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Anschlag im Zentrum Istanbuls

Bei dem Selbstmordanschlag in Istanbul sind mindestens acht Deutsche getötet worden. Das sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstagabend in Berlin. Neun weitere Deutsche seien zum Teil schwer verletzt worden. Diese Zahlen bestätigte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Rede.

In einer Ansprache verurteilte Merkel das Attentat in Istanbul als einen „mörderischen Akt“. „Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, ja, sie sind Feinde aller Menschlichkeit“, sagte sie am Dienstagabend in Berlin. Merkel betonte: „Genau diese Freiheit und unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit unseren internationalen Partnern gegen diese Terroristen vorzugehen, werden sich aber durchsetzen.“ Merkel betonte, dass der Anschlag in Istanbul in einer Reihe stehe mit denen Terrorakten von Paris, Kopenhagen und Tunis. Auch die türkische Bevölkerung habe unter dem Terror zu leiden.

„Krebsgeschwür des Terrorismus“

Die Opferzahlen waren zuvor von Steinmeier in einer seperaten Pressekonferenz bekanntgegeben worden. Ursprünglich war von neun deutschen Todesopfern die Rede gewesen. „Seit vielen Jahren hat uns der Terror nicht mehr so schwer getroffen wie heute in Istanbul“, fügte Steinmeier hinzu. „Dies sind für uns alle schwere Stunden der Trauer, der Wut und des Entsetzens“, sagte Steinmeier vor Journalisten in Berlin.

Der Bundesregierung sei klar gewesen: „Das Krebsgeschwür des Terrorismus verschont niemanden und bedroht uns alle gleichermaßen.“ Er machte klar, dass Berlin seine Politik nicht ändern werde: „Wir dürfen und wir werden uns von Mord und Gewalt nicht einschüchtern lassen, wir werden weiter mit unseren Partnern in der Welt dem Terror auf allen Ebenen entgegentreten.“

Er sicherte den Angehörigen der Opfer und Verletzten zu, dass der Krisenstab und die Mitarbeiter in der Türkei „mit Hochdruck“ alles für die Betroffenen tun würden. Alle Türkei-Reisenden rief er auf, die Reise- und Sicherheitswarnungen des Auswärtigen Amtes genau zu verfolgen. Das Amt warnt seit Dienstag dringend, größere Menschenansammlungen in Istanbul zu meiden.

Deutsche Reisegruppe als Anschlagsziel vermutet

Bei dem Anschlag in dem bei Touristen beliebten Altstadtviertel Sultanahmet in der Millionenmetropole Istanbul starben laut türkischen Angaben mindestens zehn Menschen, mindestens 15 wurden verletzt. Über die Identität des zehnten Opfers war vorerst nichts bekannt. Die in Istanbul getöteten Deutschen sind mit einem Berliner Reiseveranstalter unterwegs gewesen. Nach aktuellem Kenntnisstand seien unter den toten Deutschen „mehrere Personen einer Reisegruppe der Lebenslust Touristik GmbH Berlin“, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Zudem müsse von einer „größeren Anzahl verletzter Reisender ausgegangen werden“. Insgesamt war demnach eine 33 Reisende umfassende Gruppe zum Zeitpunkt des Anschlags in Istanbul. Wie die türkische Zeitung „Cumhuriyet“ bereits zuvor unter Berufung auf einen Reporter am Anschlagsort berichtet hatte, hat sich der Selbstmordattentäter in einer deutschen Touristengruppe in die Luft gesprengt.

Karte zeigt Explosionsort in Istanbul

Grafik: APA/Omniscale/OSM/ORF.at

Das peruanische Außenministerium gab am Abend bekannt, dass ein Peruaner getötet und eine Peruanerin verletzt worden sei. Zuvor hatte die Zeitung „Hürriyet“ von zwei Verletzten aus Peru berichtet. Das südkoreanische Außenministerium bestätigte die Verletzung eines seiner Staatsbürger. Das norwegische Außenministerium erklärte, dass ein Norweger im Krankenhaus behandelt werde. Ob auch Österreicher unter den Opfern waren, ist derzeit laut Außenministerium unklar. In Sultanahmet liegen unter anderem die weltberühmte Hagia Sophia und die Blaue Moschee, die zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Türkei gehören.

Davutoglu: Attentäter IS-Mitglied

Offiziellen Angaben zufolge wurde der Attentäter bereits als ein 1988 geborener Syrer identifiziert. Zwar bekannte sich zunächst niemand zu der Tat. Doch laut Ministerpräsident Davutoglu gehörte der Mann der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an. Davutoglus Stellvertreter Numan Kurtulmus sagte, der Attentäter sei erst vor Kurzem von Syrien in die Türkei eingereist. Sein Name finde sich nicht auf der Beobachtungsliste verdächtiger Kämpfer. Davutoglu hatte gleich nach dem Anschlag ein Sicherheitstreffen einberufen. Zudem hatten die Behörden eine Nachrichtensperre vom Anschlagsort verhängt.

Rettungsautos am Anschlagsort

APA/IHA via AP

Die Polizei sperrte den Ort der Detonation weiträumig ab

Auf Fernsehbildern war dennoch zu sehen, wie zahlreiche Rettungs- und Polizeiwagen in das Viertel eilten. Polizisten hatten den Platz der Detonation weitläufig abgesperrt. „Wir ergreifen Maßnahmen gegen eine zweite Explosion“, sagte ein Polizist am Ort des Geschehens. Eine Reporterin von CNN berichtete, zu der Explosion sei es an dem ägyptischen Obelisken gekommen, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnens steht. Die Explosion war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören.

„Menschenverachtendes Gesicht“ des Terrorismus

Merkel zeigte sich erschüttert. „Heute traf es Istanbul, es traf Paris, es traf Tunesien, es traf auch schon Ankara“, sagte sie in Berlin mit Blick auf vorherige verheerende Anschläge, die alle mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Verbindung gebracht werden. „Der internationale Terrorismus zeigt sich heute wieder einmal mit seinem grausamen und menschenverachtenden Gesicht“, was die Notwendigkeit belege, „entschlossen gegen Terrorismus vorzugehen und letztlich diese Grausamkeiten zu überwinden.“

„Es ist entsetzlich, was heute in Istanbul geschehen ist“, sagte der deutsche Präsident Joachim Gauck. Wieder seien „bei einem hinterhältigen terroristischen Anschlag“ unschuldige Menschen ermordet worden, darunter viele Deutsche. Er werde noch heute mit dem türkischen Präsidenten telefonieren.

Angriffe international verurteilt

EU-Ratspräsident Donald Tusk verurteilte über den Kurznachrichtendienst Twitter den „brutalen Terrorangriff“ in Istanbul. Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von einer Terrorattacke. Die Bürgermeisterin des vom Terror gezeichneten Paris, Anne Hidalgo, sprach den Angehörigen der Opfer in Istanbul auf Twitter ihr Mitgefühl aus. Zudem übermittelte sie ihrem Amtskollegen in Istanbul, Kadir Topbas, und den Einwohnern der Stadt ihre Solidarität.

Das saudi-arabische Außenministeriumerklärte am Dienstag, es stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite der Türkei und auch des Iraks, wo am Montag bei zwei Bombenanschlägen mehr als 30 Menschen getötet worden waren. Beleidsbekundungen kamen auch aus Kairo und Teheran.

In der Türkei wurden in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge verübt. Im Oktober wurden bei einem doppelten Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Ankara 103 Menschen getötet. Der bisher blutigste Anschlag auf türkischem Boden wurde dem IS zugeschrieben.

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