Polen gerät nach Herabstufung ins Fadenkreuz der Märkte

Nach der heftigen Kritik aus der EU muss sich Polens neue nationalkonservative Regierung nun auch auf Gegenwind an den Finanzmärkten einstellen. Wegen der Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) erwartet Finanzminister Pawel Szalamacha weitere Kursverluste der Landeswährung Zloty zu Wochenbeginn.

Tiefster Stand seit vier Jahren

Sie war bereits am Freitag nach Bekanntgabe der S&P-Entscheidung im Vergleich zum Euro auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Kursschwankungen am Montag und Dienstag seien möglich, sagte Szalamacha der Nachrichtenagentur Reuters. Aber dann dürften sich die Märkte wieder auf die positiven Daten der polnischen Wirtschaft besinnen, prognostizierte der Minister und betonte: „Es ist zu früh, um über eine mögliche Intervention zur Verteidigung des Zloty auch nur nachzudenken.“

S&P hatte am Freitag überraschend eine Senkung der Bonitätsnote auf „BBB+“ von zuvor „A-“ mitgeteilt. Begründet wurde das mit der umstrittenen Reformen zum Verfassungsgericht und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die aus Sicht der S&P-Experten wichtige Institutionen des EU-Landes schwächen. Die EU-Kommission leitete in dieser Woche ein Verfahren ein, um die Rechtsstaatlichkeit in Polen zu überprüfen.

Polnischer Finanzminister sieht „Irrtum“

Finanzminister Szalamacha sprach nach der Herabstufung von einem „Irrtum“. Die Agentur habe sich „einfach geirrt“ und werde in einiger Zeit „diese falsche Entscheidung revidieren“, sagte der polnische Finanzminister heute im Fernsehsender TVN24.

Szalamacha hält die Herabstufung der Kreditwürdigkeit seines Landes für „unverständlich“. In einer vom Warschauer Finanzministerium veröffentlichten Stellungnahme nannte er die Entscheidung der Ratingagentur enttäuschend und im „Widerspruch zu anderen Agenturen“. Der Zustand der polnischen Wirtschaft sei gut, die Entscheidung politisch motiviert.