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Am Mittwoch hieß es noch „Stenzel“

Die langen Spekulationen, wer für die FPÖ ins Hofburg-Rennen geht, und das Chaos um die Kandidatensuche haben ein Ende. Der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer wurde am Donnerstag offiziell als Kandidat vorgestellt. Er sei der „Wunschkandidat“ gewesen, so Parteichef Heinz-Christian Strache. Es habe dafür auch einstimmige Parteibeschlüsse gegeben.

Die endgültige Entscheidung sei Mittwochmittag gemeinsam mit Ex-ÖVP-Politikerin Ursula Stenzel, Hofer und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl gefallen, sagte Strache. Die Frage sei „offen und breit diskutiert“ und „nach langer, reiflicher Überlegung“ entschieden worden. Es sei wichtig wegen der „staatspolitischen Verantwortung“ der FPÖ, einen „eigenen ernstzunehmenden Kandidaten“ aufzustellen, um das Amt des Bundespräsidenten nicht dem „rot-schwarzen Proporzsystem“ zu überlassen.

Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer

APA/Hans Klaus Techt

Strache präsentierte den Hofburg-Kandidaten Hofer bei einer Pressekonferenz

Die Entscheidung fiel nun auf Hofer. Enthüllt wurde das Wahlplakat ausgerechnet von Stenzel, die noch am Mittwoch als Fixstarterin gegolten hatte. „Ich freue mich, dass du ja gesagt hast“, sagte Stenzel zu Hofer bei der Pressekonferenz. Am Donnerstag betonte sie: „Ich habe nie gesagt, dass ich dieses Amt anstrebe. Aber es ehrt mich, dass ich ins Spiel gebracht wurde.“

Chaotische Kandidatensuche

Schon am Dienstagabend hatten mehrere Medien die Kandidatur Stenzels als fix berichtet. Offiziell wollte weder die FPÖ noch Stenzel dazu Stellung nehmen, doch Mittwochvormittag hatte es weitere Hinweise auf Stenzel gegeben, die derzeit für die FPÖ im Wiener Gemeinderat sitzt, als Kandidatin. Berichten zufolge wollte die Partei auf eine Entscheidung im Parteivorstand verzichten und die Kür im schnellen Umlaufbeschluss vornehmen.

Präsentation des FPÖ-Kandidaten

Die Pressekonferenz zur Vorstellung Hofers mit Stenzel, Strache und Kickl in voller Länge zum Nachsehen.

Wenige Stunden später sah die Sache wieder völlig anders aus. Am späten Mittwochnachmittag hieß es in FPÖ-Kreisen, dass Hofer doch noch im Rennen sei. Auch dazu gab es keine Bestätigung, aber auch kein Dementi: „Wenn ich diese Frage beantworten würde, würde ich etwas vorwegnehmen“, so Hofer. Strache betonte, dass er bereits Ende vergangenen Jahres parteiintern kommuniziert habe, dass Hofer sein Wunschkandidat sei: „Wenn er ja sagt, wird er es.“ Dann seien weitere „exzellente Kandidaten“ gesucht worden, so Strache. Stenzel kam ins Spiel. Strache: „Beide Kandidaten haben in den Parteigremien die Zustimmung bekommen.“ Aber es habe eine „klare Reihung“ gegeben - „zuerst Hofer zu fragen und dann Stenzel“. Die endgültige Festlegung sei am Mittwoch gefallen.

„Erfrischender“ Hofer

Hofer hatte sich eigentlich Ende vergangenen Jahres selbst aus dem Rennen genommen, weil er sich mit 44 Jahren zu jung fühle. Zudem hat Hofer offenbar nach wie vor mit den Folgen eines schweren Paragleitunfalls im Jahr 2003 zu kämpfen, bei dem er sich eine schwere Rückenverletzung zuzog. Aus „Rücksicht auf seine Physis nach seinem schweren Unfall“ habe Hofer zudem gezögert, die Kandidatur anzunehmen, sagte Stenzel bei der Pressekonferenz.

Nun wurde Hofer offenbar doch dazu gebracht zu kandidieren: „Wenn Kickl, Stenzel und Strache versuchen, einen zu überzeugen, werden sie Erfolg haben. Die Entscheidung war nicht einfach“, sagte Hofer über das entscheidende Gespräch vom Vortag. „Ich habe das nicht angestrebt.“ Er trete nicht wegen, sondern trotz seines Unfalls an: „Es muss sich aber niemand Sorgen um mich machen.“

Kein Fairnessabkommen

Man dürfe jedenfalls nicht vergessen, dass es wirklich Chancen gebe, in die Stichwahl zu kommen: „Das ist unser Ziel. Denn dann haben wir wahrscheinlich gute Chancen zu gewinnen.“ Strache zeigte sich überzeugt von seinem „Wunschkandidaten“. Er werde der jüngste Präsidentschaftskandidat Österreichs sein - mit „viel Erfahrung“, so Strache: „Nein, er ist nicht zu jung. Er ist erfrischend.“ Tatsächlich wird Hofer der drittjüngste Kandidat sein. Gertraud Knoll war bei ihrem Hofburg-Antritt 1998 39 Jahre alt, Heide Schmidt war als FPÖ-Kandidatin 1992 43 Jahre alt.

Im Wahlkampf ist jedenfalls kein Kuschelkurs vonseiten des FPÖ-Kandidaten zu erwarten: „Ich mache sicher kein Fairnessabkommen mit anderen Kandidaten, sondern mit der Bevölkerung“, so Hofer. Auch von einem Verzicht auf Wahlplakate, der vom ÖVP-Kandidaten Andreas Khol vorgeschlagen wurde, hält Hofer wenig. Deutlich machte Hofer zudem, dass er ein freiheitlicher Kandidat sein wolle und kein überparteilicher. Er habe Respekt vor dem politischen Mitbewerber, aber „ich bin in der Sache sehr, sehr hart“.

Parteiinterne Kritik an Stenzel

Der „Kurier“ sprach bereits von einem „Hofburg-Chaos“ der FPÖ. Stenzel galt als Favoritin von Parteichef Strache. Dem Bericht zufolge dürfte die Protestwelle in Sozialen Netzwerken zu einem Umdenken der Partei geführt haben. Denn als Strache am Mittwoch die Präsentation der Kandidaten auf Facebook angekündigt hatte, waren die Reaktionen in Bezug auf Stenzel als mögliche Kandidatin zu einem Großteil negativ, etwa: „Wir sind dabei, aber wenn es Frau Stenzel wird, werden viele weg sein.“

Auch parteiintern dürfte die ehemalige ÖVP-Politikerin auf Widerstand gestoßen sein. Die frühere Bezirksvorsteherin im ersten Wiener Gemeindebezirk wechselte erst vor fünf Monaten von der ÖVP zur FPÖ. In den Bundesländern hatten sich zuvor einige FPÖ-Politiker schon weit herausgelehnt: Oberösterreichs FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner etwa meinte, er könne sich die Wienerin Stenzel als Kandidatin vorstellen. Auch der burgenländische FPÖ-Landesparteiobmann Johann Tschürtz nannte Stenzel eine „ideale Kandidatin“.

Mehrere „exzellente Persönlichkeiten“

Im Gespräch waren mehrere Kandidaten, die für die FPÖ ins Rennen gehen könnten. Strache zählte die „exzellenten Persönlichkeiten“, die für eine Kandidatur infrage gekommen wären, auch bei der Pressekonferenz auf. Diskutiert worden sei etwa über die ehemaligen und amtierenden Rechnungshof-Präsidenten Franz Fiedler und Josef Moser, den ehemaligen Justizminister Dieter Böhmdorfer, Volksanwalt Peter Fichtenbauer, Stenzel und die FPÖ-Abgeordneten Johannes Hübner, Walter Rosenkranz und Harald Stefan.

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