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Prozess gegen Ex-Mitarbeiterin

Mit seiner Yoga-Methode hat Bikram Choudhury ein stattliches Vermögen angehäuft. Nun wurde der Begründer des Bikram-Yoga, das inzwischen weltweit in besonders aufgeheizten Räumen praktiziert wird, zu einer Millionenstrafe verurteilt - wegen Mobbings und sexueller Belästigung.

Ein Gericht in der US-Metropole Los Angeles gab damit der Anwältin Minakshi Jafa-Bodden recht, die für Choudhury gearbeitet hatte. Choudhury muss laut dem am Dienstag gefällten Urteil 6,47 Millionen Dollar (knapp sechs Mio. Euro) Schadenersatz und Schmerzensgeld zahlen. Schon am Montag hatte ihn die Jury in diesem Fall zu knapp einer Million Euro Entschädigungszahlung verurteilt. Insgesamt wurden Jafa-Bodden damit umgerechnet mehr als sieben Millionen Euro zugesprochen. „Das ist ein guter Tag für Frauen“, sagte Jafa-Bodden nach dem Urteilsspruch. Von Choudhurys Anwalt Robert Tafoya gab es bisher keinen Kommentar.

Archivaufnahme von Bikram Choudhury während einer Yoga-Stunde aus dem Jahr 2003

APA/AP/Reed Saxon

Mit der Bikram-Methode begründete Choudhury ein Yoga-Imperium

Den Angaben von Jafa-Bodden zufolge wurde sie von dem Mann hinter dem weltweiten Bikram-Imperium gemobbt, nachdem sie gegen die sexuelle Belästigung von Frauen im Unternehmen Stellung bezogen hatte. Jafa-Bodden leitete von 2011 bis 2013 die Justizabteilung des Unternehmens. In dieser Position sprach sie laut ihrer Aussage mehrere ihr zugetragene Fälle von sexueller Belästigung und sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz an.

Weitere Verfahren laufen

Sie sprach von diskriminierendem, aggressivem Verhalten gegenüber Frauen, Homosexuellen und anderen Minderheiten. Dabei ging sie offenbar auch Vorwürfen nach, dass eine Praktikantin vergewaltigt worden sei. Sie weigerte sich, über eine Untersuchung darüber zu schweigen. Die ehemalige Mitarbeiterin gab an, wegen ihres Einsatzes für die Frauen schikaniert, bedroht und letztlich gekündigt worden zu sein.

„Frau Jafa-Bodden sah sich Vergeltung und Einschüchterung gegenüber, als sie sich weigerte, über beobachtetes illegales Verhalten Stillschweigen zu bewahren“, sagte ihr Anwalt Mark Quigley, wie die BBC berichtete. Jafa-Bodden soll selbst sexuell belästigt worden sein, und Choudhury soll versucht haben, mit ihr in ein Hotelzimmer zu gehen. Andere Verfahren gegen Choudhury laufen schon länger. Sechs weitere Frauen wandten sich vor Gericht gegen ihn. Dabei ging es vor allem um sexuelle Belästigungen, fünf dieser Frauen werfen Choudhury zudem Vergewaltigung vor. Choudhurys Anwälte bezeichneten die Behauptungen als „falsch“.

Bankrott mit 40 Luxusautos?

Der aus Indien stammende 69-jährige Choudhury soll nach seiner Übersiedlung in die USA mit seiner Yoga-Idee immensen Reichtum angehäuft haben. Rund um die 26 Positionen in 90 Minuten baute er ein Imperium auf. Vor Gericht sagte er allerdings, dass er - trotz beispielsweise bis zu 40 Luxusautos in seiner Garage - kurz vor dem persönlichen Bankrott stehe. Auch in der Yoga-Szene ist Choudhury nicht unumstritten. Zum einen wird kritisiert, dass er Yoga zu einem Wettbewerb entwickle, was der Philosophie von Yoga widerspreche. Zum anderen dürfte er es mit der Geschichte und Tradition des Yoga nicht so genau nehmen.

Seine Methode basiert auf 26 Positionen, in einem auf 40,5 Grad aufgeheizten Raum eingenommen. Diese Übungen werden in über 650 Yoga-Studios weltweit nach einem strikten Ablauf in gleicher Form ausgeübt. Die Bikram-Methode fand auch bei Berühmtheiten wie Madonna und Gwyneth Paltrow Anhänger. Erst vergangenen Oktober verlor Choudhury einen Gerichtsprozess, in dem er die Positionen und deren Ablauf urheberrechtlich schützen wollte.

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