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Von EU geduldet

Bei der Wahl der passenden Leuchtmittel für ihre Lampen mussten sich Konsumenten in den letzten Jahren an neue Werte gewöhnen. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist die Lichtausbeute, die in Lumen auf der Verpackung angegeben ist. Die Watt-Angabe spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, informiert aber weiterhin über den tatsächlichen Energieverbrauch.

Zumindest sollten sich Kunden auf die Angaben auf der Verpackung verlassen können. Dass dem nicht so ist, habe nun der Europäische Umweltschutzdachverband (European Environmental Bureau, EEB) in einer aktuellen Analyse ans Licht gebracht, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“, Donnerstag-Ausgabe). Die Leuchtmittel verbrauchten nahezu durchwegs mehr Strom als angegeben, gleichzeitig sei die Lichtausbeute geringer.

Alle Typen betroffen

Die Lampen leuchten also weniger hell, als auf der Verpackung, die dem Kunden als Basis seiner Kaufentscheidung dient, deklariert. Die frisierten Werte entstehen laut „SZ“ durch die gezielte Ausnutzung von offenbar vom Gesetz recht großzügig erlaubten Fehlertoleranzen bei der Messung. Die Handhabe sei zwar nicht illegal, erinnere aber etwa an die Abgasschummelei in der Autobranche, die zuletzt schwer unter Beschuss geriet. „Zweifellos wissen diese Firmen, dass sie ihre Kunden betrügen“, wurde die EEB zitiert. „Das offene Schlupfloch ist eine Einladung.“

Verpackung einer Energiesparlampe

Reuters/Ina Fassbender

Geschönte Angaben auf der Verpackung

Betroffen seien alle Typen von Haushaltsleuchten, Halogen- genauso wie Energiespar- und LED-Lampen. Durchschnittlich um zehn Prozent dürften die Angaben von den tatsächlich erreichten Stromwerten abweichen. Für die Konsumenten bedeute das Mehrkosten von bis zu zwei Milliarden Euro jährlich.

Der EU offenbar schon lange bekannt

Offenbar ist die branchenübliche Praxis, die von namhaften Herstellern offen bestätigt wird, der EU-Kommission schon lange bekannt. Sie dulde die Tricks aber immer noch, so die „SZ“. In der EU-Richtlinie für das Energielabel, das die Effizienz angibt, sei das Schlupfloch der Toleranzen bereits 2012 geschlossen worden. Bei der Ökodesignrichtlinie, auf deren Basis die Watt- und Lumen-Angaben erhoben werden, aber nicht.

Eine Sprecherin der EU-Kommission wurde mit den Worten zitiert: „In der Tat haben wir 2011/2012 herausgefunden, dass Leuchtenhersteller diese Toleranzen auf die Leistung, die sie für ihre Lampen messen, aufschlagen.“ Die Brüsseler Behörde werde deshalb die Ökodesign-Anforderungen für Lampen nächstes Jahr überarbeiten.

Grafik zeigt Stromverbrauch

WKO

Klasse „A“ nur noch Mittelfeld

Bis zu 25 Prozent falsch deklariert

Die Ökodesignrichtlinie schreibt grundsätzlich vor, wie bestimmte Produkte zu gestalten sind, damit die Umwelt entlastet wird. Die letzte Überarbeitung trat im September in Kraft, allerdings ohne das Problem mit den Messtoleranzen zu beseitigen. Auch in anderen Produktkategorien gibt es nach wie vor hohe Messtoleranzen, die angesichts moderner Messtechnik nicht mehr zeitgemäß sind. Die EU-Kommission schätzt, dass zehn bis 25 Prozent der Geräte im Haushalt nicht ihrer angegebenen Effizienzklasse entsprechen. Dazu zählen etwa Klimaalangen, TV-Geräte, Waschmaschinen, Staubsauger und Geschirrspüler.

Energiekennzeichnung wird einfacher

Bereits in Überarbeitung ist das für Konsumenten teils verwirrende Energielabel verschiedener Haushaltsgeräte. Denn der tatsächliche Energiebedarf von Haushaltsgeräten ist mit der derzeitigen Kennzeichnungspraxis nur noch schwer einzuschätzen. Eine Vereinfachung ist dringend nötig.

Die Einteilung in die Effizienzklassen „A+++“ bis „G“ sei nicht so eindeutig, wie es die verwendete Farbskala nahelege, so die Kritik. Die Vielzahl der Kategorien stellt die Käufer vor Rätsel. Galt früher Klasse „A“ als sehr gut, ist diese Kennzeichnung heute nicht mehr viel wert. Inzwischen gibt es die Zusatznoten „A+++“, „A++“ und „A+“ für die sparsamsten Modelle. Im Juli präsentierte die EU dazu einen Entwurf zur Überarbeitung - mehr dazu in help.ORF.at.

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