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Oft wider Willen schwanger

Frauenrechtsaktivistinnen fordern angesichts der sich ausbreitenden Zika-Virus-Epidemie die südamerikanischen Regierungen auf, ihre bisherige restriktive Politik in Sachen Verhütung und Abtreibung zu überdenken. Damit wird ein Tabuthema in Südamerika berührt.

NGOs wie die International Planned Parenthood Federation (IPPF) befürchten, dass die Zahl der Frauen, die bei illegalen und daher meist gefährlichen Abtreibungen sterben, sprunghaft steigen wird. Mehrere Regierungen riefen in den letzten Tagen die Frauen dazu auf, ihre Kinderpläne für längere Zeit aufzuschieben. Teils war von bis zu zwei Jahren die Rede. Das ist laut IPPF und anderen Frauenrechtsgruppen, die sich für die reproduktive Selbstbestimmung von Frauen einsetzen, schlicht unmöglich. Denn in vielen dieser Länder seien Verhütungsmittel nicht gut zugänglich, und viele Frauen würden infolge einer Vergewaltigung schwanger.

Jede zweite Schwangerschaft ungeplant

„Wir fordern die Regierungen auf, den Zugang zu Verhütungsmitteln zu erleichtern, insbesondere für Gruppen mit geringem Einkommen“, so Giselle Carino von IPPF gegenüber der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Außerdem müsse die Möglichkeit geboten werden, sicher abzutreiben. Weiters müsse eine Bewusstseinsbildungskampagne gestartet werden, damit die Frauen über das Risiko einer Infektion und ihre Optionen aufgeklärt werden. Laut IPPF ist die Hälfte der Schwangerschaften in Ländern wie Kolumbien, El Salvador und Ecuador ungeplant - und oft Folge sexueller Gewalt.

Klage für Recht auf Abtreibung

In Brasilien will ein feministisches bioethisches Forschungsinstitut mit einem Fall vor das Höchstgericht ziehen, um den Zugang zu Verhütungsmitteln und das Recht auf Abtreibung für den Fall, dass das Baby an Mikrozephalie erkrankt ist, zu erkämpfen. In Brasilien ist Abtreibung verboten. Ausgenommen davon ist allerdings, wenn eine Frau durch Vergewaltigung schwanger wird oder eine Gefahr für das Leben der Mutter besteht.

Auch UNO-Menschenrechtler forderten zuletzt, Frauen in lateinamerikanischen Ländern Verhütungsmittel zur Verfügung zu stellen und medizinisch sichere Schwangerschaftsabbrüche zu erlauben. Es sei in dieser Situation besonders wichtig, dass Frauen die entsprechenden Menschenrechte uneingeschränkt wahrnehmen und selbst über Schwangerschaften entscheiden können, erklärte der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad Al-Hussein, am Freitag in Genf.

„Billiges Argument“

In Lateinamerika gibt es besonders restriktive Regelungen. 95 Prozent aller dort vorgenommenen Abtreibungen finden unter unsicheren Bedingungen statt. Dazu kommt, dass viele der Schwangeren selbst noch Kinder sind: Laut „Guardian“ ist mehr als jede Vierte, die etwa in El Salvador während einer Schwangerschaft oder bei der Geburt stirbt, noch Jugendliche.

Illegale Abtreibungen würden zwangsläufig zunehmen, wenn die Regierungen ihre Position nicht änderten, so Katja Iversen von der NGO Women Deliver. „Es ist ein mehr als billiges Argument der Regierungen zu sagen, Frauen sollten ihre Schwangerschaft verschieben - ohne Verhütungsmittel und den Zugang zur sicheren Abtreibung zu ermöglichen“, so Iversen.

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