Mehr als 80 Tote bei Anschlägen in Libyen

Bei Anschlägen in Libyen sind gestern mehr als 80 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt worden. Im westlibyschen Sliten explodierte ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen nahe einem Trainingscamp der Polizei. 70 Menschen - ein Großteil davon Rekruten der Sicherheitskräfte und der Küstenwache - starben, über 100 Personen wurden verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Ähnliche Angriffe waren in der Vergangenheit vom libyschen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verübt worden. Der IS kontrolliert in dem nordafrikanischen Land einen Küstenstreifen am Mittelmeer rund um die Stadt Sirte. Sliten, eine vergleichsweise wohlhabende Handelsstadt etwa 160 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis, ist allerdings nicht dafür bekannt, Zufluchtsort für Dschihadisten zu sein.

Baby starb bei Selbstmordattentat

Im Norden Libyens kamen indes sechs Personen bei einem Selbstmordanschlag ums Leben. Der Fahrer eines Geländewagens habe sich an einem Kontrollpunkt nahe dem Ölhafen in Ras Lanuf in die Luft gesprengt, teilte die Hilfsorganisation Roter Halbmond mit. Unter den Opfern seien drei Wachen und ein 16 Monate altes Baby. Berichten zufolge wurden auch zwei Verwandte des Kindes getötet.

Erst am Montag waren Kämpfer des IS auf die Ölterminals in Ras Lanuf und im nahe gelegenen al-Sidra vorgerückt. Die Angriffe wurden aber abgewehrt. Der IS macht sich das in dem nordafrikanischen Land herrschende Chaos zunutze, um sein Einflussgebiet auszuweiten. Die Dschihadisten kontrollieren bereits die westlich der Ölhäfen gelegene Stadt Sirte.