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Wirtschaftswachstum über viele Grenzen

Träume von Karawanen mit kostbaren Handelsgütern verbinden sich mit dem Begriff der Seidenstraße, der erstmals 1877 vom Geografen Ferdinand von Richthofen für den Handelsweg verwendet wurde. Geht es nach dem Willen Chinas, soll diese Route in naher Zukunft wiederbelebt werden - und dem asiatischen Land dabei helfen, seine Position als wirtschaftliche Großmacht auszubauen.

Die Seidenstraße, die im Zeitalter der Entdeckung der Seewege nach Asien ihre Bedeutung verloren hatte, durchquert Wüsten, Steppen, Hochgebirge, tiefe Täler und passiert besonders in ihrem zentralasiatischen Teil teilweise schon im Altertum berühmte Oasen und Städte. An die Stelle der einstigen Kamelkarawanen sind Autos, Autobusse und Eisenbahnen getreten: Bahnlinien und Straßen führen vom europäischen Teil Russlands in die zentralasiatischen Republiken, nördlich des Tien-Shan-Gebirges weiter nach Urumqi, der Hauptstadt der chinesischen Region Xinjiang, und dann entlang der alten Handelsroute nach Peking bzw. Schanghai.

Russland fürchtet um seinen Hinterhof

Seit 2013 verfolgt Chinas Präsident Xi Jinping sein Projekt der neuen Seidenstraße, das er unter dem Titel „Ein Gürtel, eine Straße“ ankündigte. Damit macht er sich nicht nur Freunde, vor allem aus Russland wird den großangelegten Infrastrukturausbauten in Zentralasien viel Skepsis entgegengebracht. „Früher waren die zentralasiatischen Länder der Hinterhof Russlands,“ analysiert der Leiter des Londoner Institutes für internationale Sicherheitsstudien, Raffaello Pantucci, in der „Washington Post“. „Jetzt hängen sie mehr und mehr an China.“ Diese Veränderung wird von Moskau mit wachsender Besorgnis beobachtet. Russland und China würden zwar in anderen Bereichen verstärkt von Partnerschaft und Zusammenarbeit sprechen, über die Rolle Zentralasiens sei man sich jedoch uneins, heißt es in der Zeitung weiter.

China lässt sich die Orientierung in Richtung Westen einiges kosten und hat 40 Milliarden US-Dollar (36,4 Mrd. Euro) für einen Fonds zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten versprochen, mit denen Märkte in Asien verkehrstechnisch besser verbunden werden sollen. Ziel des „Seidenstraßen-Fonds“ sei es, „den Flaschenhals in den Verbindungen in Asien zu beenden,“ wie Xi ankündigte.

Dutzende Abkommen mit Kasachstan unterzeichnet

Erst vor wenigen Monaten unterzeichneten China und Kasachstan 25 Abkommen im Wert von 23 Mrd. Dollar (20,5 Mrd. Euro), geplant sind 20 weitere Gemeinschaftsprojekte, teilte der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew über die Website des Präsidialamtes mit. Die Kooperation betreffe unter anderem Ausgangsstoffe für die industrielle Produktion, hieß es.

In der kasachischen Bevölkerung steht man den chinesischen Plänen skeptisch gegenüber, so Elena Sadovskaya vom Central Asia-Caucasus Institute in Washington. Man fürchte eine Massenimmigration chinesischer Wanderarbeiter, die Ausbeutung der Bodenschätze und die Überflutung der Märkte mit Billigwaren. Anders sieht das die Regierung. „Unsere Philosophie ist einfach: Wir sollten auf den Zug aufspringen“, formulierte der kasachische Außenminister Erlan Idrissov in einem Interview. „Wir wollen vom wirtschaftlichen Wachstum Chinas profitieren und sehen keine Risiken für uns.“

Österreich als Endpunkt der Seidenstraße?

Profitieren von der neuen Seidenstraße will aber auch Österreich. Sie könne, so Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP), im Oktober diesen Jahres einer der Endpunkte der Wirtschaftsroute werden - quasi als umgekehrter Startplatz für Hongkonger bzw. chinesische Firmen für Niederlassungen für den gesamten CEE-Raum. Mahrer schweben bis zu 1.000 neue Headquarters aus China in Wien binnen zehn Jahren vor. Zudem müssten Waren aus den Häfen Koper und Piräus, in die China investiert, auch weitergebracht werden. Auch hier biete sich Österreich als „Hub“ für CEE an.

Wirtschaftsministerium, Wirtschaftskammer und IV würden ein Pilotprojekt zur chinesischen Seidenstraßen-Initiative zu entwickeln. Konkreter wollte der Staatssekretär nach einem nicht medienöffentlichen Treffen mit dem Wirtschaftsminister von Hongkong, Greg So, aber nicht werden, da das so vereinbart worden sei. So hat sich Mahrer zufolge aber über ein mögliches rasches Vorgehen mit konkreten Projekten sehr positiv geäußert.

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