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Riad, Katar, Dubai, Kuwait im roten Bereich

Weil sich der weltweite Ölpreisverfall durch das Atomabkommen mit dem Iran noch verstärken dürfte, sind die Börsen am Golf am Sonntag eingebrochen. Viele internationale Börsen hatten bereits zuletzt im Minus geschlossen, beim Auftakt der Handelswoche auf der arabischen Halbinsel ging es dann am Sonntag steil bergab.

Die saudi-arabische Börse in Riad verlor 5,44 Prozent, zwischenzeitlich lag das Minus gar bei sieben Prozent. Die Papiere aus der Ölindustrie gaben um 5,13 Prozent nach. Im Emirat Katar, dem zweitgrößten Handelsplatz am Golf, drehten die Kurse bis zum Mittag mit 5,6 Prozent in den roten Bereich. In Dubai landeten die Kurse auf ihrem niedrigsten Stand seit drei Jahren. In Kuwait rutschte der Index unter die 5.000-Punkte-Marke auf ein Zwölfjahrestief.

Angst vor noch mehr Überangebot

Die Golfmonarchien erzielen aus dem Ölverkauf rund 80 Prozent ihrer Einnahmen. Nachdem Öl in den vergangenen zwei Jahren schon um 65 Prozent billiger geworden war, gab der Preis seit Anfang des Jahres um weitere 20 Prozent auf unter 30 Dollar pro Barrel nach. Die am Samstag verkündete Umsetzung des Iran-Abkommens ermöglicht Teheran die Rückkehr auf den internationalen Ölmarkt - damit kommt noch mehr Öl auf den Weltmarkt.

Die Aussicht auf das zusätzliche Öl aus dem Iran hatte die Preise bereits Ende vergangener Woche massiv gedrückt. Am Freitagabend notierte die richtungweisende Nordsee-Sorte Brent mehr als sechs Prozent tiefer mit 28,82 Dollar und lag damit so niedrig wie zuletzt im Februar 2004. Das Fass (159 Liter) der US-Sorte WTI kostete mit unter 30 Dollar so wenig wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Mitte 2014 mussten noch mehr als 100 Dollar gezahlt werden.

„Sollte Markt nicht überraschen“

„Der Iran-Deal sollte den Markt nicht überraschen, da er bereits seit langer Zeit erwartet worden war“, sagte Experte Amrita Sen von der Beratungsgesellschaft Energy Aspects. Die Aufhebung der Sanktionen gegen die Islamische Republik sei bereits in den Ölpreisen enthalten. Allerdings hält Sen ein weiteres Absinken der Kurse mit Öffnung der Märkte am Montag für möglich, da derzeit viele Investoren äußerst skeptisch gegenüber der Entwicklung des wichtigen Rohstoffes eingestellt seien.

Der Ölmarkt steht seit Monaten im Zeichen eines weltweiten Überangebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage. Anders als in früheren Jahren haben die OPEC-Staaten bisher nicht mit Förderkürzungen reagiert, um den Preis zu stützen. Im Gegenteil: Sie produzieren mehr Öl, um so ihre Marktanteile zu verteidigen. Als Hauptgrund für das Überangebot gilt der Schieferölboom in den USA.

„Falscher Zeitpunkt für Rückkehr des Iran“

Am Wochenende kündigte das iranische Ölministerium an, mit Aufhebung der Exportschranken die Produktion um 500.000 Barrel pro Tag anzuheben. „Der Iran besitzt nun die Freiheit, so viel Öl zu verkaufen, wie sie wollen, an wen sie wollen, zu welchem Preis sie wollen“, sagte Energieexperte Richard Nephew von der Universität von Columbia. Für die Experten vom Handelshaus Phillip Futures erfolgt „die Rückkehr des Iran an den Ölmarkt zum falschen Zeitpunkt sowohl für den Markt als auch für den Iran“.

Andere Experten halten eine kurzfristige Erholung des Ölpreises für möglich, da die Unsicherheit über die Aufhebung der Sanktionen nun aus dem Markt sei. „Ich glaube, wir sehen einen steilen Anstieg beim Öl - um zwei, drei, vier Dollar“, sagte Phillip Streible, Marktanalyst bei RJO Futures in Chicago. Auf längere Sicht bleiben viele Börsianer jedoch skeptisch. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte jüngst für 2016 einen Rückgang des WTI-Preises auf 20 Dollar je Barrel prognostiziert.

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