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Düsteres Vermächtnis mit „Blackstar“

Nur wenige Tage nach seinem 69. Geburtstag und dem Erscheinen seines letzten Albums „Blackstar“ erschüttert die Nachricht vom Tod des Sängers David Bowie die Musikwelt und die Fans. Er erlag am Sonntag einem 18 Monate langen Kampf gegen den Krebs.

Auf Bowies Website und auf der Facebook-Seite war Montagfrüh (MEZ) folgende Nachricht veröffentlicht: „10. Jänner 2016 - David Bowie ist heute friedlich gestorben, umgeben von seiner Familie nach einem tapferen, 18 Monate langen Kampf mit dem Krebs. Während viele von Ihnen an diesem Verlust Anteil nehmen werden, bitten wir Sie, die Privatsphäre der Familie in ihrer Zeit der Trauer zu respektieren.“

Screenshot twitter.com/ManMadeMoon

Screenshot twitter.com/ManMadeMoon

Bowies Sohn informierte auf Twitter über den Tod seines berühmten Vaters

Bowies Sohn Duncan Jones (44) twitterte, er sei sehr traurig, sagen zu müssen, dass die Todesnachricht wahr sei. Dazu postete er ein Bild, auf dem zu sehen ist, wie er als Kleinkind auf Bowies Schultern sitzt. Bowie kam am 8. Jänner 1947 im Südlondoner Stadtteil Brixton als David Jones zur Welt. Der Wahl-New Yorker gehörte zu den größten und einflussreichsten Popmusikern der vergangenen Jahrzehnte.

Vielbeachtetes neues Album

Als unermüdlicher Grenzüberschreiter hatte er zuletzt mit seinem neuen Album „Blackstar“, das am Freitag, seinem 69. Geburtstag, veröffentlicht wurde, den ersten Höhepunkt des Musikjahres 2016 markiert. Der Sound knüpft an Radiohead und Massive Attack, an Dub und Hip-Hop ebenso an wie an den Artrock-Veteranen King Crimson und den Sänger Scott Walker, wie Kritiker wohlwollend schrieben. In der erschütternden Musik sang er davon, ein schwarzer Stern zu sein, der einen Saal öffnet, eine klingende Kathedrale.

David Bowie

Reuters/David W Cerny

Bowie während seiner „A Reality Tour“ 2004 in Prag

„Look up here, I’m in heaven“ („Schau herauf, ich bin im Himmel“), singt Bowie zu Beginn der neuen Nummer „Lazarus“. Im Videoclip dazu sieht man Bowie unter anderem in einem Krankenhausbett, sein Körper schwebt zugleich darüber. „Sein Tod war nicht anders als sein Leben - ein Kunstwerk“, sagte Produzent und Freund Tony Visconti.

Durchbruch mit Major Tom

Rund 140 Millionen Tonträger soll Bowie verkauft haben, er war damit auch einer der erfolgreichsten Popstars der vergangenen Jahrzehnte. Nach seinen ersten kommerziellen Gehversuchen fürchtete David Robert Jones, sein Name erinnere zu sehr an Davy Jones von den Monkeys. Für seinen neuen Künstlernamen David Bowie soll er sich vom US-Bürgerkriegshelden Jim Bowie inspirieren haben lassen. Sein 1967 veröffentlichtes Albumdebüt „David Bowie“ war eher am Folk orientiert. Doch schon mit dem zwei Jahre später folgenden „Space Oddity“ und dem Titelsong über den fiktiven Astronauten Major Tom gelang - ausgerechnet im Jahr der ersten Mondlandung - der Durchbruch.

Hits am laufenden Band

Mit Hilfe des US-Produzenten Visconti positionierte sich Bowie als androgyne Kunstfigur in der Glamrockszene. Sein drittes Album „The Man Who Sold the World“, das zunächst in den USA veröffentlich wurde, blieb vergleichsweise erfolglos - erst viel später wurde auch dessen Potenzial erkannt. Spätere Generationen kennen den Titelsong vor allem durch die „Unplugged“-Version von Nirvana.

Stilikone David Bowie

Bowie prägte die Popmusik mit Hits wie „Ziggy Stardust“, „Heroes“, „Ashes to Ashes“, „Let’s Dance“ und schillerte in unterschiedlichen Kunstfiguren. In seiner langen Karriere ließ er sich nie auf eine Musikrichtung festlegen.

Mit den Alben „Hunky Dory“, „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ sowie „Aladdin Sane“ gelang dann auch der kommerzielle Durchbruch. Mit den darauf enthaltenen Songs „Changes“, „Life on Mars?“, „Starman“, „Suffragette City“ und „The Jean Genie“ schuf Bowie zeitlose Popklassiker. Im Song „The Bewlay Brothers“ auf „Junky Dory“ sollte auch das Wort fallen, mit dem Bowie später oft geehrte wurde - das „Chamäleon“ des Pop. Gleichzeitig arbeitete er bereits als Produzent anderer Musiker, etwa für Lou Reed.

USA und Berlin

Mitte der 70er Jahre zog Bowie in die USA, legte das Glamrockimage ab und wandte sich dem „Plastic Soul“ zu. Mit der Single „Fame" auf dem Album " Young Americans“ schaffte er seine erste Nummer eins in den US-Charts. Es folgten die „Berliner Jahre“ geprägt von Drogen - und der Zusammenarbeit mit Produzent Brian Eno und der gemeinsamen Zeit mit Iggy Pop, der ebenfalls kurzfristig nach Berlin zog. „Heroes“ entstand in dieser Zeit.

1980 erschien „Ashes to Ashes“ - und damit die endgültige Verabschiedung von der Figur Major Tom im kalten Drogenentzug („We know Major Tom’s a junkie/Strung out in heaven’s high/Hitting an all-time low“).

Rocker und Webpionier

1983 markierte dann mit „Let’s Dance“ Bowies Imagewechsel zur coolen Ikone der 80er Jahre. Kurz darauf war allerdings von einer Schaffenskrise die Rede - und Bowie wechselte erneut das Genre. Mit der Band Tin Machine erfand er den härteren Rock für sich - allerdings mit gemischten Reaktionen bei Kritikern und Publikum.

David Bowie

Reuters

Bowie bei einem Interview zu seinem 50. Geburtstag 1997

Auch in den 90er Jahren produzierte Bowie weiter Alben, mit „Earthling“ bewegte er sich etwa in Richtung Drum ’n’ Bass. Große Hits und Charterfolge konnte er damit nicht verbuchen. Dafür galt er mit seiner Homepage als einer der Webpioniere des Pop, und mit der Auflage einer Bowie-Anleihe ging er auch bei der Musikfinanzierung völlig neue Wege. Auch als Maler und Schauspieler versuchte sich Bowie immer wieder.

„Allgemeine menschliche Isolation“

Bowies Einfluss ist auch heute kaum zu überschätzen, wenn etwa Lady Gaga seine Verwandlungen und seinen Hang zum Futurismus imitiert, aber auch in der neuen Psychedelik-Bewegung, der Bands wie MGMT und das Unknown Mortal Orchestra angehören und die von Pop geerdet ist. Ständige charakterliche, gesellschaftliche und äußerliche Persönlichkeitswechsel - Bowie hat sie kultiviert. Seine Charaktere seien einander aber auch in einem ähnlich, sagte er einmal, „vielleicht in dem Gefühl von Isolation. Die allgemeine menschliche Isolation ist eines der großen Themen, das sich durch mein ganzes Werk zieht.“

Ein erster gesundheitlicher Warnschuss war 2004 in Form einer Herzattacke gekommen. In Hamburg musste Bowie damals wegen einer Gefäßverstopfung operiert werden. Bald darauf war er wieder auf den Beinen. 2006 nahm er den Ehren-Grammy für sein musikalisches Lebenswerk entgegen. Bowie trat seit Jahren nicht mehr live auf. 2013 überraschte er, als er an seinem 66. Geburtstag nach langer Pause plötzlich neues Material veröffentlichte und mit dem Comeback „The Next Day“ an frühere Erfolge anknüpfte.

Gedenkkonzert in Carnegie Hall

Bowie war zweimal verheiratet, ab 1992 mit dem somalischen Model Iman Abdulmajid. Eine Tochter wurde im Jahr 2000 geboren. Aus der ersten Ehe mit Angela Barnett ging der Sohn Duncan Jones hervor, der als Filmregisseur erfolgreich ist. Bowie feierte selbst einige Erfolge beim Film („Der Mann, der vom Himmel fiel“, „Merry Christmas, Mr Lawrence“) und am Theater - das waren für ihn aber nur Nebenjobs. Bereits wenige Stunden nach der Todesnachricht kündigte die Carnegie Hall laut „New York Times“ ein Gedenkkonzert zu Ehren Bowies an. Das Konzert am 31. März werden Kollegen wie The Roots, Cyndi Lauper, die Mountain Goats und Perry Farrell bestreiten.

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