Schengen-Aus würde Europa mehr als 100 Mrd. Euro kosten

Eine Abkehr von dem in der Flüchtlingskrise unter Druck geratenen Schengen-System würde Europas Wirtschaft einer Studie zufolge schwer schaden. Die wirtschaftlichen Kosten einer dauerhaften Wiedereinführung von Grenzkontrollen lägen für die Schengen-Länder längerfristig bei „mehr als 100 Milliarden Euro“ pro Jahr, heißt es in einer von der Denkfabrik „France Strategie“ veröffentlichten Studie.

Auswirkung auf Tourismus und Handel

Grenzkontrollen würden sich negativ auf Tourismus, Handel und Grenzgänger auswirken, erklärten die Forscher des an die französische Regierung angebundenen Instituts. Allein für Frankreich würden die kurzfristigen wirtschaftlichen Kosten bei ein bis zwei Milliarden Euro pro Jahr liegen, weil Touristen ausblieben, grenzüberschreitende Arbeit behindert und der Handel zwischen den Staaten gebremst werde.

Grenzkontrollen so wie Handelssteuer

Die längerfristigen Folgen wären noch schwerwiegender: Permanente Grenzkontrollen kämen einer Steuer auf den Handel zwischen den Schengen-Ländern in Höhe von drei Prozent gleich. Der Handel würde in der Folge um zwischen zehn bis 20 Prozent zurückgehen.

Die Forscher beziffern diese Kosten im Jahr 2025 für Frankreich auf mehr als 13 Mrd. Euro - das entspricht einer Verminderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozentpunkte. „Für die Länder des Schengenraums lägen die Auswirkungen eher bei 0,8 Punkten des BIP, also mehr als 100 Milliarden Euro“, heißt es in der Studie weiter. Eine Wiedereinführung der Grenzkontrollen hätte auch Folgen für „ausländische Investitionen und die Finanzströme“. Diese seien aber nur schwer abzusehen.

Wegen der Flüchtlingskrise führte eine Reihe europäischer Staaten wieder vorläufig Kontrollen an den Binnengrenzen des Schengenraums ein. Diese sind nach der bisherigen Rechtsgrundlage auf maximal acht Monate befristet. Die EU-Innenminister wollen, das eine Ausweitung auf bis zu zwei Jahre möglich ist.