Rouhani auf Europareise: „Neue Ära“

Das Atomabkommen mit dem Iran ist nach Auffassung von Präsident Hassan Rouhani ein „politisches Wunder“ gewesen. Die gleiche Methode müsse nun angewendet werden, um in Nahost und Nordafrika Lösungen für einen dauerhaften Frieden zu finden, sagte Rouhani gestern nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi in Rom.

Durch die Präsenz des Iran auf der internationalen Bühne sei es nun leichter, den Kampf gegen den Terror zu gewinnen, sagte Renzi. Das Atomabkommen sei zudem nur „ein erster Schritt hin zu einer neuen Ära des Friedens und des Wohlstandes, nicht nur im Iran, sondern in der gesamten Region.“ Rouhani könne eine Schlüsselrolle beim Aufbau des Friedens spielen.

Privataudienz beim Papst

„Die Sicherheit in unserer Region erreichen wir nicht durch Militäreinsätze, sondern durch die Politik“, betonte Rouhani, der in der Früh in Italien seine erste Europareise nach der Aufhebung der Sanktionen gegen das Land angetreten hatte.

Der Präsident reist mit mehreren Ministern und einer Wirtschaftsdelegation. Höhepunkt der viertägigen Reise, die den Staatschef auch nach Paris führt, ist eine Privataudienz mit Papst Franziskus im Vatikan. Das Kirchenoberhaupt hatte das Atomabkommen zuvor als „bedeutende internationale Vereinbarung“ gelobt.

Milliardendeals vor Abschluss

Rouhani will seine Reise auch nutzen, um lukrative Verträge mit in die Heimat zu nehmen und Abkommen etwa für den Ausbau der iranischen Infrastruktur zu schließen. „Kurzfristig werde ich in Rom und Paris verschiedene wirtschaftliche Projekte wie Autobau und Modernisierung unserer zivilen Luftfahrt besprechen und vielleicht auch zu konkreten Ergebnissen kommen“, hatte Rouhani vor dem Abflug in Teheran erklärt. Erste Abkommen seien heute bereits geschlossen worden, sagte Renzi, weitere sollen folgen.

Die Zeitung „Corriere della Sera“ berichtete, allein in Italien sollen voraussichtlich Verträge im Umfang von 17 Milliarden Euro unterschrieben werden, unter anderen mit der Ölservicefirma Saipem und der Staatsbahn. Aber auch politisch sei der Besuch sehr wichtig, da trotz des Atomabkommens Kritikpunkte wie die Beziehung zu Israel und die Menschenrechtslage im Iran ungeklärt blieben.