Themenüberblick

Mehr Anfragen im vergangenen Jahr

Das Problem ist nicht neu, wird aber immer sichtbarer: Es fehlen Ärzte. Betroffen sind vor allem ländliche Regionen, aber auch in Städten wird in bestimmten Bereichen händeringend nach Medizinern gesucht. Nach Zahlen der Ärztekammer fehlen in Österreichs Spitälern insgesamt 300 Ärzte. Immer öfter kommen nun auch hierzulande Leihärzte ins Spiel.

Gestiegen ist der Druck nicht zuletzt aufgrund der mit der neuen Ärztearbeitszeit einhergehenden knapperen Personaldecke. Diese Entwicklung ruft zusehends die in Deutschland seit einigen Jahren aus dem Boden sprießenden Vermittlungsagenturen für Mediziner auf den Plan. Die ersten Anfragen aus Österreich habe es bereits vor sechs Jahren gegeben, sagt etwa Michael Weber, Anästhesist und Geschäftsführer der deutschen Agentur „Hire a Doctor“: „In den letzten zwölf Monaten ist es aber mehr geworden - bis zu zehn Anfragen pro Monat.“ Diese Vermittlungsagenturen schöpfen ihr Arbeitskräftereservoir aus pensionierten Ärzten, Teilzeitkräften und Ärzten, die hauptberuflich von einem temporären Einsatz zum nächsten wechseln.

Im Vergleich zum deutschen Markt sei die Nachfrage in Österreich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. Derzeit sind vor allem deutsche Vermittler auf dem Markt, Weber rechnet aber damit, dass die Österreicher hier bald nachziehen werden. Auch wenn jetzt die wenigsten Krankenhäuser gerne offen darüber sprächen: „Es wird ein fester Bestandteil der medizinischen Versorgung sein“, ist Weber überzeugt. Nachgefragt würden schon derzeit vor allem Anästhesisten und Internisten. Bei chirurgischen Fächern seien die Krankenhäuser etwas zurückhaltender.

„Massiver Kampf“ um Ärzte

Häufiger gebraucht werden Ärzte auf Zeit in ländlichen Bereichen. Nach Angaben der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) liege die Zahl der geliehenen Ärzte in der Steiermark im einstelligen Bereich. Vereinzelt seien pensionierte Ärzte oder Mediziner von Vermittlungsagenturen zur Überbrückung von Personalengpässen besonders in peripher gelegenen Spitälern abseits der Zentren herangezogen worden, sagte KAGes-Personalmanagerin Christina Grünauer-Leisenberger.

In Wien gibt man sich ebenfalls zurückhaltend. In der Psychiatrie habe man aber zumindest Ende vergangenen Jahres auf externe Honorarärzte zur Überbrückung setzen müssen, wird vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) gegenüber ORF.at bestätigt. Die „Presse“ hatte im Dezember vergangenen Jahres berichtet, dass Psychiater aus dem niedergelassenen Bereich und aus dem Psychosozialen Dienst (PSD) die ausgedünnten Teams verstärken - laut Bericht für bis zu 1.700 Euro brutto pro Nachtdienst. Besonders betroffen seien zwei psychiatrische Abteilungen des Otto-Wagner-Spitals und das Kaiser-Franz-Josef-Spital.

Derzeit herrsche ein „massiver Kampf“ um Ärzte insbesondere bei der Anästhesie und in der Psychiatrie im deutschsprachigen Raum, argumentiert der KAV. Um auf Abwerbungen aus dem Ausland zu reagieren, sei man auch mit dem Angebot bereits nachgezogen und habe mit Anfang des Jahres eine eigene Psychiatriezulage von 14 mal 500 Euro brutto zusätzlich geschaffen. Man müsse auch auf Abwerbungen aus dem Ausland reagieren und den Standort Wien attraktiver machen, argumentiert der KAV. Nicht zuletzt deshalb hofft man nun auf fixe Verstärkung gerade in der Psychiatrie in Wien.

Skepsis bei Stammbelegschaft

Laut Harald Mayer, Bundeskurienobmann der Österreichischen Ärztekammer, würden österreichweit vor allem im Bereich der Anästhesie vermehrt externe Ressourcen zugekauft: „Das funktioniert mehr schlecht als recht. Die Stammbelegschaft ist verärgert. Die Troubleshooter kommen für ein paar Tage, sind nicht im Team integriert und verdienen zum Teil mehr Geld“, kritisiert Mayer. Das könne keine langfristige Lösung sein.

Ähnlich sieht das auch der Anästhesist Weber, obwohl sein Geschäft mittlerweile die Vermittlung von Leihärzten ist. Ursprünglich seien diese eigentlich gedacht gewesen, um Urlaubszeiten zu überbrücken. „Wenn aber Löcher über längere Zeit gestopft werden müssen, entsteht Unmut.“ Geliehene Ärzte seien teurer, und nach vier Wochen Einsatz sei das Problem nicht verschwunden. Pro Stunde kosten Fachärzte auf zeitlich begrenzter Honorarbasis zwischen 80 und 100 Euro brutto, inklusive zehn Prozent Vermittlungshonorar, sagt Weber. Der Unterschied zu Fachärzten im fixen Team sei nicht so hoch, durch die Zahlung nach Stunden könne sich das allerdings wie bei fest angestellten Ärzten auch summieren.

Links: