor an Zustimmung und liegt derzeit bei 15 Prozent. Marco Rubio, Senator aus Florida, und Ted Cruz aus Texas kommen laut der Umfrage auf acht Prozent. Der frühere Gouverneur Floridas, Jeb Bush, kommt auf drei Prozent.

„Jubelnde Muslime“ nach 9/11

Das Absacken Trumps in den Umfragen kommt nicht von ungefähr: Der für seine markigen Aussagen bekannte Milliardär scheint zuletzt den Bogen überspannt zu haben. So hatte er sich in einer Rede über einen behinderten Journalisten lustig gemacht.

Trump hatte zunächst gesagt, am 11. September 2001 hätten Muslime in den USA über den Terroranschlag auf das New Yorker World Trade Center gejubelt. Er berief sich dabei auf einen Artikel des damaligen „Washington Post“-Reporters Serge Kovaleski vom 18. September 2001.

Über Behinderung lustig gemacht

Der Journalist, der mittlerweile bei der „New York Times“ arbeitet, hatte daraufhin laut einer von der BBC verbreiteten Stellungnahme erklärt, dass er sich an niemanden erinnere, der gesagt habe, dass Tausende oder auch nur Hunderte Menschen die Anschläge vom 11. September gefeiert hätten.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Staat South Carolina reagierte Trump offenbar darauf verärgert und sagte: „Und jetzt dieser arme Typ - Sie müssten diesen Typen sehen: ‚Ah, ich weiß nicht, was ich gesagt habe! Ich erinnere mich nicht!‘“ Dazu machte Trump zuckende Bewegungen mit seinen Armen, womit er sich offenbar über Kovaleski lustig machte. Dieser leidet an einer angeborenen Gelenkversteifung namens Arthrogryposis.

Auch Zeitung attackiert

Nach Empörung über diesen Auftritt ging Trump erneut in die Offensive. „Serge Kovaleski muss eine Menge von sich halten, wenn er denkt, dass ich mich an ihn nach Jahrzehnten erinnere - wenn ich ihn überhaupt getroffen habe, was ich bezweifle“, erklärte der Republikaner. „Er sollte aufhören, seine Behinderung für Effekthascherei zu benutzen, und wieder darangehen, für eine Zeitung zu berichten, die gerade schnell den Bach runtergeht“, forderte der 69-jährige Milliardär den Journalisten auf.

Außerdem griff Trump die „New York Times“ in einer Reihe von Kommentaren beim Kurznachrichtendienst Twitter an. Darin beteuerte er, er habe „überhaupt keine Ahnung, wie dieser Herr Kovalski aussieht“, wobei der Name des Journalisten falsch geschrieben wurde. Trump forderte von der renommierten Zeitung überdies eine Entschuldigung. Ein Sprecher der „New York Times“ sagte, das Verhalten Trumps sei „skandalös“.

Für zentrale Erfassung von Muslimen

Zuvor hatte Trump auch mit Äußerungen über eine zentrale Erfassung von Muslimen in den USA für Empörung gesorgt. „Das sind schockierende Worte“, schrieb die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton auf Twitter. „Das sollte von allen verurteilt werden, die anstreben, dieses Land zu führen.“

Trump hatte bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa auf die Frage, ob er eine Registrierung von Muslimen unterstütze, geantwortet: „Ich würde das sicherlich umsetzen. Absolut.“ Muslime könnten an verschiedenen Orten erfasst werden, „nicht nur in Moscheen“. Das wäre „einfach nur gutes Management“, sagte der Geschäftsmann.

Auch Carson legte nach

Nach den islamistischen Anschlägen von Paris verschärften einflussreiche Republikaner ihren Ton gegenüber Muslimen und Flüchtlingen aus Syrien deutlich. Präsidentschaftsanwärter Carson etwa verglich Flüchtlinge mit tollwütigen Hunden. „Wir müssen Sicherheit und eine humanitäre Einstellung gegeneinander abwägen“, sagte Carson.

Konkurrent Bush bemühte sich dagegen um Mäßigung. „Es wird über Internierung geredet, über die Schließung von Moscheen, über die Registrierung von Menschen“, sagte der Republikaner. „Das ist einfach falsch.“

Trump für „Waterboarding“

Ebenfalls für Entsetzen sorgte Trump mit der Aussage, er wolle „harsche“ Verhörmethoden im Kampf gegen Terrorismus wieder einführen und würde im Fall eines Wahlsieges auch das Waterboarding zulassen. „Waterboarding ist peanuts, verglichen mit dem, was sie mit uns machen“, sagte der Immobilienmogul in einem Interview des Senders ABC.

Die Methode, bei der Ertränken simuliert wird, war nach den Anschlägen von 9/11 bei Verhören Terrorverdächtiger in geheimen CIA-Gefängnissen angewendet worden. US-Präsident Barack Obama hatte das Waterboarding und andere Folterpraktiken verboten.

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