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Keine großen Ausschreitungen

Tausende Menschen haben in Begleitung eines großen Polizeiaufgebots gegen den rechten Akademikerball in der Wiener Hofburg demonstriert. Laut der Exekutive gingen rund 5.000, laut den Veranstaltern mindestens 8.000 Menschen gegen den von der FPÖ organisierten, ehemaligen WKR-Ball auf die Straße.

Wie die Polizei am Samstag auf Anfrage der APA bekanntgab, wurden bei den Aktionen der Ballgegner neun Personen vorläufig festgenommen. Sechs Festnahmen davon erfolgten nach der Strafprozessordnung - etwa wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt oder aufgrund schwerer Sachbeschädigung; drei nach Verwaltungsübertretungen beispielsweise wegen Lärmerregung oder aggressiven Verhaltens gegen Beamte.

Alle Festgenommenen wurden nach der Einvernahme auf freiem Fuß angezeigt. Bei den Protesten wurden 14 Polizisten leicht verletzt, hieß es weiters. Auch sei es zu zwei Sachbeschädigungen gekommen - Details dazu waren nicht bekannt.

Kritik an Absperrung

Am früheren Abend hatte es bereits andernorts Identitätsfeststellungen gegeben. Einige Polizisten wurden mit Eiern und Bierdosen beworfen. Lediglich in der Wipplingerstraße wurden „pyrotechnische Sätze“ abgefeuert. Unter besonderer Beobachtung der Exekutive stand laut Polizei eine Gruppe von vermummten Demoteilnehmern. Am Rande der Demonstration wurden auch vereinzelt Sitzblockaden abgehalten, die aber schnell wieder aufgelöst wurden.

Akademikerball: Bericht aus der Wiener Innenstadt

Die FPÖ hat wieder zum Akademikerball in die Wiener Hofburg geladen. Ausschreitungen wie vor zwei Jahren konnten verhindert werden. Alles verlief ruhig. ORF-Reporter Peter Stacher berichtete aus Wien.

Zu Kritik unter den Demonstranten führte eine von der Polizei mittels Tretgitter errichtete, rund vier Meter breite Engstelle im Bereich des Stadtparks. Eine derartige Maßnahme verzögere die Demonstration und mache es für die Teilnehmer unangenehm, sagte eine Vertreterin der „Offensive“ gegenüber der APA. Die Demonstranten wurden dort von der Polizei mittels Kameras gefilmt, was für Kritik sorgte. Seitens der Exekutive begründete man die Einrichtung der Engstelle mit der „verkehrstechnischen Situation“. Die Beamten hatten die Demonstration mit 29 Kamerateams gefilmt. „Die Videos behalten wir 48 Stunden. Jetzt machen wir uns an die Arbeit, diese durchzusehen“, sagte Golob in der ZIB24.

Einkreisung von rund 100 Personen

Für Aufregung sorgte am späten Abend die Bildung des polizeilichen „Kessels“ vor dem Cafe Central in der Herrengasse. Laut Exekutive wurden zuvor in der Nähe Polizisten von zwei Personen attackiert. Die Verdächtigen flohen dann zu einer angemeldeten Kundgebung des Verbandes Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) in der Herrengasse.

Polizisten am Heldenplatz

ORF.at/Roland Winkler

Einsatzkräfte auf dem Heldenplatz

Aufgrund dessen kam es dann zur Einkreisung der dort anwesenden Personen durch die Polizei, gut 100 Kundgebungsteilnehmer wurden etwa eine Stunde festgehalten. Später wurde der Kessel wieder aufgelöst. Zwei Personen wurden wegen des Verdachts des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und der Körperverletzung angezeigt.

Von Universität bis MuseumsQuartier

Bereits am späten Nachmittag hatten sich die Demonstranten bei der Universität beim Schottentor gesammelt. Kurz nach 18.00 Uhr startete der Protestzug dann seine Route durch die Innenstadt. Gegen 20.30 Uhr erreichte der Zug sein Ziel beim MuseumsQuartier bei der Mariahilfer Straße und wurde offiziell beendet. Danach zogen Demonstranten noch weiter durch die Innenstadt. Weitere Veranstaltungen gab es auf dem Heldenplatz, wo eine Protestkundgebung der Plattform „Jetzt Zeichen setzen!“ mit Reden und Musikbeiträgen stattfand.

Proteste im Zeichen der Flüchtlingskrise

Vor dem Marsch stimmten sich die Protestierenden mit Reden und Slogans ein. Dass die Demonstration heuer auch im Zeichen der Flüchtlingskrise stand, war an Transparenten abzulesen. Auf den Plakaten der „Offensive“ hieß es unter anderem: „Geflüchtete willkommen! FPÖ vertreiben. Flüchtlinge bleiben“.

Auch mit Sprechchören machten die Demonstranten auf ihre Anliegen aufmerksam: „Say it loud and say it clear, refugees are welcome here“, schallte es vor der Universität auf der Ringstraße. In ihren Anfangsreden hatten die Demonstranten ein Ende des Akademikerballs in der Wiener Hofburg gefordert. „Burschenschafter raus aus der Hofburg“, lautete ein Slogan.

Demos gegen rechten Akademikerball

ORF.at/Roland Winkler

Wie angekündigt, war ein großes Polizeiaufgebot an Ort und Stelle

Die Polizei hatte sich indes vor Beginn der Demonstration über ein Megafon zu Wort gemeldet und mitgeteilt, dass gemäß Sicherheitspolizeigesetz Ton- und Videoaufnahmen angefertigt würden und Demonstranten ihr Gesicht nicht verbergen oder verhüllten dürften. Über der Innenstadt kreiste wie auch schon in den Jahren davor ein Polizeihubschrauber.

Strache: „Kein Verständnis“

Zu den Gästen in der Hofburg zählten unter anderen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und der freiheitliche Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer. Auch Tatjana Festerling, Aktivistin der deutschen islamfeindlichen PEGIDA-Bewegung, war zu Gast. Der Ball firmierte unter dem Motto „Südtirol, eine Herzensangelegenheit“.

Strache hatte bei seinem Eintreffen bei der Hofburg gegenüber dem Privatfernsehsender Puls4 erklärt, er habe kein Verständnis für die Demonstranten: „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn rot-grüne Organisationen gegen politisch Andersdenkende, in dem Fall die Freiheitliche Partei, so vorgehen und eine Tanzveranstaltung versuchen zu verhindern - und das dann teilweise zu Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten geführt hat (...) wie vor zwei Jahren, dann hab’ ich kein Verständnis.“ Jeder Veranstalter habe das Recht, einen Ball zu organisieren, „so auch wir“, so Strache.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache

APA/Michael Thaler

FPÖ-Chef Strache bei seiner Ankunft vor der Hofburg

Abfalleimer angekettet

Wegen der angekündigten Gegendemonstrationen hatte die Polizei auch heuer rund um die Hofburg ein großräumiges Platzverbot erlassen. Die Sperrzone reichte anfangs vom Ende des Stadtparks bis zum Heldenplatz. Im innerstädtischen Bereich wurden Abfalleimer an Straßenlaternen angekettet, um Vandalismus vorzubeugen. Die Polizei hatte an ihren Autos vorsorglich die Nummerntafeln demontiert, um Diebstahl zu vermeiden.

Karte zur Sperrzone beim Akademikerball

Grafik: Omniscale/OSM/ORF.at; Quelle: Polizei

Die Sperrzone am Ring beginnt heuer schon bei der Johannesgasse

Der rechte Akademikerball ist der Nachfolger des von deutschnationalen Burschenschaften getragenen Balls des Wiener Korporationsrings („WKR-Ball“) und wird seit 2013 von der FPÖ unter dem neuen Namen veranstaltet. Die Polizei erwartete heuer mehr als 1.000 Gäste.

Ruhige Proteste im vergangenen Jahr

In den vergangenen Jahren zählte die Polizei bis zu 3.000 Gegendemonstranten, die Veranstalter sprachen von bis zu 9.000. Nachdem die Ausschreitungen vor zwei Jahren ihren Höhepunkt erreicht hatten, verliefen die Proteste letztes Jahr bis auf eine kurzzeitige Eskalation zwischen vermummten Demonstranten und Polizisten weitgehend ruhig. Laut Polizeiangaben wurden sechs Beamte und vier Demonstranten leicht verletzt. Auch die Sachschäden hielten sich in Grenzen: Bekannt wurden einige zerstochene Autoreifen sowie zerstörte Mistkübel und Blumentöpfe.

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