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Vermögen der Ärmeren zurückgegangen

Die 62 reichsten Menschen der Welt, 53 davon Männer, besitzen inzwischen „genau so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung“. Vor einem Jahr habe dieses noch dem Vermögen der 80 Reichsten entsprochen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Hilfsorganisation Oxfam. Die Geschwindigkeit, mit der die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, ist demnach noch größer als erwartet.

Denn noch Anfang vergangenen Jahres hatte Oxfam prognostiziert, dass 2016 das reichste Prozent der Weltbevölkerung, rund 70 Millionen Menschen, mehr als die restlichen 99 Prozent, sieben Milliarden Menschen, gemeinsam besitzen. Das sei aber bereits 2015 erreicht worden.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte bereits Ende vergangenen Jahres beklagt, dass auch in entwickelten Ländern die Schere zwischen Arm und Reich so weit wie noch nie auseinanderklaffe. Diese wirtschaftliche Ungleichheit sah OECD-Generalsekretär Angel Gurria auch als eine Ursache von Terrorismus.

44 Prozent mehr Vermögen für Reiche

Die Oxfam-Studie bestätigte diese Entwicklung nun. Das Vermögen der 62 Reichsten sei innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 44 Prozent auf 1,76 Billionen Dollar (rund 1,61 Billionen Euro) gewachsen. Im gleichen Zeitraum sank das Gesamtvermögen der ärmeren Hälfte der weltweiten Bevölkerung um 41 Prozent um rund eine Billion Dollar - obwohl die Weltbevölkerung um 400 Millionen Menschen gewachsen sei, so der Oxfam-Bericht.

Oxfam warnte, dass die wachsende soziale Ungleichheit die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung zunichtemachen würde. „Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind“, sagte Tobias Hauschild von Oxfam Deutschland. „Nötig ist ein Wirtschafts- und Finanzsystem, vom dem alle profitieren.“ Konzerne dürften sich nicht länger aus ihrer Verantwortung stehlen. Sie müssten ihre Gewinne dort versteuern, wo sie sie erwirtschaften. Die Politik müsse die Steueroasen trockenlegen.

Kampf gegen Steueroasen

Investitionen von Unternehmen in Steuerparadiesen hätten sich zwischen 2000 und 2014 vervierfacht, so die Studie. Neun von zehn weltweit führenden Großunternehmen seien zumindest in einer Steueroase präsent. Dadurch verlören Entwicklungsländer jährlich mindestens 100 Mrd. Dollar an Steuereinnahmen. Konzerne „müssen ihre Gewinne dort versteuern, wo sie sie erwirtschaften“, forderte der Oxfam-Experte. Große Vermögen, Kapitalgewinne und hohe Einkommen müssten deutlich stärker besteuert werden. Zudem müssten Staaten einen „ruinösen Wettlauf um die niedrigsten Steuersätze" beenden und sämtliche Steueranreize transparent machen“.

Blick auf Monaco

Reuters/Eric Gaillard

Monaco wurde immer wieder als Steueroase bezeichnet

Oxfam möchte mit dem jährlich vorgelegten Bericht auf den Status der sozialen Ungleichheit vor der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) aufmerksam machen. Das Treffen mit rund 2.500 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft startet am Dienstag im schweizerischen Davos.

Größere Kluft auch in Österreich

Wie aus dem bereits im Herbst vergangenen Jahres präsentierten Allianz Global Wealth Report hervorgeht, ist die Vermögensverteilung auch in Österreich ungleicher geworden. Im Vergleich mit über 50 Ländern ist die Ungleichheit hierzulande relativ hoch. Gemessen wird die Vermögensverteilung innerhalb eines Landes mit dem Gini-Koeffizienten - je höher dieser ausfällt, desto ungleicher ist das Vermögen verteilt. Der Wert für Österreich liegt aktuell bei 73,6 und hat sich seit dem Jahr 2000 um zwei Punkte verschlechtert.

Der Durchschnitt der entwickelten Länder weist 64,6 aus. Neben den USA haben in dieser Gruppe nur noch Schweden und Großbritannien einen höheren Wert als Österreich. Deutschland (73,3) liegt in etwa gleichauf mit Österreich. Europaweit am gleichmäßigsten sind die Vermögen in Irland verteilt, dort liegt der Gini-Koeffizient bei 53,5. In den USA hat die ungleiche Vermögensverteilung in der Gesellschaft dem Bericht zufolge in den Jahren der Krise am stärksten zugenommen.

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