Knapp 600 Festnahmen bei Unruhen in Tunesien

Bei den schwersten Unruhen in Tunesien seit Beginn des „arabischen Frühlings“ vor fünf Jahren haben Sicherheitskräfte 600 Menschen festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, in Vandalismus und Gewalt verwickelt gewesen zu sein, erklärte das Innenministerium gestern. Nach nächtlichen Ausgangssperren habe es am Freitagabend noch einige Zusammenstöße gegeben, am Wochenende sei Ruhe eingekehrt.

Proteste weiteten sich schnell aus

Die teilweise gewaltsamen Proteste gegen die schlechte wirtschaftliche Lage und hohe Arbeitslosigkeit hatten vor einer Woche in Kasserine im Westen des Landes begonnen. Sie dehnten sich in der Nacht zum Freitag auf mehrere Regionen des nordafrikanischen Landes aus, darunter auch auf die Hauptstadt Tunis. Demonstranten griffen nach Behördenangaben in mehreren Städten Polizeistationen an und setzten deren Wagen in Brand.

Lage weitgehend unter Kontrolle

Ministerpräsident Habib Essid sagte nach einem Krisentreffen des Kabinetts, die Sicherheitslage habe sich verbessert. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage mit wenigen Ausnahmen unter Kontrolle. Das Land stehe vor großen Herausforderungen. Seine Regierung arbeite daran, ihnen zu begegnen. Ein Komitee der Regierungsparteien kündigte die Einberufung einer nationalen Konferenz über Beschäftigung an.

Präsident Beji Caid Essebsi hatte zuvor fremde Kräfte für das Chaos verantwortlich gemacht. Einflüsse von außen und böswillige Kräfte würden die Sicherheit und Stabilität des nordafrikanischen Landes gefährden, erklärte der Staatschef. Nähere Erläuterungen dazu machte er nicht. In Tunesien nahm zuletzt jedoch der Einfluss islamistischer Extremisten zu, die 2015 zahlreiche schwere Terroranschläge verübten. Vor allem aus dem Bürgerkriegsland Libyen kommen radikale Kräfte ins Land.