Luftraum verletzt: Erdogan droht Putin

Zwischen der Türkei und Russland gibt es neue Spannungen: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte Moskau gestern mit „Konsequenzen“, weil erneut ein russisches Kampfflugzeug den türkischen Luftraum verletzt habe. Die NATO rief Russland auf, den Luftraum des Bündnisses „vollständig“ zu respektieren. Moskau wies die Vorwürfe zurück und sprach von „Propaganda“ von türkischer Seite.

Botschafter einbestellt

Das Außenministerium in Ankara teilte mit, dass es den russischen Botschafter einbestellt und den Vorfall „nachdrücklich verurteilt“ habe. Ein russisches Kampfflugzeug vom Typ Su-34 habe am Freitag um 10.46 Uhr (MEZ) den türkischen Luftraum verletzt. Das Ministerium fügte hinzu: „Wir unterstreichen ein weiteres Mal, dass Russland die volle Verantwortung für alle schweren Konsequenzen trägt, die aus einer solch unverantwortlichen Haltung entstehen.“

Präsident Erdogan sagte vor Journalisten in Istanbul: „Russland wird die Konsequenzen tragen müssen, wenn es weiterhin die Souveränitätsrechte der Türkei verletzt.“ Solch „unverantwortliche Taten“ seien weder für Russland noch für die Beziehungen zwischen der NATO und Russland noch für den Frieden in der Region oder in der Welt förderlich.

NATO appelliert an Russland

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief Russland auf, den Luftraum des Bündnisses, dem auch die Türkei angehört, „vollständig“ zu respektieren. Moskau solle verantwortlich handeln, sagte er. „Russland muss alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass solche Verletzungen (des Luftraums, Anm.) nicht mehr vorkommen.“ Stoltenberg rief zugleich zur „Ruhe und Deeskalation“ auf. Frühere Vorfälle hätten gezeigt, wie „gefährlich“ ein derartiges Verhalten sei.

Moskau sieht „haltlose Propaganda“

Das Verteidigungsministerium in Moskau versicherte, es habe „keinerlei Verletzung des türkischen Luftraums“ durch in Syrien stationierte, russische Flugzeuge gegeben. Ein Sprecher des Ministeriums sagte russischen Nachrichtenagenturen, die Behauptungen aus Ankara seien „haltlose Propaganda“.

Im November hatte die türkische Armee ein russisches Kampfflugzeug im türkisch-syrischen Grenzraum abgeschossen. Ankara begründete den Abschuss damit, dass der Jet türkischen Luftraum verletzt habe. Russland bestritt das.

Der Vorfall hatte eine schwere Krise in den Beziehungen zwischen Moskau und Ankara zur Folge, die im syrischen Bürgerkrieg auf jeweils unterschiedlichen Seiten stehen. Russland unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, die Türkei wiederum die teils islamistischen Gegner des syrischen Machthabers. Seit September fliegt Russland massive Luftangriffe in Syrien, um die Armee von Assad zu unterstützen.