Themenüberblick

WHO beruft Dringlichkeitssitzung ein

Einen Vergleich zum Umgang der Weltgesundheitsbehörde (WHO) mit dem Aufkommen von Ebola haben zwei US-Forscher anlässlich des Ausbruchs des Zika-Virus gezogen. In der Fachzeitschrift „Journal of the American Medical Association” forderten die beiden Wissenschaftler Daniel R. Lucey und Lawrence O. Gostin die WHO auf, aus den damals begangenen Fehlern zu lernen und dringend zu handeln.

Das zögerliche Verhalten der WHO habe im Falle von Ebola Tausende Leben gekostet, so die Forscher. Das Zika-Virus wiederum verfüge über „explosives pandemisches Potenzial“ - Grund genug, ein Notfallkomitee mit Experten zusammentreten zu lassen. Allein das Einberufen eines solchen Ausschusses an sich würde internationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Finanzierung und Forschung beschleunigen.

Dringlichkeitssitzung einberufen

Auch US-Präsident Barack Obama rief bei einem Treffen mit Gesundheitsexperten zu größeren Anstrengungen bei der Erforschung des Zika-Virus auf. Man brauche eine verbesserte Diagnostik, zudem müssten Impfstoffe und Heilungsansätze entwickelt werden, sagte Obama nach dem Treffen am Dienstag laut Angaben des Weißen Hauses. Alle Amerikaner müssten sich über das Virus und über Möglichkeiten informieren können und wissen, wie sie sich vor einer Infektion schützen könnten.

Ein Arzt in Brasilien blickt auf einen Gehirnscan eines Kindes am Monitor

APA/AFP/Christophe Simoni

In Brasilien werden Neugeborene auf Fehlbildungen durch Zika untersucht

Die WHO reagierte nun und berief eine Dringlichkeitssitzung ein. Die Epidemie verbreite sich „explosionsartig“ auf dem amerikanischen Kontinent, sagte WHO-Chefin Margaret Chan am Donnerstag in Genf. Daher sei für Montag eine Dringlichkeitssitzung angesetzt worden. Die Organisation teilt die Meinung der beiden US-Wissenschaftler und sei Chan zufolge besonders besorgt über eine mögliche weltweite Ausbreitung des Virus. „Der Alarmpegel ist extrem hoch“, sagte Chan. Man erwarte drei, vier Millionen Infizierte.

„Das ist nicht Ebola“

Dennoch: „Das ist nicht Ebola“, sagte der zuständige WHO-Direktor und Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten, Marcos Espinal. Die Krankheit werde bekanntermaßen durch Stechmücken verbreitet. Der Kampf gegen die Überträger sei daher entscheidend, aber er sei auch mit üblichen Mitteln möglich. Brasilien habe dabei bereits gute Fortschritte gemacht. Er betonte, dass es „keinen Grund zu Panik“ gebe.

Das vor allem für Schwangere gefährliche Virus grassiert derzeit vor allem in Südamerika: Nach WHO-Angaben gibt es in Brasilien möglicherweise 1,5 Millionen Zika-Fälle. Das Virus steht im Verdacht, bei der Infizierung von Schwangeren schwere Fehlbildungen bei deren Babys auszulösen. Dutzende Babys sind dort den Folgerkrankungen des Virus bereits erlegen.

Gegen die Moskios werden Insektizide versprüht

APA/AP/Salvador Melendez

Mit Insektiziden will man den Zika verbreitenden Moskitos beikommen

„Ein Ursache-Wirkung-Verhältnis zwischen einer Zika-Infektion und Missbildungen bei der Geburt oder neurologischen Syndromen ist noch nicht bewiesen, aber stark anzunehmen“, so WHO-Chefin Chan. Neben der Mikrozephalie ist damit das Guillain-Barre-Syndrom gemeint, eine entzündliche Nervenkrankheit. Die Zika-Infektion werde sich überall dorthin ausbreiten, wo die Überträgermücke lebe, warnte Chan.

Grippeähnliche Symptome

Im mittelamerikanischen Honduras wurden am Mittwoch rund 1.000 Neuinfektionen bestätigt. Auch Nicaragua meldete erste Infektionen. Der Erreger ist in über 20 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht. Experten befürchten eine Ausbreitung auf den gesamten amerikanischen Kontinent - mit Ausnahme von Alaska und Teilen Chiles.

Die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine warnte Schwangere vor Reisen in französische Überseegebiete. Geplante Touren etwa auf die Karibik-Insel Martinique und nach Französisch-Guayana sollten verschoben werden. Inzwischen wurde das Virus in mehrerern europäischen Ländern diagnostiziert, so auch in Österreich. Es führt bei etwa 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und ist normalerweise nicht tödlich.

Schwangere können das Virus aber auf ihre ungeborenen Kinder übertragen, bei denen es zu gefährlichen Fehlbildungen führen kann. Bis jetzt gibt es kein Heilmittel gegen das Virus. Der BBC zufolge wird ein Impfstoff erst in zwei Jahren zu Verfügung stehen, und das auch nur zu Versuchszwecken. Bis zu ein Jahrzehnt könnte es dauern, bis er für die Öffentlichkeit freigegeben und entsprechend eingesetzt werden kann.

Gratis Flugumbuchungen für Schwangere

Die Lufthansa bietet schwangeren Frauen, die einen Flug in vom Zika-Virus betroffene Länder gebucht haben, kostenlose Umbuchungen an. Die Möglichkeit bestehe für Verbindungen der Lufthansa selbst sowie der Tochterfluglinien Austrian Airlines, Swiss, Brussels Airlines und Eurowings, sagte ein Sprecher am Donnerstagabend.

Das Angebot gelte für schwangere Frauen und ihre Begleitung, die bis zum 31. März nach Mittel- und Südamerika oder in die Karibik fliegen wollen. British Airways und einige US-Fluglinien haben ähnliche Maßnahmen ergriffen.

Links: